Seite 3: Edifier C6 HCS 5640 - Praxistest

Aber kommen wir zum wirklich interessanten Aspekt, wie klingt eigentlich Edifiers günstiger Einstieg in die 5.1 Welt? Zunächst mal muss man sagen, dass man von einem Surroundsystem für diesen geringen Preis aufgrund der auf Seite 1 genannten Problematik nicht allzu viel erwarten sollte. Nach unseren Klangtests hat sich dies weitestgehend bestätigt. Mit allem "Drum und Dran" bleibt einfach nicht allzu viel Budget für die fünf Lautsprecher und den Subwoofer über. Ist man sich dessen bewusst, ist der Klang jedoch durchaus erfreulich.

Soundqualität Musikwiedergabe:

Das Abstrahlverhalten der Hochtöner hat sich im Test als problematisch erwiesen: Sitzt man nicht genau mittig vor den Front-Satelliten, klingen Hoch- und Mittelton leicht ein wenig matt. Wir haben deshalb für unseren Test-Zeitraum die Satelliten angewinkelt auf unsere Hörposition ausgerichtet, um möglichst perfekte Bedingungen für das C6 zu schaffen. Ebenfalls ließ sich beobachten, dass die Satelliten, wie alle für das Nahfeld konzipierten PC-Lautsprechersysteme, auf größere Distanzen merklich an Klangqualität einbüßen.

Die Höhen sind insgesamt ein wenig bedeckt, sodass man mit dem Edifier C6 (HCS5640) stundenlang hören kann, ohne dass die Ohren ermüden. Leider wirkt das Klangbild dadurch aber auch vermeintlich etwas dumpf und unspektakulär. Dadurch fehlt es einigen Stücken etwas an Spritzigkeit und Klarheit - ein Beispiel hierfür wäre Beelzeboss von Tenacious D.

Im Grunde ist die mittlere Tonlage recht ausgewogen, bis auf die abwesenden unteren Mitten. Den Satelliten fehlt es trotz der schon recht üppigen Ausmaße für PC-Lautsprecher an Basspotenzial. Dies stört zum Beispiel bei Instrumenten, die in tieferen Frequenzbereichen liegen und somit nahezu verschwinden. Eventuell hätte hier die Bassreflexbauweise auch für die Satelliten Sinn gemacht. Auch die Stimmwiedergabe leidet darunter: Zwar erhalten die Stimmen etwas Volumen, aber das letzte bisschen Körper bleibt Edifier durch ein Defizit im Grundton schuldig. Das Auflösungsvermögen der kleinen Satelliten ist im Vergleich zu zu 2.0-oder 2.1-Systemen der gleichen Preisklasse etwas schlechter. Besonders in Stücken mit Orchester, in denen eine Vielzahl verschiedener Instrumente gleichzeitig spielen, merkt man, dass die einzelnen Instrumente nicht mehr sauber dargestellt werden.

Die größte Schwäche bei der Wiedergabe von Musik resultiert aus der bereits angekreideten Schwäche im Grundton. Aufgrund des fehlenden Tiefgangs der Satelliten ist die Crossover-Trennfrequenz sehr hoch gesetzt. Somit wird zwar ein Frequenzloch vermieden, allerdings muss der Tieftöner auch hohe Frequenzen bis zu 150 Hz wiedergeben, welche normalerweise noch von den Satelliten übernommen werden sollten. Folglich kommen zeitweilig Männerstimmen aus dem Subwoofer und auch Akkustikgitarren werden in niedrigen Tonlagen von ihm übernommen, was nicht sonderlich gut klingt. Da der Subwoofer oft mit anderen Frequenzen beschäftigt ist, wird auch sein eigentlicher Aufgabenbereich nicht wirklich zufriedenstellend wiedergegeben. Oft mangelt es an Präzision, selbst bei eher anspruchslosen Passagen. Besser zeigt er sich, wenn er nur Frequenzen abspielen muss, die in sein Spektrum gehören. Die Bässe bei aktuellen Disco-Songs von David Guetta, LMFAO oder DJ Antoine kommen mit deutlich mehr Kontur und Selbstverständlichkeit, ohne dass der Achtzöller besonders angestrengt klingt.

Die Bühnendarstellung ist bei der Wiedergabe von Musik in 2.1 in Ordnung. Der Sänger steht klar im Mittelpunkt, um ihn herum die Instrumente, denen sich zwar eine Richtung zuordnen lässt, jedoch keine genaueren Angabe zum Standpunkt. Wirklich interessant wird die Ortung, da es sich bei dem C6 (HCS5640) ja um ein 5.1-System handelt, erst, wenn auch entsprechendes Mehrkanal-Quellmaterial verwendet wird.

Soundqualität Filme und Spiele:

Kommen wir nun zum prädestinierten Anwedungsbereich unseres Testkandidaten, der Wiedergabe von Filmen und Spielen in 5.1.

Zunächst sollte man sagen, dass ein Film in 5.1 wiedergegeben generell atmosphärisch einfach packender ist. Filmmusik die von allen Seiten kommt, Explosionen überall um einen herum, all dies wird man mit einem Stereo-System natürlich nicht geboten bekommen. Hier zeigt sich also ein genereller Vorteil von 5.1. Liegt hier für die Musikwiedergabe der große Nachteil, kann der Multimedianwedungsbereich davon umso mehr profitieren.

Bei der Wiedergabe unseres Referenz-Filmes Transformers spielt das Edifier C6 gut auf: Schusswechsel zwischen Decepticons und dem Militär der Menschen werden gut räumlich abgebildet, besonders plastisch wirkt das Getappsel der kleineren unter den roboterartigen Wesen. Geht es jedoch härter zur Sache, hätten wir uns an einigen Stellen noch mehr Einsatz des Subwoofers gewünscht. Beispielsweise in der Szene, in der Optimus Prime gegen Megatron kämpft, könnte der Subwoofer das Kampfgeschehen noch kraftvoller untermalen. Insgesamt kommt uns der Kanal, den sich Center und Subwoofer teilen, etwas zu leise abgestimmt vor. Zwar werden Dialoge in Filmen generell eher leise abgemischt, aber beim Edifier geraten diese noch weiter in den Hintergrund. Leider ist insgesamt die Sprachwiedergabe nicht ganz optimal, denn den einzelnen Synchronstimmen fehlt oftmals merklich der Charakter, was etwas eigenartig klingt, wenn man Shia LaBeouf, Megan Fox oder Josh Duhamel anders kennt.

Als Test-Spiel kam Counter-Strike Source zum Einsatz, ein Spiel, das auch heutzutage in der ESL viel gespielt wird, auch wenn es mittlerweile gute 7 Jahre alt ist. Besonders wichtig ist hier die Ortung im Gefecht, um auf dem virtuellen Schlachtfeld zu überleben. Der Spieler ist hier so stark auf sein Soundequipment angewiesen, wie in wohl kaum einem anderen Spiel.

Da der Eindruck dem Film-Test ähnelt, wollen wir uns hier etwas kürzer halten: Die 5.1-Ortung gelingt selbst in hektischen Spielsituationen reibungslos. Die Richtung, in der sich der Gegner befindet, ist immer klar erkennbar, an einigen Stellen fiel es uns aber etwas schwer auszumachen, wo sich der Gegner genau befindet, weil Entfernungen verhältnismäßig schwer abzuschätzen sind - somit also die Tiefenstaffelung nicht ganz perfekt gelingt. Insgesamt kann man das Edifier C6 (HCS5640) aber auf jeden Fall als geeignet für Spiele ansehen.