Seite 3: Die Samsung SSD 950 PRO im Detail (Teil 2)

Ein weiteres Thema ist die Wärmeentwicklung: Hinter der von Samsung beworbenen Funktion Dynamic Thermal Guard verbirgt sich nichts weiter als eine Drosselung der Performance, sobald eine bestimmte Temperaturgrenze überschritten wird. Dies schützt das Laufwerk vor Schäden durch thermische Überlastung. Die Funktionsweise des Überhitzungsschutzes scheint bei der 950 PRO im Gegensatz zur SM951 leicht verändert worden zu sein. So liegt die Temperaturschwelle um einige Grad niedriger, denn bei der SM951 lag die von uns gemessene Spitzentemperatur noch bei 82 °C, die 950 PRO erreicht maximal 75 °C. Der im Datenblatt angegebene Temperaturbereich während des Betriebs liegt zwischen 0 °C und 70 °C.

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Die möglichen Performancestufen scheinen außerdem feiner ausdifferenziert zu sein. Bei der SM951 schwankte die Performance nur zwischen 100 % und ca. 5 % der Ausgangsleistung. Der Algorithmus der Samsung 950 PRO erlaubt hier offenbar mehr Zustände, so sinkt die Performance bereits vor dem Erreichen der maximalen Temperatur und fällt im gedrosselten Zustand nicht unter 60% der Ausgangsleistung, erreicht aber nach den kurzen Phasen der Abkühlung auch nicht mehr 100%, sondern maximal 70%.

de 950pro with cooling 500

In einem weiteren Test haben wir die Samsung SSD 950 PRO auf einer Adapterplatine mit Kühlkörper betrieben. Wie zu sehen ist, wird während der kompletten Testphase von 15 Minuten kein einziges Mal die Temperaturgrenze erreicht, wobei die Temperatur am Ende des Tests bei 73 °C und damit kurz vor der Grenze lag - dennoch ist eine deutliche Verbesserung zu erkennen. Mit einer aktiven Kühlung sollte man noch eine deutlich niedrigere Temperatur erreichen können. Bei der Montage eines Kühlkörpers sollte man die unterschiedlichen Bauhöhen der Komponenten berücksichtigen, um Speicher und Controller optimal kühlen zu können, benötigt man Wärmeleitpads unterschiedlicher Höhe. Da wir nur ein Wärmeleitpad zur Verfügung hatten, haben wir nur den Controller mit dem Kühlkörper verbunden. Den Aufkleber auf der SSD haben wir dabei nicht entfernt.

Zu guter Letzt schauen wir uns noch die neue Version des Samsung SSD Magician an, die uns wie der Treiber in einer Vorabversion zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. Der SSD Magician ist das von Samsung vorgesehene Werkzeug, um den Status der SSD zu überprüfen, die Firmware zu aktualisieren und das Laufwerk zu optimieren.

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Der Startbildschirm gibt eine schnelle Übersicht über alle Betriebsparameter. Neben einer Gesamtbewertung des Laufwerkszustands sieht man, wie viele Daten bisher auf das Laufwerk geschrieben wurden und wie viel Speicherplatz belegt ist. Des Weiteren werden der verwendete Treiber und die aktuelle Anbindung der SSD angezeigt. Eine Link Width von x4 ist das Optimum, ebenso wie ein Link Speed von 10 Gbps. Stehen weniger als vier Lanes zur Verfügung, verringert sich die Link Width. Ein Link Speed von 5 Gbps deutet darauf hin, dass das Laufwerk nur via PCIe 2.0 angebunden ist und somit nicht die volle Leistung zur Verfügung steht.

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Wer es genau wissen möchte, kann sich auch die SMART-Werte des Laufwerks anzeigen lassen. Hierbei muss man beachten, dass die Werte in der Spalte Raw Data im Hexadezimalformat vorliegen. Die Temperatur wird außerdem in Kelvin angegeben, sodass der Wert 145 erst in das Dezimalsystem umgerechnet werden muss. Um Kelvin in Grad Celsius umzurechnen, sodass sich in diesem Fall am Ende eine Temperatur von 52 °C ergibt.

Der Menüpunkt OS Optimization steht nicht zur Verfügung, was wir positiv bewerten, denn ab Windows 7 ist das Microsoft-Betriebssystem voll kompatibel zu SSDs und vermeintliche Optimierungen führen häufiger zu einer Verschlechterung der Performance. Das gilt auch für den RAPID-Modus, der das System durch Verwendung von Arbeitsspeicher als zusätzlichen Cache weiter beschleunigen soll. Auch dieses System bringt im Zweifelsfall mehr Probleme als Nutzen und steht in Verbindung mit der Samsung 950 PRO ohnehin nicht zur Verfügung.

Die einzige Optimierung, die man noch vornehmen kann, ist hinter dem Punkt Over Provisioning verborgen. Dabei handelt es sich um einen Bereich auf der SSD, der nicht für den Nutzer zugänglich ist. Jede SSD reserviert dafür einen Teil des Speichers, in der Regel sind es sieben bis zehn Prozent. Dieser Bereich lässt sich vergrößern, indem man das fabrikneue oder frisch formatierte Laufwerk nicht vollständig partitioniert, sondern einen Teil ungenutzt lässt. Je größer dieser Bereich ist, desto besser kann der Controller der SSD die Daten verwalten. Damit einher geht eine höhere Langzeitperformance und unter Umständen auch eine bessere Haltbarkeit. Da beides bei Desktop-Rechnern kein Thema ist, kann man allerdings beruhigt den vollen Speicherplatz der SSD nutzen und auf ein zusätzliches Over Provisioning verzichten. Gegenteilige Ratschläge stammen meistens noch aus Zeiten, in denen eine Unterstützung für den TRIM-Befehl nicht selbstverständlich war.

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Beim letzten Punkt Data Security erhält man einen Überblick über unterstütze und aktivierte Verschlüsselungsfunktionen. Momentan unterstützt die Samsung SSD 950 PRO lediglich Class 0, was dem Setzen eines Passworts im BIOS/UEFI entspricht. Diese Funktion ist häufig nur bei Notebooks und eher selten bei Desktop-Mainboards zu finden, auch unser ASRock Z97 Extreme6 unterstützt das Setzen eines Passworts nicht. Sowohl TCG Opal als auch Encrypted Drive sind bei der Samsung SSD 950 PRO noch nicht verfügbar. Hinter Encrypted Drive verbirgt sich dabei die Hardwareverschlüsselung mittels BitLocker, auch als eDrive bekannt. Beide Verschlüsselungsmodi sollen mit einem zukünftigen Firmware-Update unterstützt werden.