Seite 1: Test: Metro: Last Light - zurück in den Untergrund

Metro Last Light LogoVorsichtig nähern wir uns einer Gruppe abgewrackter Gestalten. Im spärlich beleuchteten U-Bahnschacht fällt es uns nicht schwer, unbemerkt im Schatten zu bleiben. Eine letzte Lampe bringt unsere schallgedämpfte Pistole zum Erlöschen - und gleich darauf werden auch unsere Widersacher ausgelöscht. Eilig untersuchen wir ihre Taschen nach nützlichen Gegenständen - vor allem unser Munitionsvorrat könnte eine Auffrischung gebrauchen. Wer weiß schon, was hinter der nächsten Biegung des Schachtes auf uns lauert...

Der erste Metro-Teil, Metro 2033, wurde 2010 zum Überraschungserfolg. Nach der Romanvorlage von Dmitri Alexejewitsch Gluchowski hatte das ukrainische Entwicklerstudio 4A Games eine ganz eigene, unwirkliche Welt geschaffen. Der Ego-Shooter beeindruckte aber nicht nur mit der Kulisse, sondern auch mit einer mitreißenden Story. Die 4A Engine sorgte für eine ansprechende Grafik, trieb aber selbst High-End-Hardware an ihre Grenzen. Mit Metro: Last Light können Spieler seit Mitte März 2013 erneut durch ein postapokalyptisches Moskau streifen. Wir haben den zweiten Teil der Metro-Reihe gespielt und fassen unsere Eindrücke in einem Erfahrungsbericht zusammen. Wir wollen vor allem klären, ob Last Light an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann oder nur ein lauwarmer Aufguss ist. Gespannt sind wir auch darauf, was sich technisch getan hat. Ist der neue Metro-Teil noch hardwarehungriger als Metro 2033 und noch atmosphärischer?

Im Jahr 2034 ist die Erdoberfläche verseucht, die überlebende Bevölkerung Moskaus hat sich in den Untergrund zurückgezogen. Vor allem in den Stationen und Schächten der Metro fristen die letzten Moskowiter ein Dasein in Dunkelheit. Bedroht werden sie dabei nicht nur durch Angst einflößende Mutanten, sondern vor allem durch sich selbst. Obwohl die Menschen schon die Erdoberfläche verwüstet haben, hören sie nicht auf, sich auch unter der Erde zu bekriegen. Verschiedene Fraktionen kämpfen mit allen Mitteln um die Vorherrschaft im Untergrund. In den Strudel der Auseinandersetzungen wird auch der Spielheld Artjom hineingezogen, in dessen Haut wir schon im ersten Teil geschlüpft sind. 

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Artjom wird aus der Ego-Perspektive gesteuert, man bekommt ihn selbst also kaum zu Gesicht. Trotzdem bleibt er nicht gesichtslos, sondern wird dem Spieler mit der Zeit vertraut - auch durch Rückblenden in seine Vergangenheit. Anders als im Vorgänger ist Artjom von Beginn an nicht irgendein Nobody, sondern nach den Ereignissen in Metro 2033 ein angesehener Ranger. Die Story wird nahtlos fortgeführt, sie knüpft aber nur an einem der alternativen Enden des Vorgängers an. Die Ranger haben sich im Militärbunker D6 niedergelassen. Von hier aus bricht Artjom auf die Suche nach einem Schwarzen auf, der die Ereignisse in Metro 2033 überlebt hat.

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Die Menschen sind sich nach wie vor nicht einige darüber, was von den Schwarzen zu halten ist. Der Homo novus ist eine humanoide Kreatur, der anders als die Menschen selbst auf der Oberfläche leben kann. Artjom hat eine besondere Beziehung zu den Schwarzen, denn anders als andere Menschen kann er sie verstehen.

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Die Suche nach dem überlebenden Schwarzen hält Artjom fast das gesamte Spiel über in Atem. Gleichzeitig treten die Konflikte mit verschiedenen Gruppierungen der Metro in den Vordergrund. Die einzelnen Fraktionen orientieren sich teilweise an historischen Vorbildern - so gibt es die auf den Handel konzentrierte Hanse, aber auch Kommunisten und Nazis. Konflikte zwischen den so verschiedenen (und vom Spiel auch abwechslungsreich dargestellten) Fraktionen bleiben nicht aus und werden selbst in offenen Kriegen ausgetragen. Auch Artjom muss sich während seiner Suche mit verschiedenen Fraktionen auseinandersetzen, bekommt es aber auch wieder mit verschiedenen Mutanten zu tun. 

Spiel Metro: Last Light (entwickelt von 4A Games, Publisher Deep Silver)
Straßenpreis 44 Euro
USK ab 18 Jahren
Spielzeit 9,5 Stunden
Homepage http://enterthemetro.com/de/

Metro: Last Light kam am 17. Mai 2013 in den Handel und wird als Vollpreisspiel verkauft. Der Ego-Shooter ist ab 18 Jahren freigegeben, dafür aber auch in der deutschen Version ungeschnitten. Diese USK-Einstufung ist angemessen, denn das Spiel geizt nicht mit harten Kämpfen und brutalen Szenen (und nackten Brüsten) und ist ganz klar ein Spiel für Erwachsene. Dass Gewalt in der Metro eine zentrale Rolle spielt, erscheint im Kontext des endzeitlichen Szenario aber durchaus nachvollziebar und auch brutalere Szenen wie Hinrichtungen sind nachvollziehbar in die Story eingeordnet und keineswegs nur wegen ihrer Schockwirkung Teil des Spieles. 4A Games hat sich ganz auf den Story-Modus konzentriert und Metro: Last Light als reines Single-Player-Spiel entwickelt. Die Spielzeit liegt bei etwa 9,5 Stunden und fällt für einen Ego-Shooter durchschnittlich aus.