> > > > Vectoring: Bundesregierung will die Deutsche Telekom massiv bevorteilen

Vectoring: Bundesregierung will die Deutsche Telekom massiv bevorteilen

Veröffentlicht am: von

telekom2Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, soll die Deutsche Telekom beim Ausbau des Breitbandnetzes bevorteilt werden. Denn wie das Handelsblatt berichtet, wird derzeit massiver Druck von Seiten des Kanzleramts sowie des Bundeswirtschafts- und Bundesverkehrsministeriums auf die Bundesnetzagentur ausgeübt. Hintergrund: Die Bonner Behörde soll einem Antrag der Deutschen Telekom zustimmen, der dem Konzern ein Exklusivrecht für den Ausbau des Vectoring-Netzes einräumen würde.

Dass dies noch nicht geschehen ist, obwohl er bereits vor Monaten eingereicht wurde, liegt an der Brisanz. Denn stimmt die Regulierungsbehörde zu, würde es sich um einen drastischen Eingriff in den Wettbewerb handeln. Deshalb sei dem Bericht zufolge der wissenschaftliche Beirat der Bundesnetzagentur derzeit damit beschäftigt, ein Gutachten zu erstellen. Dieses soll klären, ob der Eingriff rechtlich möglich ist.

Im Kern geht es um den Zugriff auf einen Radius von 550 Metern rund um die gut 8.000 Hauptverteiler in Deutschland. Diese Bereiche möchte die Deutsche Telekom exklusiv mit der Vectoring-Technik ausstatten und auf diesem Wege zusätzlich 5,9 Millionen Haushalte an das schnelle Netz anbinden. Dass dies nicht ohne Behinderung der Konkurrenz ginge, ist in der Technik selbst begründet. Denn innerhalb eines Hauptverteilers oder Kabelverzweigers kann lediglich ein Anbieter Vectoring ausbauen. Den Mitbewerbern ist dann nur noch möglich, bei der Konkurrenz ein Vorprodukt zu erwerben und anschließend unter eigenem Namen zu vermarkten. Dies bedeutet unter Umständen nicht nur höhere Preise respektive geringere Margen, sondern auch den zwangsweisen Verzicht auf bestimmte Funktionen und Dienste.

VDSL2-Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom
VDSL2-Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom

Erschwerend käme hinzu, dass mehr als 135.000 Leitungen der Konkurrenz an die Deutsche Telekom zurückgehen würden. Dabei handelt es sich um Anschlüsse, die derzeit von Mitbewerbern betrieben, aber bislang aufgrund der Vectoring-Einschränkung nicht einmal mit VDSL versorgt werden können.

Von Seiten verschiedener Interessenvertretungen heißt es, dass die Deutsche Telekom eindeutig zurück zu ihrem früheren Monopol will. Aus der Bonner Zentrale heißt es dazu nur, dass man anders als die Mitbewerber das Breitband konkret ausbauen wolle. Sollte die Bundesnetzagentur dem Druck nachgeben und dem Antrag zustimmen, dürften Klagen folgen. Entsprechende Ankündigungen wurden bereits getätigt.