Seite 9: Fazit

Die aktuellen Anfangsprobleme der AMD-Ryzen-Plattform sind noch immer präsent, hängen aber mit der Plattform und nicht den individuellen Boards zusammen. Doch auch MSI ist bemüht, diese Probleme schnellstmöglich zu beseitigen und veröffentlicht in kurzen Abständen neue Beta-BIOS-Versionen, die nach erfolgreichem Test als finale Versionen veröffentlicht werden. Dabei gehört das MSI X370 XPower Gaming Titanium in der Silber/Weiß-Optik für aktuell etwa 300 Euro zu den High-End-Mainboards für den Sockel AM4.

Beim X370 XPower Gaming Titanium verwendet MSI das geläufige ATX-Format, auf dem sich neben dem AM4-Sockel und den vier DDR4-DIMM-Speicherbänken (maximal 64 GB RAM) außerdem zwei mechanische PCIe-3.0-x16-Steckplätze inklusive Steel-Armor-Feature, dazu drei PCIe-2.0-x1-Slots und ein mechanischer PCIe-2.0-x16-Anschluss aufhält. Auf Wunsch kann der Anwender daher also auch eine Multi-GPU-Konfiguration mit bis zu zwei NVIDIA- oder drei AMD-Grafikkarten fahren. Für den Einsatz von mehreren Grafikkarten bietet sich der 6-Pin PCIe-Stromanschluss am unteren PCB-Rand zur elektrischen Stabilisierung an.

Ein großes Thema beim MSI X370 XPower Gaming Titanium ist zudem der USB-Bereich. So hat der Hersteller das I/O-Panel mit vier USB-3.1-Gen1- sowie jeweils zwei USB-2.0- und USB-3.1-Gen2-Versionen (ASMedia ASM2142) bestückt. Bei Letzteren handelt es sich um jeweils eine Typ-A- und Typ-C-Ausführung. Doch intern geht die USB-Reise mit jeweils zwei USB-3.1-Gen1- und USB-2.0-Headern weiter. Als Schmankerl ist auch ein USB-3.1-Gen2-Header an Bord, welcher eine schnelle Schnittstelle für künftige Gehäuse bereitstellt und nativ mit dem X370-Chipsatz zusammenarbeitet. Mehrere (schnelle) SSDs finden ihren Platz an sechs SATA-6GBit/s-Buchsen und an gleich zwei M.2-M-Key-Schnittstellen. Die schneller angebundene Schnittstelle mit vier Gen3-Lanes bringt auch ein MSI-M.2-Shield mit. Alternativ kann auch ein U.2-Solid-State-Drive verwendet werden.

Für fünf (PWM-)Lüfter und eine Wasserpumpe stehen entsprechende Header bereit. Genau wie bei den aktuellen MSI-Platinen mit Intels 200-Chipsatzserie können sämtliche Lüfter manuell gesteuert werden. Die Netzwerkanbindung erfolgt über einen Gigabit-LAN-Port (Intel 211-AT) und die Audio-Ausgabe wurde mit der aktuellen Audio-Boost-4-Lösung bewerkstelligt. Letzteres besteht aus Realteks ALC1220-Codec, zahlreichen Nippon-Audiokondensatoren unnd natürlich einem Kopfhörerverstärker für Kopfhörer bis 600 Ohm. Wird eine künftige AMD-Raven-Ridge-APU eingesetzt, lassen sich zudem der HDMI-2.0- und DisplayPort-1.2-Grafikausgang nutzen.

Aber gerade das XPower-Modell von MSI sticht im Regelfall mit Overclocking-Features hervor, die dem Prozessor und dem Arbeitsspeicher das Fürchten lehren sollen. Für die AM4-CPU wurden zehn Spulen vorgesehen, die ihren Job in unserem Overclocking-Test auch sehr gut erfüllt haben. Der CPU-Strominput wird mit jeweils einem 8-poligen EPS12V- und 4-Pin-ATX12V-Stromanschluss gesichert und liefert genügend Puffer. Auf dem X370 XPower Gaming Titanium fehlen uns jedoch Features, die wir gerade auf einem XPower-Modell erwartet haben. Da wären zwei BIOS-ROMs und Spannungsmesspunkte zu nennen. Der restliche Onboard-Komfort ist hingegen passend. Ein Power- und Reset-Button, eine Debug-LED und auch der Slow-Mode für extremes Übertakten sind vertreten. Zusätzlich hat MSI auch den Game-Boost-Knob mit berücksichtigt.

Letzterer soll das CPU-Overclocking vereinfachen und den Takt je nach CPU-Modell bis auf über 4 GHz pumpen. Praktisch ist natürlich der CMOS-Clear-Button am I/O-Panel sowie der BIOS-Flash-Button, für den kein Prozessor und auch kein Arbeitsspeicher installiert sein muss. Beim UEFI nutzt MSI die bekannte Oberfläche, bei der wir nichts zu beanstanden hatten. Auch die Leistungsaufnahme lag auf gutem Niveau. Jedoch dauert die Initialisierung mit 27 Sekunden schlicht zu lange, sodass MSI noch etwas Hand anlegen muss. Schwierig ist auch die plattformübergreifende RAM-Problematik, die sich genau wie beim Gigabyte GA-AX370-Gaming 5 geäußert hat.

Mit etwa 300 Euro gehört das MSI X370 XPower Gaming Titanium neben dem ASRock X370 Professional Gaming zu den preisintensivsten X370-Mainboards für die AMD-Ryzen-Prozessoren. Trotz den fehlenden XPower-typischen "Spielereien" bekommt der Interessent eine gute Ausstattung mit einer sehr ordentlichen CPU-Spannungsversorgung, um dem Ryzen-Prozessor die Sporen zu geben.

Positive Eigenschaften des MSI X370 XPower Gaming Titanium:

  • sehr gute Leistungsfähigkeit mit einer sehr guten CPU-Spannungsversorgung
  • umfangreiche Ausstattung, u.a. sechs SATA-6GBit/s-Schnittstellen, acht USB-3.1-Gen1-Anschlüssen und drei USB-3.1-Gen2-Buchsen
  • PCI-Express-3.0-Unterstützung an zwei PEG-Slots
  • sehr gute Gesamtperformance, gute Stabilität und gute Effizienz
  • zwei M.2-Schnittstelle und ein U.2-Port
  • USB 3.1 Gen2 über Header
  • Onboard-Komfort, u.a. Power- und Reset-Button
  • umfangreicher Onboard-Sound-Bereich

Negative Eigenschaften des MSI X370 XPower Gaming Titanium:

  • hoher Preis
  • M.2-Anschlüsse und der U.2-Port sind nicht zeitgleich verwendbar
  • (noch) wenig und fehlerhafte RAM-Einstellungen
  • XPower-typische Features fehlen

Auch wenn der Anschaffungspreis nicht gering ausfällt, ist das MSI X370 XPower Gaming Titanium ein sehr gutes AM4-Mainboard, das sein Hauptaugenmerk auf das CPU-Overclocking legt und dafür bestens gerüstet ist.

Alternativen? Eine gute Alternative ist das bereits von uns getestete Gigabyte GA-AX370-Gaming 5, das für einen deutlich geringeren Anschaffungspreis eine sehr gute Ausstattung zu bieten hat. Wer eine MSI-Alternative favorisiert, kann sich einmal das X370 Gaming Pro Carbon anschauen.

Persönliche Meinung

Optisch ist das MSI X370 XPower Gaming Titanium natürlich ein Hingucker. Die Ausstattung ist ok, auch wenn der Preis dafür etwas hoch ist. Dafür, dass XPower-typische Ausstattungsmerkmale fehlen, hätte MSI die Platine auch X370 MPower Gaming Titanium nennen können. Dadurch hätte es noch etwas Luft nach oben für ein wahres X370 XPower Gaming Titanium gegeben.