Seite 19: Fazit

Eine Karte wie die Radeon R9 295X2 muss aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. AMD wollte die schnellste Grafikkarte der Welt auf den Markt bringen und das hat man offensichtlich auch geschafft. Selbst wenn man sich an bestimmte Normen und einen darin festgeschriebenen maximalen Verbrauch gehalten hätte, wäre es natürlich möglich gewesen dieses Ziel zu erreichen. Doch offenbar hat man sich bei AMD dazu entschieden dieses Mal mehr zu wollen und den Dingen sozusagen ihren freien Lauf zu lassen. Zwei Radeon R9 290X im CrossFire mit leichtem Overclocking sprengen dabei nicht nur jede Benchmarks-Skala (aus dem Blickwinkel einer Grafikkarte), sondern auch die bisherigen Werte für den Verbrauch und den Preis einer Grafikkarte. Doch kommen wir nun zu den Details.

Für den Bereich der Performance lässt sich ganz klar festhalten, dass die Radeon R9 295X2 die derzeit schnellste Grafikkarte am Mark ist. In den Benchmarks mit aufgenommen haben wir aber auch jeweils ein CrossFire-Gespann bestehend aus zwei Radeon R9 290X und ein SLI-System bestehend aus zwei GeForce GTX 780 Ti, da dies die sinnvollsten Alternativen zur Radeon R9 295X2 sein könnten. Im Vergleich zu zwei Radeon R9 290X ist die Radeon R9 295X2 zwischen zwei und sieben Prozent schneller. Dies hat zwei Gründe: Erstens arbeitet die Radeon R9 295X2 mit einem GPU-Takt von maximale 1.018 MHz, wohingegen die Radeon R9 290X bei AMD nur mit bis zu 1.000 MHz taktet. Ein zweiter Grund ist die Tatsache, dass zwei Radeon R9 290X trotz Uber-Mode teilweise nicht den vollen Takt erreichen, da sie am Temperatur-Ziel arbeiten und den Takt leicht reduzieren. Etwas anders verhält sich dieser Vergleich zum SLI-System bestehend aus zwei GeForce GTX 780 Ti. Hier wechselt die Führung je nach Benchmark - dies kennen wir aber natürlich auch schon von früheren Vergleichen. Allerdings ist hier eine klare Tendenz zu erkennen: Je höher die Auflösung und Qualitätseinstellungen, desto eher liegt die Radeon R9 295X2 bzw. das CrossFire-System bestehend aus zwei Radeon R9 290X in Führung. Einige wenige Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

Zweiter wichtiger Punkt sind die Messungen und hier hat uns besonders die Lautstärke der Radeon R9 295X2 positiv überrascht. Im Idle-Betrieb lässt sich in Anbetracht der Leistungsklasse nichts an den gemessenen 36,7 dB(A) aussetzen. Unter Last muss man dann natürlich der enormen Abwärme Tribut zollen, aber dennoch hat die Wasserkühlung diese bei einer Lautstärke mit 51,4 dB(A) relativ locker im Griff. Hier sind sogar einige Single-GPU-Grafikkarten deutlich lauter. Ebenfalls überzeugt haben uns die Temperaturen. Die 30 °C im Idle-Betrieb sollen dabei noch keine große Rolle spielen. Unseren früheren Messungen der Radeon R9 290X dazu haben aber gezeigt, dass eine zu hohe Temperatur spätestens dann kritisch wird, wenn durch das erreichen des Temperatur-Zieles der Takt reduziert werden muss. Davon sind wir bei der Radeon R9 295X2 mit ihren maximalen 70 °C weit entfernt, auch wenn AMD das Temperatur-Ziel aufgrund der Wasserkühlung auf 75 °C reduziert hat. Sichergestellt ist damit, dass die Radeon R9 295X2 immer mit ihrem maximalen GPU-Takt von 1.018 MHz arbeitet. Letzter Teil der Messungen ist die Leistungsaufnahme und hier ließen sich wieder unzählige Parallelen zur Autoindustrie ziehen, aber eines ist klar: Wer eine derartige Leistungsklasse auf die Beine stellen möchte, der kann nicht davon ausgehen ein Stromsparwunder im Rechner betreiben zu können. Die Radeon R9 290X war schon nicht als Effizienz-Wunder bekannt und so kann es der Radeon R9 295X2 nicht anders ergehen, als dann man sämtliche Skalen des aktuellen Testsystems sprengt. Fast 750 Watt für das Komplettsystem sind ein Verbrauch, den man bei mehreren Stunden Betrieb pro Tag am Ende des Jahres auf der Stromrechnung sicherlich spüren wird.

Wer nun die Anschaffung der Radeon R9 295X2 plant muss gleich mehrere Dinge beachten. Zunächst einmal sei hier der Anschaffungspreis von rund 1.300 Euro. Teurer war nur die ASUS ARES II vor etwas mehr als einem Jahr, die zu beginn 1.425 Euro kosten sollte. Geschlagen werden beide in Kürze wohl nur durch die GeForce GTX Titan Z, die auf der GTC mit einem Preis von 2.999 US-Dollar vorgestellt wurde. Zweitens sollte das restliche System an die Bedürfnisse einer Radeon R9 295X2 angepasst sein. Dies betrifft zum einen eine möglichst starke CPU und zum andern das Netzteil, an das besondere Anforderungen gestellt werden (mehr dazu auf Seite eins dieses Artikels). Noch bleiben aber einige Tage Zeit, um zu überlegen, ob eine Radeon R9 295X2 das Richtige ist, denn erhältlich soll sie erst ab dem 21. April sein.

Alternativen? Die Alternativen zu einer Radeon R9 295X2 sind offensichtlich. Wer bereits eine Radeon R9 290X oder eine GeForce GTX 780 oder GeForce GTX 780 Ti verwendet, der kauft einfach eine zweite und erreicht damit ein ähnliches Performance-Niveau. Doch selbst wer ein komplettes Upgrade plant, ist preislich mit der Anschaffung von zwei Radeon R9 290X für jeweils 430 Euro deutlich günstiger dran. Bei zwei GeForce GTX 780 Ti wird einem diese Entscheidung aufgrund des Preises von jeweils etwa 560 Euro schon etwas schwieriger gemacht.

Positive Aspekte der AMD Radeon R9 295X2:

  • schneller als zwei Radeon R9 290X
  • schnellste Grafikkarte
  • UltraHD/4K-Auflösungen problemlos möglich
  • TrueAudio-Support
  • Mantle-Support

Negative Aspekte der AMD Radeon R9 295X2:

  • hoher Preis
  • hohe Leistungsaufnahme

 

Persönliche Meinung

Die Radeon R9 295X2 ist sicherlich nur für solche Käufer etwas, die keinen Engpass im Portemmonaies haben und deren restliche Systemumgebung auch dazu passt. Als Tester sind zumindest die letztgenannten Bedingungen geben und nie war es problemloser in UltraHD/4K-Auflösung die aktuellen Spiele auszuprobieren, ohne sich auf die Suche nach einer zweiten Karte zu begeben. Es macht Spaß eine Karte wie die Radeon R9 295X2 durch die Benchmarks zu jagen und sie in ihre Einzelteile zu zerlegen, um euch möglichst jedes Detail näher zu bringen. Über Sinn oder Unsinn einer solchen Karte muss man sich nicht weiter unterhalten, dazu ist sie einfach in vielen Belangen zu unvernünftig. Dennoch freue ich mich schon auf den möglichen Konter von NVIDIA, egal ob dieser nun GeForce GTX 790 heißen wird oder doch als "Workstation"-Lösung alias GeForce GTX Titan Z kommt. (Andreas Schilling)