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Core i5-7200U trifft auf lautlose Kühlung

Anders als beim MateBook E hat sich Huawei beim MateBook X für einen vollwertigen Prozessor der Core-i5-Reihe entschieden. Zur Wahl steht dabei lediglich der Core i5-7200U der Kaby-Lake-Generation. Der verfügt über zwei Kerne nebst Hyper-Threading und erreicht nominell 2,5 GHz, im Turbo-Modus sogar bis zu 3,1 GHz. Andere Details wie der 3 MB große Level-3-Cache, die Fertigung im 14-nm-Verfahren sowie die TDP von 15 W sind inzwischen altbekannt. Wie schon bei den Vorgängern i5-6200U und i5-5200U handelt es sich hierbei um so etwas wie den „Brot und Butter"-Prozessor - einen Business-Allrounder, der auch in anderen Bereichen nicht sofort überfordert ist.

Zusammen mit dem 8 GB großen Arbeitsspeicher (LPDDR3) sowie der 256 GB fassenden SSD verspricht das für Office und Co. mehr als ausreichend Leistung. Doch genaueres Hinschauen lohnt sich.

So steckte im Testgerät mit dem Liteon-Modell CB1-SD256 ein grundsätzlich NVMe-taugliches Laufwerk, doch mit maximalen Übertragungsraten von etwa 680 und 470 MB/s beim Lesen und Schreiben entpuppte sich dies als vergleichsweise langsam. Das mag im Alltag meistens keine Rolle spielen, wer häufig große oder viele Dateien verschiebt, dürfte sich aber ärgern.

Das führt natürlich dazu, dass das MateBook X in Benchmarks wie PCMark 8 etwas abgestraft wird. Dennoch landet es mit etwa 2.500 Punkten noch im oberen Drittel. Zu einem guten Teil liegt das aber auch am Prozessor. Mit 3,6 und 319 Punkten in der Multi-Thread-Wertung (Cinebench 11 und 15) entpuppt der sich als sehr flott, was sich in CPU-lastigen Szenarien als großer Vorteil entpuppt. Die integrierte GPU vom Typ HD Graphics 620 mit ihren 24 Execution Units und einem maximalen Takt von 1 GHz ist hingegen schnell überfordert. Eine wichtige Rolle übernimmt sie lediglich dann, wenn es um bestimmte Video-Formate und -Codecs geht; hier spielt Kaby Lake grundsätzlich seine Stärken gegenüber den Vorgängern aus, was Leistung und Effizienz angeht.

Ärgerlich ist nur, dass das volle Potential nicht auf Dauer abgerufen werden kann. Je nach Auslastung werden die Taktraten von CPU und GPU nach etwa 15 bis 40 Sekunden teils deutlich reduziert. Unter CPU-Volllast unterschritten die beiden Kerne den Nominaltakt nach 40 Sekunden, das untere Ende war bei 1,6 GHz erreicht. Wurde zusätzlich die GPU ausgelastet, wurde die CPU sogar auf 700 MHz ausgebremst, die GPU blieb mit 400 MHz knapp über den von Intel genannten unteren Grenze.

Grund für dieses Verhalten ist das Kühlsystem. Dabei handelt es sich um eine PCM-basierende Lösung, die bislang vornehmlich in der Raumfahrt zum Einsatz kam. Im Detail handelt es sich dabei im MateBook X um winzige Kapseln, in denen Phasenwechselmaterial (phase changing material, PCM) eingelagert ist und die über Heatpipes mit den verschiedenen Bauteilen verbunden sind. Das PCM schmilzt bei höheren Temperaturen und nimmt somit die von den Komponenten freigesetzte Energie in Form von Abwärme auf. Sinkt die Temperatur anschließend wieder, wechselt das Material zurück in seine ursprüngliche Form. Das macht nach Ansicht Huaweis einen Lüfter überflüssig, das Notebook verfügt somit über eine lautlose Kühlung.

Das führt allerdings dazu, dass das PCM die aufgenommene Energie in Form von Wärme lediglich an das Gehäuse weiterleiten kann, das diese wiederum an die Umgebung abgibt. Ist dieses Potential ausgeschöpft, kommt die Kette zum Stillstand, was letztendlich zur Drosselung des Prozessors führt, um Schäden durch zu hohe Temperaturen zu vermeiden. Dieses Limit hat Huawei gut gewählt, so zumindest der Eindruck nach dem Test. Denn selbst nach langen Volllastphasen wurden am Gehäuse keine kritischen Temperaturen erreicht, in der Spitze konnten 46 und 42 °C an der Ober- und Unterseite gemessen werden. Der Core i5-7200U erreichte gleichzeitig 75 °C.

Was bedeutet das für die Praxis? Im Produktiv-Einsatz mit Office, dem Browser, dem Bearbeiten von einzelnen Fotos und ähnlichem werden weder Prozessor noch Kühlsystem überfordert. Zwar kann nicht erwartet werden, dass der Core i5-7200U permanent im Turbo-Modus rechnet, der Nominaltakt wird allerdings nicht oder nur zumindest sehr kurz unterschritten. Wer das MateBook X hingegen auch für das ein oder andere Spiel oder Video-Schnitt nutzen will, muss mit Einschränkungen rechnen. Ganz davon abgesehen, dass Benchmarks wie 3DMark mit knapp 52.000 und 900 Punkten (Setting Ice Storm und Fire Strike) dem MateBook X nur eine sehr eingeschränkte Spieletauglichkeit bescheinigen.

Ausdauer durchschnittlich, Ladegerät schwach

Das nur 12,5 mm dünne Gehäuse des MateBook X führt natürlich dazu, dass vergleichsweise wenig Raum für den Akku zur Verfügung steht. Entsprechend fällt die Kapazität mit 40,2 Wh alles andere als überbordend aus. Huawei selbst spricht im übrigen von 41,4 Wh, diesen Wert konnten die im Test genutzten Diagnose-Tools aber nicht bestätigen.

Einen signifikanten Unterschied macht dies am Ende aber nicht aus, auch der versprochene Wert würde das Notebook nicht an die Spitze der Rangliste katapultieren. Bei geringer Last (Battery Eater Reader's Test) hielt das MateBook X knapp 12 Stunden durch, was für einen Platz im oberen Mittelfeld reicht. Im Office-typischen Betrieb (PCMark 8) musste nach etwa 3,5 Stunden zum Ladegerät gegriffen werden, bei hoher Last (Battery Eater Classic) war das Ende nach gut 3 Stunden erreicht.

Damit ist das MateBook X sicherlich kein Ausdauerwunder, in vielen Fällen dürfte ein typischer Arbeitstag oder Tag an der Uni aber auch ohne zwischenzeitliches Laden zu überstehen sein. Selbst längere Zugfahrten oder Flüge lassen sich ohne Steckdose überbrücken. Im Zweifelsfall sollte das Netzteil aber immer mitgeführt werden - auch, da es sich mit rund 90 g nicht zu schwer macht. Allerdings fällt es mit einer Maximalleistung von 40 W etwas zu schwach aus. Im abgeschalteten Zustand lässt sich das Gerät so zwar in weniger als zwei Stunden vollständig laden, im gleichzeitigen Betrieb kann es aber knapp werden. Schon bei einer Display-Helligkeit von 120 cd/m² genehmigt sich das MateBook X bis zu 27 W, bei maximaler Helligkeit konnten bis zu 37 W gemessen werden.

Eingabegeräte mit Luft nach oben

Trotz der geringen Grundfläche des Gehäuses ist es Huawei gelungen, eine normalgroße Notebook-Tastatur zu verbauen. Alle wichtigen Tasten fallen mit 16 x 16 mm angenehm groß aus, der Abstand von 3 mm verringert das Risiko von Fehleingaben. Das Tippgefühl überzeugt hingegen nicht in Gänze. Zwar ist der Druckpunkt gut gewählt und bei allen Tasten nahezu identisch, der Hub ist jedoch zu knapp bemessen. Das sorgt für ein etwas hölzernes Schreiben und gerade bei den größeren Tasten für zu wenig Feedback.

Dafür ist die Beschriftung der Tasten tadellos, selbst die Sonderfunktionen lassen sich ohne Studium einer Anleitung sofort nutzen. In dunklen Umgebungen hilft die insgesamt dreistufige weiße Hintergrundbeleuchtung, die sehr gleichmäßig ausfällt.

Auf die größte Schwäche des MateBook X stößt man, wenn das Touchpad genutzt wird. Nicht nur, dass dies mit einer Fläche von 96 x 60 mm nicht sonderlich groß ausfällt. Die tatsächlich nutzbare Zone ist abermals kleiner. Denn in den vier Ecken wollte das Testgerät partout keine Eingaben abseits eines Klicks erkennen. Hinzu kommt, dass Tippgesten nur für das Simulieren eines linken Mausklicks erkannt wurden und das Pad selbst im unteren Bereich etwas wacklig wirkt - fast könnte man von zweistufigen Tasten sprechen.

Die bieten im übrigen einen gut gewählten Druckpunkt sowie Hub und arbeiten sehr präzise. Eine optische Unterteilung fehlt leider.