Seite 1: Huawei MateBook X im Test: Raumfahrt-Technik ist keine Patentlösung

Vor einem Jahr wagte Huawei mit dem MateBook den ersten Ausflug in die Welt der 2-in-1-Devices. Nun folgt mit dem MateBook X das erste reinrassige Notebook. Den Erfolg sollen gleich mehrere Besonderheiten garantieren, darunter der Einsatz einer Weltraum-Technik sowie ein Detail, auf das bislang überraschenderweise kein anderer Notebook-Hersteller gekommen ist.

Das MateBook X ist dabei nur eines von drei im Mai vorgestellten Modellen. Mit dem MateBook E präsentierte Huawei einen minimal überarbeiteten Nachfolger des letztjährigen MateBook, mit dem MateBook D zudem einen Allrounder im 15-Zoll-Format. Letzterer wird in Deutschland nicht angeboten, obwohl das Gesamtpaket stimmig wirkt. Interessant ist zudem, das Huawei sich beim MateBook X auf eine einzige Konfiguration beschränkt und mit dem MateDock 2 ein wichtiges Zubehör gleich mit den in Karton legt.

Beides führt allerdings dazu, dass der Preis nicht zugunsten einer schwächeren Ausstattung gedrückt werden kann - unverbindliche 1.399 Euro verlangt Huawei. Zum Testzeitpunkt wurde das Notebook von einigen Händler jedoch schon für etwa 1.200 Euro gelistet.

Office-Ausstattung mit zu wenig Schnittstellen

Dafür bekommt man eine Ausstattung, die durchaus als ausreichend bezeichnet werden kann, wenn es um ein typisches Office-Gerät geht. Denn Huawei paart Intels Core i5-7200U mit 8 GB an Arbeitsspeicher, einer 256 GB fassenden SSD und einem 13,3 Zoll großem Display.

Die Beschränkung auf zwei Anschlüsse vom Typ USB 3.1 Gen 1 Typ-C sowie ein Audio-Buchse erlauben das Design eines schlanken Gehäuses, schränken den Einsatz aber auch etwas ein. Zubehör, das auf eine Typ-A-Buchse angewiesen ist, oder auch externe Displays, sind auf das MateDock 2 angewiesen. Über dieses wird das MateBook X um je einmal USB 3.1 Gen 1 Typ-A und Typ-C, VGA sowie HDMI erweitert. Das reicht im Alltag in den vermutlich meisten Fällen aus, nur beim Einsatz einer Kamera wird es kniffelig. Mangels Kartenleser - auch im MateDock 2 steckt keiner - führt kein Weg an einer Verbindung per USB-Kabel vorbei; meist verbunden mit geringen Übertragungsraten. Störend ist aber auch, dass das fest am MateDock 2 sitzende Anschlusskabel nur etwa 9 cm lang ist.

Zu beachten ist darüber hinaus, dass Huawei den beiden Typ-C-Ports keine Flexibilität spendiert hat. So lässt sich das MateBook X nur über die linke Buchse laden, dann aber auch über ein eventuell angeschlossenes MateDock 2, Display-Signale lässt aber nur der rechte Anschluss passieren. Der Einsatz von Thunderbolt 3 anstelle von USB 3.1 Gen 1 Typ-C wäre somit die deutlich bessere Wahl gewesen.

Drahtlos lässt sich das Notebook per WLAN (802.11ac) in Netzwerke einbinden, dank 2x2-MIMO-Antennen-Design werden stabile Datenraten erreicht. Headsets und anderes Zubehör lassen sich auch per Bluetooth (4.1) anbinden.

Hörenswert sind die Stereo-Lautsprecher, die direkt oberhalb der Tastatur sitzen. Laut Huawei handelt es sich dabei um das erste Dolby-Atmos-System in einem Notebook, die Erwartungen sind entsprechend hoch. Und tatsächlich kann das MateBook X eine für ein derartiges Gerät beachtliche Stereo-Blase erzeugen, selbst Raumklang wird zumindest an Ansätzen geboten. Allerdings dürften Mitten und vor allem die Tiefen stärker ausgeprägt sein, hier dürfte die geringe Bauhöhe des Gehäuses aber ihren Tribut fordern. Die maximale Lautstärke ist ausreichend, Verzerrungen waren im Test nur vereinzelt zu vernehmen. Die oberhalb des Displays verbaute Webcam liefert lediglich bei guten Lichtverhältnissen brauchbare Ergebnisse, in anderen Situationen neigt zu schnell zu Bildrauschen und Artefaktbildung.

Eine Besonderheit ist der Fingerabdrucksensor. Den hat Huawei unauffällig in den Power-Button des MateBook X integriert und mit Windows Hello gekoppelt. Wird das Gerät mit dem hinterlegten Finger per Druck auf die Taste gestartet, erfasst der Sensor gleichzeitig den Abdruck. Dieser wird zwischengespeichert und nach dem Hochfahren an Windows weitergereicht, um die Anmeldung am Gerät abzuschliessen. Das gelang im Test sehr zuverlässig und vor allem schnell und komfortabel.

Schlichtes Gehäuse ohne Schwächen

Dabei ist der die kreisrunde Kombination aus Power-Taste und Fingerabdrucksensor gleichzeitig auch ein Design-Element, das auflockernd wirkt. Denn der Rest des nahezu komplett aus Aluminium bestehenden Gehäuse fällt eher nüchtern aus. Als Eyecatcher fungieren höchstens noch die umlaufenden Fasen sowie der Huawei-Schriftzug auf beiden Seiten des Deckels. Mit 286,0 x 211,0 x 12,5 mm fällt das MateBook X sehr kompakt aus, die Linienführung lässt es - auch aufgrund der leichten Keilform - allerdings noch kleiner wirken. Insgesamt kann die Optik als in sich stimmig und zurückhaltend beschrieben werden. Wer ein schlichtes Arbeitstier sucht, wird sich damit anfreunden können.

Erfreulich ist, dass die geringen Ausmaße sowie das Gewicht etwas weniger als 1,1 kg nicht zulasten der Stabilität gehen. Selbst mit hohem Krafteinsatz lässt sich die Handballenablage nur minimal verformen, gleiches gilt für den Deckel. Bei letzterem zeigt sich unter anderem das verwendete Gorilla Glass als sehr verwindungssteif. Zusätzlich stellen auch grobe Stöße kein Problem für das Display dar. Das Zentralscharnier hält es sicher an Ort und Stelle. Gleichzeitig ist aber dennoch das Öffnen des Deckels mit nur einer Hand möglich, was in dieser Gewichtsklasse nicht selbstverständlich ist. An anderer Stelle beweist Huawei allerdings weniger Detailverliebtheit. Denn die eigentlich obligatorische, um das Display herum verlaufende Gummilippe fehlt. Somit kann Schmutz im zugeklappten Zustand zwischen Display und Tastatur gelangen.

An der Verarbeitung lässt sich nichts kritisieren. Weder gibt es scharfe Kanten, noch ungleiche Spaltmaße. Und auch Geräusche sind dem Gehäuse nicht zu entlocken.

Die Bodenplatte lässt sich nach dem Entfernen von nur drei Torx-Schrauben leicht abnehmen. Was zunächst löblich wirkt, entpuppt sich aber am Ende als völlig überflüssig. Denn Nachrüsten lässt sich nichts, sowohl Arbeitsspeicher als auch SSD sind fest verlötet.

Ein anderer Kritikpunkt ist das Fehlen von Status-LEDs, die im geschlossenen Zustand erkennbar sind. So ist ohne Aufklappen des Deckels weder erkennbar, ob das Gerät abgeschaltet oder nur das Display deaktiviert ist oder ob der Akku voll geladen ist. Letzteres ist aber auch mit geöffnetem Deckel nicht ersichtlich. Dann lässt sich zumindesz anhand der LEDs in Caps-Lock- und Fn-Taste der Zustand des Systems ablesen.

3:2 trifft schmalen Rahmen

Weniger Fläche als ein Blatt Papier im Format DIN A4 soll das MateBook X einnehmen, wie Huawei auf der Vorstellung mehrfach betonte. Tatsächlich stimmt das, gerade einmal 60,3 cm² nimmt das Gerät ein - das Papier kommt auf 62,5 cm². Möglich wird das durch zwei Maßnahmen. Zum einen setzt Huawei auf das 3:2-Format, zum anderen fallen der linke und rechte Rand des 13,3 Zoll großen Displays mit etwa 5 mm sehr schmal aus; der obere misst 8 mm.

Während die schmalen Rahmen überall für positive Reaktionen sorgen dürften, sind Diskussionen bezüglich des Formats vorprogrammiert. Das bietet zwar mehr Zeilen als ein 16:9-Panel, letzteres hat aber ebenfalls Vorteile. Klar ist hingegen, dass die Schärfe dank 2.160 x 1.440 Pixeln mehr als ausreicht. Störend ist hingegen die spiegelnde Oberfläche, die aufgrund des fehlenden Touch-Sensors aber überflüssig ist.

Die Messwerte attestieren dem IPS-Panel des MateBook X eine insgesamt hohe Qualität. Die maximale Helligkeit beträgt 415 cd/m², die Homogenität fällt mit knapp 93 % überzeugend aus. Auffällig ist hier lediglich die obere linke Ecke: Dass diese dunkler als der Rest, fällt aber nur bei sehr genauem Hinsehen auf. In hellen Umgebungen, beispielsweise im Freien, reicht die Hintergrundbeleuchtung oftmals nicht aus, um Spiegelungen zu vermeiden.

Ab Werk erreicht das Display eine durchschnittliche Farbtemperatur von 6.700 Kelvin, womit weiß minimal in Richtung Blau abdriftet, kritisch ist dies aber nicht. Den sRGB-Farbraum deckt das MateBook X zu 92 % ab, bei AdobeRGB sind es immerhin noch 57 %. Subjektiv werden Farben kräftig, aber nicht überzogen dargestellt. Nicht ganz so gut schneidet das Notebook im Punkt Kontrast ab, hier wird lediglich ein Verhältnis von 887:1 erreicht. Grund hierfür ist der Schwarzwert, der bei - für ein IPS-Panel - eher mäßigen 0,45 cd/m² liegt; gut wären Werte kleiner als 0,35.