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Jabra Elite Sport im Test: Klang und App stehen im Mittelpunkt

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jabra elite sport

Glaubt man den Herstellern, wächst das Interesse an Kopfhörern - vor allem an drahtlosen. Das liegt aber nicht nur an immer mehr Smartphones, die wie das iPhone ohne Audio-Buchse auskommen müssen, sondern auch am Sport. Denn nach und nach werden Kopfhörer immer smarter und kombinieren Musik und Fitnesstracking. Eine der interessantesten Lösungen schickt Jabra ins Rennen. Die Neuauflage der Elite Sport soll die Stärken der Dänen mit dem Anspruch von Aktiven verbinden. Eine Schwäche gibt es aber.

Im Vergleich zum Modelljahr 2016 hat Jabra nur wenig verändert. Kennern fällt zunächst die neue Farbgebung der Elite Sport 2017 auf, das knallige Gelb sorgt für Hingucker und macht die In-Ear-Kopfhörer somit zu einer optisch durchaus attraktiven Alternative zum Standardgrau und -schwarz. Wichtiger jedoch: Die Laufzeit wurde um 50 % gesteigert. Nach wie vor verrät der Hersteller aber nicht, wie groß die Kapazität konkret ist.

Am grundsätzlichen Funktionsumfang wurde hingegen nichts geändert.

Die Elite Sport bestehen aus zwei separaten In-Ear-Kopfhörern - je einer für das linke und rechte Ohr. Eine physische Verbindung gibt es nicht, womit es sich erneut um ein tatsächlich drahtloses System handelt und die wichtigsten Konkurrenten somit Samsung Gear IconX und Bragi The Dash Pro heißen. Apples AirPods spielen hingegen in einer anderen Liga: Ihnen fehlen die Tracking-Fähigkeiten. Die basieren beim Elite Sport auf einem 3-Achsen-Beschleunigungsmesser sowie einem Pulsmesser, der im rechten Kopfhörer untergebracht ist. Die Verbindung zum Smartphone wird per Bluetooth 4.1 hergestellt, geladen wird über je zwei Pogo-Pins in der mitgelieferten Ladeschale. Die Bedienung erfolgt entweder über das gekoppelte Smartphone oder komfortabel über die auf den Außenseiten der beiden Kopfhörer platzierten Tasten: Am linken lässt sich die Lautstärke verändern sowie zwischen den Titeln der Wiedergabeliste wechseln, am rechten stehen Pause/Play, Anrufannahme und -beendigung sowie Start des Trainings-Programms und die Steuerung der HearThrough-Funktion parat.

Technische Daten Jabra Elite Sport
  Jabra Elite Sport
Frequenzbereich
Lautsprecher
20 - 20.000 Hz
Frequenzbereich
Mikrofon
100 - 10.000 Hz
Akkukapazität 4,5 Stunden (Kopfhörer)
13,5 Stunden (Kopfhörer und Ladeschale)
Schnittstellen Bluetooth 4.1
Sensoren Pulsmesser, Beschleunigungssensor
Maße ca. 29 x 25 x 22 mm (Kopfhörer)
ca. 70 x 51 x 27 mm (Ladeschale)
Gewicht 16 g (Kopfhörer)
66 g (Ladeschale)
Produktseite www.jabra.com.de

Letztere erlaubt es, die Umgebungsgeräusche über die jeweils zwei Mikrofone pro Kopfhörer aufzunehmen und über die Lautsprecher einzuspielen. Damit wird der Nutzer nicht völlig von seiner Umwelt entkoppelt und kann beispielsweise problemlos Unterhaltungen führen - trotz eingesetzter In-Ears.

In die andere Richtung arbeiten die Mikrofone beim Telefonieren. Dann nehmen sie nicht nur zuverlässig die Stimme des Nutzers auf, sondern sorgen auch für eine insgesamt zufriedenstellen Herausfilterung von störenden Nebengeräuschen. Wind ist dabei eine besondere Herausforderung, der die Elite Sport nicht immer gewachsen sind.

Telefonieren beim Sport? Mit den Jabra Elite Sport kein Problem!

Wer sich auf die Musikfunktion des Elite Sport beschränkt, kann die unmittelbar nach dem Bluetooth-Pairing nutzen. Das Einschalten erfolgt automatisch nach dem Entnehmen aus der Ladeschale, ebenso das Ausschalten beim Verstauen. Die verbauten Lautsprecher sollen einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz abdecken und dabei vor allem bei den Tiefen überzeugen.

Das gelingt mithilfe von drei unterschiedlich großen EarWing-Paaren, die für Halt in der Ohrmuschel sorgen sollen, sowie gleich sechs Paar Ohrstöpseln in ebenfalls drei Größen, die aus Schaumstoff und Silikon bestehen. Der Wechsel der EarWings und Ohrstöpsel gelingt dabei binnen weniger Sekunden und war zu Beginn des Tests mehrfach fällig. Denn was zunächst im Sitzen passend wirkte, entpuppte sich beim Sport oder noch längerer Zeit als nicht ideal. Das ist aber ebenso individuell unterschiedlich wie auch der generelle Tragekomfort. Allerdings fand jede der drei Testpersonen eine gute Kombination aus EarWings und Ohrstöpseln.

Ohne diesen Anpassungsprozess würde der Klang allerdings maximal durchschnittlich ausfallen. Die Elite Sport entpuppen sich diesbezüglich als anspruchsvoller als viele andere In-Ear-Lösungen. Dem gegenüber steht aber eine hohe Wiedergabequalität, wenn Ohr und Kopfhörer aufeinander abgestimmt wurden und somit eine ideale Passform gefunden wurde. Hohe, mittlere und tiefe Frequenzen werden gut abgebildet und sind bis zu einem Pegel von etwa 80 % gut zu unterscheiden. Erst darüber kommt es zu wahrnehmbaren Verzerrungen.

Im Teststück „Empire State of Mind" von Alicia Keys und „Under Pressure" von Queen und David Bowie kann die Bass-Gitarre jeweils für ein erstaunlich druckvolles Fundament sorgen, das die vergleichsweise hochton-lastige Klavierpassagen aus Keys' Song nicht verschluckt. Fehlerfrei sind die Elite Sport aber nicht, wie „Sultans of Swing" von Dire Straits zeigt. Hier lassen sich die einzelnen Bestandteile des Schlagzeugs nicht immer voneinander unterscheiden. Möglich, dass dies mit aptX-Unterstützung anders wäre. Leider verzichtet Jabra auf das von Qualcomm entwickelte Kompressionsverfahren, das eine höhere Qualität als A2DP und Co. bietet.

Es gibt aber auch noch einen anderen Haken: Für die bestmögliche Musikwiedergabe ist die Installation der Jabra-Sport-Life-Applikation erforderlich. Denn diese bietet unter anderem einen Equalizer, der hörbaren Einfluss auf den Klang hat. Ab Werk fehlt es den In-Ears im tiefen Bereich, aber schon mit wenigen Korrekturen lässt sich dies ändern. Verwunderlich ist, dass die iOS-Version der Software optisch nicht den aktuellen Vorgaben seitens Apple entspricht - trotz regelmäßiger Updates.

Die Sport-LIfe-App ist das Herz

Die App, die es für Android und iOS gibt, ist allerdings auch für die Nutzung der Tracking-Funktionen Voraussetzung - ohne sind die Elite Sport simple Kopfhörer mit Freisprechfunktion. Sie beherbergt nicht nur die Einstellungen, sondern auch die Trainings-Programme und Analyse-Funktionen. Der Nutzer kann nicht nur zwischen zehn definierten Sportarten wie Laufen, Skaten und Spinning wählen, sondern auch neue hinzufügen. Hinzu kommen fünf verschiedene Vorgaben wie Zeitziel, Zieltempo oder das Erreichen und Halten bestimmter Pulszonen (Fettverbrennung, Kardio etc.) sowie ein virtueller Trainer, der auf einen vorher festgelegten Trainingsplan zurückgreift. 

Während des Sports wird der Nutzer über die Lautsprecher über alle wichtigen Daten informiert, darunter Dauer, zurückgelegte Entfernung und Puls. Zudem sind alle Daten innerhalb der App einsehbar. Dabei kann das Programm auch die Steuerung der Musikwiedergabe übernehmen - beim Trainingsstart wird so die letzte aktive Playlist gestartet, beim Trainingsende hingegen gestoppt. Anhand der gesammelten Daten versucht die App auch das mögliche Potential in Form vermuteter Laufzeiten über verschiedene Distanzen wie 5 km oder Halbmarathon zu errechnen und gibt Tipps bezüglich des optimalen Umfangs des nächsten Trainings.

Basis hierfür sind vor allem die erkannten Bewegungen sowie der gemessene Puls. Letzterer wird sehr genau erkannt, im Test lagen zwischen dem gemessenen und dem tatsächlichen Puls lediglich zwei bis fünf Schläge. Und auch bei der Schrittzählung fallen die Abweichungen mit etwa zwei bis vier Prozent eher gering aus. In anderen Fällen, beispielsweise beim Radfahren oder Spinning gab es im Test hingegen große Abweichungen bezüglich der Umdrehungsgeschwindigkeiten und somit auch der zurückgelegten Entfernungen; die Differenz lag mitunter bei 50 %. Das fällt aber nur dann auf, wenn keine vom Smartphone gelieferten GPS-Daten für die Auswertung zur Verfügung stehen. Auf Wunsch können die Trainingsdaten und -erfolge über soziale Netzwerke geteilt oder an andere Dienste wie Endomondo weitergereicht werden, der Export an Apple Health oder Google Fit ist allerdings nicht möglich - einzig der Export in Form einer CSV-Datei sowie Backups in der Cloud sind möglich. Die Elite Sport selbst können von Apples und Googles Plattformen zudem nicht als Datenquellen verwendet werden.

Das ist zusammen mit der Abhängigkeit vom Smartphone eine der wenigen Schwächen der Elite Sport. Denn mangels eigenem Speicher oder GPS ist der autarke Einsatz nicht möglich. Immerhin sind die Kopfhörer wasserdicht gemäß IP67 und auch schweißresistent, das Joggen oder Radfahren im Regen ist somit kein Problem.

Zulange sollten die Trainingssitzungen aber nicht ausfallen - trotz verlängerter Laufzeiten. Jabra selbst spricht von maximal 4,5 Stunden mit einer Ladung, im Test konnten 5 Stunden bei reiner Musikwiedergabe mit mittlerem Pegel sowie etwas weniger als 4 Stunden inklusive Tracking ermittelt werden. Dabei fiel mehr als einmal auf, dass der Energiebedarf der beiden Kopfhörer unterschiedlich ausfällt: Der linke musste mehr als nur einmal früher als der rechte geladen werden, obwohl letzterer über den Pulssensor verfügt. Das Telefonieren sowie die Nutzung der HearThrough-Funktion verringert die Laufzeiten ebenfalls. Die mitgelieferte Ladeschale bietet über ihren integrierten Akku genügend Energie für laut Jabra neun weitere Stunden oder zwei vollständige Ladungen der Kopfhörer-Akkus; diese Kapazität konnte im Test bestätigt werden. Ins schlicht gestaltete, aber gut verarbeitete Gehäuse integrierte LEDs informieren dabei über den Ladestatus.

Fazit

Wer beim Joggen oder im Fitnessstudio aufmerksam ist, wird feststellen, dass drahtlose Kopfhörer beim Sport eine Seltenheit sind. Und glaubt man Marktforschern, wird sich daran so schnell auch nichts ändern. Das dürfte nicht nur an den vergleichsweise hohen Preisen, sondern auch an den Laufzeiten liegen.

Zwei Punkte, an denen sich auch mit den Jabra Elite Sport nichts ändern wird.

So verlangen die Dänen unverbindliche 249 Euro - im Handel geht es inzwischen bei rund 220 Euro los - für ihre Kopfhörer, die auf den ersten flüchtigen Blick kaum mehr als die üblichen Fitnesstracker bieten. Letztere müssen allerdings nicht alle drei bis fünf Stunden wieder geladen werden.

Doch man sollte sich in Ruhe mit den In-Ears beschäftigen. Denn gerade die Stärken der dazugehörigen Sport-Life-App fallen erst nach Tagen oder gar Wochen der Nutzung auf. Weniger erfahrenen Sportlern gibt sie wertvolle Tipps, anderen hingegen werden gute Analysen präsentiert. Wichtig ist dabei vor allem die hohe Präzision des Pulsmessers. Hinzu kommt etwas, das Fitnesstracker nicht bieten können: musikalische Unterhaltung. Jabra hat es geschafft, den kompakten Kopfhörern einen weit überdurchschnittliche Klangeigenschaften zu verpassen, wenn auch nur nach ein wenig Anpassung. Dabei ist der Grad der Anpassung eine weitere Stärke der Elite Sport.

Doch es gibt auch Schwächen. Dazu gehören die teilweise ungenaue Erfassung von Schritten und Umdrehungen, aber auch die starke Abhängigkeit vom Smartphone. Da sind Konkurrenten wie Samsungs Gear IconX oder Bragis The Dash mit zumindest eigenem Speicher für Musik weiter. Jabra wirbt zwar nicht mit einem autarken Einsatz, ein Vorteil wäre sie aber dennoch.

Uneingeschränkt lassen sich die Elite Sport deshalb nicht empfehlen, um eine sehr gute Alternative handelt es sich aber dennoch - nicht nur aufgrund der Klang- und Telefonieeigenschaften.

Der Preis spielt hingegen kaum eine Rolle. Denn mit etwa 230 Euro sind die Samsung Gear IconX (2018) ebenso dicht an den Jabra Elite Sport wie auch die Bragi The Dash für rund 200 Euro. Einzig die Bragi The Dash Pro fallen mit 330 Euro aus dem Rahmen.

Positive Aspekte der Jabra Elite Sport:

  • nach Anpassung guter Klang
  • hoher Anpassungsgrad
  • einfache Bedienung
  • Trainings-App mit zahlreichen Funktionen
  • präzise Pulsmessung

Negative Aspekte der Jabra Elite Sport:

  • ohne Companion-App nur stark eingeschränkt nutzbar
  • Daten-Export nur eingeschränkt möglich
  • aptX wird nicht unterstützt

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