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Synology FlashStation FS3017: Resumé nach einem Jahr Nutzung

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Vor einem Jahr haben wir davon berichtet, dass Hardwareluxx ein Server-Upgrade durchgeführt hat. Unsere Webseite läuft seit letztem Jahr auf FlashStations von Synology. Mittlerweile sind die Server des ursprünglichen NAS-Herstellers bei uns seit einem Jahr im Einsatz. Und wie man als Leser mitbekommen hat durchaus erfolgreich, denn große Downtimes hatten wir seit dem Switch nicht mehr. Ein Resumé des Einsatzes über das letzte Jahr. 

Sicherlich haben einige Leser im letzten Jahr nachvollziehbar ihre Zweifel angebracht: Synology war erst seit kurzem im Serverbereich unterwegs, so kann man noch keine lange Reputationsliste liefern. Zudem ist der Hersteller eigentlich eher als NAS-Hersteller mit seinem - sicherlich attraktiven und gut entwickelten - Disk Station Manager (DSM) als Software bekannt. Doch dieses DSM für einen Server einzusetzen? Uns erschien dies aber nach diversen Gesprächen mit Synology und ein paar eigenen Tests für sinnvoll. 

Die Ausgangslage

Aufgrund einer bei Hardwareluxx anstehenden, geplanten Hardware-Erneuerung wurde das bisherige Konzept der bislang genutzten IT Infrastruktur analysiert und nach Verbesserungspotentialen gesucht. Ziel war es die vormals vorhandenen dedizierten Server zu virtualisieren und in die bestehende VM-Umgebung (damals ESX) zu integrieren. Gleichzeitig sollte eine Vereinfachung der Administration, sowie eine Optimierung der eingesetzten Ressourcen (CPU/RAM/Energiebedarf) stattfinden. Die bislang verwendeten (selbstgebauten) Server waren in die Jahre gekommenund mussten somit nicht nur aufgrund des Energieverbrauchs, sondern auch des Wartungsaufwands ersetzt werden.

Auch die bisher eingesetzten externen Dienste wie Slack, Kalender, Cloudspeicher oder CRM sollten möglichst zentralisiert werden, um bei allen geschäftskritischen Informationen stets die Datenhoheit zu besitzen und zudem auch Kostenersparnisse zu realisieren. 

Des Weiteren sollten auch Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit erhöht werden, um eine lückenlose Verfügbarkeit der Dienste sicherzustellen. Letztendlich ist dies für eine Webseite wie Hardwareluxx das kritischste Element, denn schon ein Ausfall von ein paar Stunden verursacht hohe Kosten. 

Lösungsansatz

Um allen Anforderungen gerecht zu werden, wurde der Wechsel von ESX und dedizierten Servern auf das Synology DSM System auf Basis zweier FS3017 evaluiert. Dabei hat sich die sehr gute Ausgewogenheit zwischen Hard- und Software besonders hervorgehoben, die letztendlich auch für den finalen Zuschlag gesorgt hat.

Auf der Hardwareseite finden sich in den FS3017 leistungsstarke Prozessoren (2x Intel E5-2620 v3), ausreichend Platz für Arbeitsspeicher (bis zu 512GB), zukunftssichere 10GBit Ethernet Ports sowie 24 2,5“ Slots für SSD und HDD samt vorinstallierten RAID Controllern.

Softwareseitig glänzt das Synology DSM mit einer sehr stringenten und einfachen Oberfläche und Benutzerführung, die selbst DSM-Neueinsteigern eine flache Lernkurve bietet. So ist es selbst einem Anwender möglich, der keine tiefgehenden VM- und Linux-Kenntnisse hat, das System in grundlegenden Zügen zu administrieren. Zudem wird die verbaute Hardware sofort und ohne manuelle Treiberinstallation erkannt und korrekt eingebunden. Dies geschieht auch bei nachträglich eingebauten Erweiterungskarten zuverlässig. In unserem Fall haben wir jeweils eine Intel Erweiterungskarte mit je zwei SPF+ Ports installiert, die sich sofort korrekt ins System eingebunden hat.

Die lange Herstellergarantie sowie der sehr schnelle Austauschservice bei Defekten (SRS) minimieren den administrativen Aufwand, wenngleich wir bis heute keine Hardwareprobleme mit der FS3017 hatten.

Vorteile der FlashStations

Die einfache und zentralisierte Administration der Geräte via DSM minimiert den zeitlichen Aufwand bei anstehenden Aufgaben. Dienste oder virtuelle Maschinen können bei Bedarf in kürzester Zeit bearbeitet werden, sei es Benutzer hinzufügen oder der Neustart einer VM.

Die Virtualisierungslösung namens "Virtual Machine Manager", kurz "VMM", auf Basis von OpenVZ ist sehr performant und ebenfalls einfach zu bedienen. Integrierte Sicherungslösungen wie z.B. automatische Snapshot Erstellung auf den jeweils anderen Host (Remote Replikation) erhöhen die Ausfallsicherheit enorm. Der VMM bietet zwar einerseits nicht die Tiefe der Einstellungsmöglichkeiten eines ESXi Hosts, andererseits ist dies oft auch garnicht nötig und vereinfacht so die Einrichtung und Administration der VM Umgebung. Dennoch sollte man einkalkulieren, dass einige lieb gewonnene ESXi Features wie "Suspend" (pausieren von VMs) oder eine komplette Migration (CPU/RAM/vHDD) einer laufenden VM auf eine andere FlashStation aktuell noch nicht möglich sind - aber auch solche Funktionen will Synology in kommenden DSM-Versionen integrieren.

Die integrierten Applikationen von Synology wie z.B. Chat oder Drive tragen zur Kostenreduktion und Datenhoheit bei. Dabei konnte das intern genutzte Slack durch Synology Chat ersetzt warden, und mit nur wenigen Änderungen am Code konnte die eigenen Benachrichtigungsfunktionen zu Slack auf Chat migriert warden. Die resultierende CPU Belastung ist verschwindend gering, auch wenn viele User gleichzeitig aktiv sind. Chat bietet eine REST API an, die der Slack API sehr ähnlich ist - wer also schon eigene API getriggerte Aktionen oder Bots für Slack programmiert hat, kann diese mit nur wenigen Codezeilen auf Chat umändern. Auch hier ist zu erwähnen, dass Chat nicht voll umfänglich alle Features von Slack anbietet, aber auch dies ist wiederum nicht unbedingt notwendig.
Den administrativen Teil der Chat App kann man durchaus als "minimalistisch" bezeichnen, aber auch hier hatten wir nie das Gefühl, irgendwas nicht unter Kontrolle zu haben.

Für den internen Austausch von Daten wurden externe Cloudspeicher Dienstleister durch Synology Drive ersetzt. Die Funktionalität ist nahezu gleicherwertig, und auch hier konnte die Datenhoheit zurück erlangt werden. Ausserdem lassen sich Drive und Chat auch in Teilen sehr gut miteinander verknüpfen. Wenn z.B. eine Datei für einen Nutzer freigegeben wird, bekommt der Nutzer dies auch im Chat mitgeteilt, oder man kann im Drive abgelegte Dateien im Chat "anhängen" bzw. teilen, ohne diese erneut hochladen zu  müssen. Dies ist bei größeren Dateien, z.B. Videos, sehr nützlich.

Der Calendar Dienst hat ebenfalls den genutzten Google Kalender ersetzt. Die einfach gestaltete Importroutine für einen bereits genutzten Google Kalender hat für eine Migration der Daten in unter einer Minute gesorgt. Eine exklusive Synology Kalender App wurde zwar schon angekündigt, fehlt aber leider bis dato noch. Bis dahin funktioniert die Web Version, die stark an den Google Kalender angelehnt ist, dennoch sehr gut. Lediglich in der mobilen Ansicht muss man Abstriche in Kauf nehmen.

Betriebswirtschaftliche Analyse

Durch den Einsatz der FlashStations sind uns diverse wirtschaftliche Vorteile entstanden: 

App-bezogene Einsparungen

Diverse Dienste, die wir genutzt haben (wie z.B. Slack) konnten auf die FlashStations migriert werden. Während wir uns gerade bei Slack aufgrund der Kosten mit neuen Accounts zurückgehalten haben, spielt die Anzahl der Accounts nun keine preisliche Rolle mehr. Bei der Gesamtzahl an Redakteuren, freien Mitarbeitern und Redaktionshelfern kommen wir auf knapp 20 Accounts - insofern wären monatliche Kosten von 125 Euro entstanden, jährlich sparen wir somit 1500 Euro alleine über den Einsatz von Synologys Chat. Je nach Unternehmensstruktur lassen sich auch noch weitere Einsparungen durch den Einsatz der Cloud- und Mail-Funktionen realisieren, wobei wir in unserem Fall hier vorher auch auf kostenlose Dienste zurückgegriffen haben oder - im Fall der Mailfunktion - diese weiterhin extern betreiben. 

Als weiteres Einsparpotential existiert die Möglichkeit, Synology-eigene Backup-Möglichkeiten zu nutzen. Unser bisheriges Backup-System haben wir allerdings momentan noch im Einsatz, die Synology-Lösungen nutzen wir nur zur Replizierung von einer FlashStation zur anderen. Theoretisch wäre hier aber auch noch ein weiteres Potential zur Kostenersparnis vorhanden. 

Hardware-bezogene Einsparungen

Insbesondere die Einsparungen im Bereich des Stromverbrauches sind in einem Rechenzentrum signifikant. Unsere alten Dual-CPU-Systeme hatten noch keine modernen Stromsparsysteme auf CPU-Ebene, setzten auf veraltete Fertigungstechniken und ineffizientere Netzteile - und wir nutzten auch noch größtenteils Festplatten. 

Hinzu kam, dass wir zwei Höheneinheiten im Rack einsparen konnten und hierfür nur eine für einen Switch wieder in Betrieb genommen haben. Durch das Technikupdate sind auch hier Kostenersparnisse von knapp 150 Euro / Monat entstanden. 

Vorteile aufgrund größerer Uptime

Seit dem Switch auf die FlashStations konnten wir die Downtime von Hardwareluxx durch die Redundanz deutlich vermindern. Effektiv kam es zwei Mal im vergangenen Jahr vor, dass wir an den Servern gearbeitet haben, dies aber für den Leser nicht sichtbar war: Auf einer FlashStation wurden Arbeiten durchgeführt, während auf der zweiten FlashStation der Betrieb der Webseite vollständig übernommen wurde. Effektiv konnten wir deshalb ca. 10-12 Stunden länger "online" sein als ohne die neue Architektur - und somit die Kosten für diese Downtime vermeiden. 

Fazit und Empfehlungen

Die Integration zweier FS3017 hat nahezu alle Anforderungen erfüllt. Die Dienste sind nun zentralisiert, die Datenhoheit konnte in den anvisierten Fällen zurückerlangt werden. Externe Dienstleister wie Slack, Google Kalender oder Cloudspeicher Dienste werden nun bei nahezu identischem Featureset selber gehostet. Virtuelle Maschinen laufen zuverlässig und performant.

Die Bedienung des gesamten Systems ist durchdacht und spart gegenüber dem alten Setup bei geplanten wie auch ungeplanten Eingriffen deutlich Zeit - und Nerven.

Mit einer bzw. mehreren Flashstations kauft man nicht nur einen Server, sondern auch eine durchdachte, und in sich geschlossene Software - das Synology DSM. Verfügbare, zusätzliche  Applikationen sind eher begrenzt, und die Tiefe der Einstellungsmöglichkeiten überschaubar. Dieser Umstand kann für die einen ein Fluch sein, da evtl. sehr spezielle Einstellungen oder bestimmte infrastrukturelle Aufbauten nicht möglich sind. Für die anderen kann es aber ein Segen sein, da selbst mit den teils reduzierten Einstellungsmöglichkeiten nahezu alle alltäglichen Dinge erledigt werden können. Die Einfachheit der Administration führt zu schnelleren Ergebnissen und frustfreier Einrichtung und Nutzung. Hardware-Erweiterungen jeder Art sind relativ schnell und unkompliziert erledigt - und jeder, der schonmal einen Linux Kernel patchen musste, damit Hardware in einer ESXi Umgebung einwandfrei funktioniert, weiß das schnell zu schätzen.

Ein Tipp: Da das DSM auf allen Synology Geräten vorhanden ist, beispielsweise in ähnlichem Umfang schon auf der DS918+, kann man mit dieser vorab testen, ob die gewünschte Funktionalität in der benötigten Form zur Verfügung gestellt werden kann. Dies wäre eine günstige Variante der Evaluation, da zwei oder drei voll ausgestattete Flashstations FS3017 schnell einen mittleren fünfstelligen Betrag kosten können.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hätten wir neben den dargestellten Einsparungen noch mehr erreichen können, entschieden uns aber teilweise dann doch gegen die Migration sämtlicher Dinge auf die FlashStations. Zur Einschätzung: Bei der Größe von Hardwareluxx läuft eine einzelne FS3017 mit allen unseren Diensten, Webserver und MySQL-Server ziemlich am Anschlag. Wir zogen hier dann die etwas höhere Performance bei einem extern gelagerten MySQL-Server vor. Wer also größere Webseiten auf einer FlashStation betreiben will, sollte vielleicht einen Blick auf die noch leistungsfähigere, brandneue FS6400 werfen, die mit neuerer Architektur und zwei 8-Kern-Xeon-Prozessoren noch einmal mehr Leistung mitbringt.

Preise und Verfügbarkeit
Synology FlashStation FS3017
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