> > > > Autonomes Fahren: Bundesregierung streitet über Haftung

Autonomes Fahren: Bundesregierung streitet über Haftung

Veröffentlicht am: von

bundesregierungBereits in den kommenden Monaten will die Bundesregierung mit den ersten Maßnahmen starten, die das Erproben und Entwickeln des autonomen Fahrens erleichtern und beschleunigen sollen. Doch ausgerechnet in einem der wichtigsten Punkte treten die Verantwortlichen auf der Stelle: Wer haftet bei einem Unfall, wenn der Rechner das Kommando hatte?

Wie das Handelsblatt in seiner heutigen Printausgabe berichtet, vertreten das zuständige Bundesverkehrsministerium sowie das Bundesjustizministerium jeweils eigene, nicht übereinstimmende Positionen. Aus ersterem heißt es, dass man den Fahrer aus der Haftung entlassen müsse, wenn man die Technik fördern will, letzteres beharrt darauf, dass in letzter Konsequenz der menschliche Fahrer die Verantwortung tragen müsse. Eine Einigung scheint angesichts der Meinungen nicht ohne weiteres möglich zu sein, was am Ende der hiesigen Industrie schaden könnte.

Laut Thomas Jarzombek (CDU), bis 2013 Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags sei es durchaus denkbar, dass man angesichts der ungeklärten Frage den Anschluss verlieren werde. Gegenüber dem Wirtschaftsblatt bestätigte eine nicht genannte Quelle aus der Automobilbranche die Bedenken: „Der Kunde wird im Zweifel ein Auto, das autonom fahren kann, nicht kaufen.“ Schließlich lohnt sich für diesen die Investition in die Technik nur, wenn sie auch problemlos genutzt werden kann.

Auch beim Koalitionspartner SPD ist man sich im Klaren darüber, dass die Haftungsfrage geklärt werden müsse. Denn: „Das hochautomatisierte Fahren kann die Chance bieten, den Straßenverkehr sicherer und effizienter zu organisieren“, so Sören Bartol.

Während in den USA selbst LKW bereits autonom fahren dürfen, streitet man in Deutschland noch immer über die Haftungsfrage
Während in den USA selbst LKW bereits autonom fahren dürfen, streitet man in Deutschland noch immer über die Haftungsfrage

Dabei hat man die erste Chance vor wenigen Tagen verstreichen lassen. Denn das für Deutschland für die Verkehrsregelung verbindliche Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr soll an den entsprechenden Stellen für das autonome Fahren angepasst werden. Da die Bundesregierung jedoch auf eine Antwort verzichtet hat, ist dies vorerst nicht mehr möglich – stattdessen muss eine nationale Lösung gefunden werden.

Wie schnell dies für den Standort Deutschland zu einem Problem werden kann, zeigen laut Handelsblatt die Initiativen in anderen Staaten. So will Volvo bereits im übernächsten Jahr in Schweden 100 Fahrzeuge autonom einsetzen, auch in Belgien dürften die Rahmenbedingungen für derartige Versuche in absehbarer Zeit geschaffen sein. Dass die USA selbstfahrende PKW – und LKW – in einigen Bundesstaaten auf öffentlichen Straßen testen lassen, ist für VW und Co. ebenfalls ein Nachteil.

Ändern soll sich dies frühestens 2018. Denn bis dahin sollen, so die Politik, die entsprechenden Paragrafen rund um die Haftung angepasst sein. Am Plan, ein Teilstück der Bundesautobahn 9 in eine öffentliche Teststrecke umzubauen, ändert dies nichts. Allerdings muss auch hier in letzter Instanz ein Mensch eingreifen können, im Falle eines Unfalls haftet dieser – auch wenn der Unfall nachweislich auf die Elektronik zurückzuführen ist.

Social Links

Diesen Artikel bewerten:

Ø Bewertungen: 0

Tags

Kommentare (8)

Diskutiert das Thema in unserem Forum:
Autonomes Fahren: Bundesregierung streitet über Haftung

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Vodafone schaltet erste Gigabit-Anschlüsse über Kabel für 20 Euro

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/VODAFONE_LOGO

    Vodafone versorgt ab sofort die ersten Kunden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1 Gbit/s. Das Unternehmen hat hierfür stellenweise sein Kabelnetz auf DOCSIS 3.1 umgerüstet und kann aktuell 400.000 Haushalte mit der schnellen Geschwindigkeit versorgen. Zu den ersten Städten mit der schnellen... [mehr]

  • Amazon geht mit manipulierten Paketen gegen Diebe vor

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMAZON

    Amazon hat anscheinend mit immer größeren Problemen beim Diebstahl von Paketen zu kämpfen. Teilweise sollen die Lieferanten die Pakete verschwinden lassen und Amazon bleibt letztendlich auf dem Schaden sitzen. Wie ein Insider berichtet, soll das Unternehmen allerdings in der jüngeren... [mehr]

  • Erste Verkaufspreise für AMDs nextGen-CPUs und -Mainboards aufgetaucht

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD-RYZEN

    Der dänische Online-Versandhändler Komplett.dk nennt knapp drei Wochen vor dem offiziellen Ryzen-3000-Release erste Preise zu AMDs nextGen-Prozessoren und zu X570-Mainboards. In der Vergangenheit wurde sehr viel über die preisliche Ausrichtung für die am 7. Juli 2019 erwarteten Zen-2-CPUs und... [mehr]

  • NVIDIA veröffentlicht geheimnisvollen Teaser zur Computex

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/NVIDIA

    NVIDIA hat per Social Media auf Twitter und Facebook sowie auf YouTube einen 16-sekündigen Videoclip veröffentlicht, der mit "something super is coming ..." beschrieben ist. Weitere Details verrät das Unternehmen dazu bisher nicht. Das Video zeigt einen in Metall gefrästen... [mehr]

  • ASUS Software Updates mit Malware verseucht (2. Update)

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/ASUS_LOGO

    Bereits mehrfach hat sich gezeigt, dass Software einiger Systemhersteller nicht wirklich mit Fokus auf eine möglichst hohe Software-Sicherheit entwickelt wird. So gab es bereits mehrfach große Sicherheitslücken in Software von ASUS und Gigabyte. Offenbar gab es bei ASUS aber auch noch andere... [mehr]

  • Gewinnwarnung: Schleppende Geschäfte bei Media Markt und Saturn

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/MEDIA_MARKT

    Vierzehn Minuten vor Mitternacht und nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der eigentlichen Quartalszahlen ging der Elektronik-Händler Ceconomy, unter dessen Dach auch Media Markt und Saturn zusammengeführt werden, am Montagabend mit einer weiteren Adhoc-Meldung an die Öffentlichkeit. Der... [mehr]