Seite 1: Microsoft Surface Pro 3 im Test

Ein Tablet, das ein Notebook komplett ersetzen kann - diesem Versprechen soll das Surface Pro 3 endlich gerecht werden. Deshalb hat Microsoft an allen Ecken und Enden Veränderungen umgesetzt. Doch ist Microsofts Vorreitertablet wirklich das ideale 2-in-1-Gerät?

Microsoft hat vergleichsweise spät auf den Tabletboom reagiert. Erst mit Windows 8 konnte 2012 ein wirklich touch-freundliches Betriebssystem angeboten werden. Die Konkurrenz in Form von Apple und Google hatte zu diesem Zeitpunkt nicht nur ausgereifte Tablet-Betriebssysteme, sondern auch überzeugende Tablets am Start. Der Spätzünder aus Redmond reagierte auf ungewöhnliche Weise. Er entwickelte eine ganz eigene Tablet-Vision und brachte trotz der Verwurzelung im Software-Bereich mit der Surface-Familie selbst Windows 8-Tablets auf den Markt.

Um diese Geräte von der iOS- und Androidkonkurrenz abzusetzen, legte Microsoft von Anfang an den Schwerpunkt auf die produktive Nutzung. Die Surface-Tablets wurde deshalb mit einem integrierten Standfuß ausgerüstet und als geradezu unverzichtbares Zubehör kamen die bemerkenswert flachen Tastaturcover auf den Markt. So wurden die Tablets zum 2-in-1-Gerät und damit zur Notebook-Alternative. Auffällig waren von Beginn an auch die ungemein wertigen Magnesiumgehäuse und die Integration von USB-Ports im Vollformat. Auf der Softwareseite konnte Microsoft die eigene Stärken ausspielen und mit Microsoft Office punkten. 

Die ersten beiden Surface-Generationen (wir haben sowohl das Surface RT und das Surface Pro als auch Surface 2 und Surface Pro 2 getestet) wurden aber letztlich durch die Hardware-Realitäten ausgebremst. Es war schlichtweg nicht möglich, Notebook-Performance in einem schlanken Tabletgehäuse zu realisieren und dazu auch noch eine konkurrenzfähige Akkulaufzeit zu erreichen. Microsoft reagierte mit einer Spaltung der Surface-Familie. Bei den Surface Pro-Modellen wurde eine kompromisslose Leistung und die Unterstützung des vollwertigen Windows 8 angestrebt. Die eingesetzten Intel Core i-Prozessoren machten aber eine aktive Kühlung und ein klobiges Gehäuse nötig, gleichzeitig fiel die Akkulaufzeit für Tablet-Maßstäbe geradezu erschreckend kurz aus.

Eine wesentlich sparsamere Alternative zu den Intel-Prozessoren sah Microsoft in den Cortex-A-Prozessoren von ARM. Mit Windows RT wurde deshalb eigens ein Betriebssystem für ARM-Hardware entwickelt. Die Surface RT-Tablets (in der zweiten Generation einfach als Surface 2 bezeichnet) konnten tatsächlich beeindruckende Akkulaufzeiten erreichen. Sie waren auch wesentlich leichter und schlanker und konnten passiv gekühlt werden. Neben der reduzierten Performance gab es aber vor allem einen entscheidenden Nachteil, der letztlich zum Scheitern von Windows RT führte: Unter diesem Betriebssystem können nur Windows-Store-Apps nachinstalliert werden. Windows RT war schließlich nur eine Übergangsepisode: Intel konnte zwischenzeitlich nicht nur mit genügsameren Core i-Prozessoren nachlegen, sondern mit Bay Trail-T auch eine geeignete Atom-Plattform für Tablets bereitstellen.

Deshalb verzichtet Microsoft für die dritte Surface-Generation nach aktuellem Stand komplett auf ARM-Hardware und Windows RT. Stattdessen soll das Surface Pro 3 mit Windows 8.1 endlich Ultrabook-Performance und -Laufzeit in einem halbwegs schlanken Gehäuse bereitstellen. Dass es Microsoft dabei nicht belässt, sondern das Surface-Konzept für das Surface Pro 3 sogar noch anpasst, wird beim Blick auf die Spezifikationen deutlich.

Prozessor Intel Core i-Prozessoren der 4. Generation (Core i3, i5, i7)
Display 12 Zoll (2.160 x 1.440 px), Seitenverhältnis 3:2
Akku Li-Ionen, bis zu 9 Stunden Laufzeit (Herstellerangabe)
Kamera (vorne) 5 MP-Kamera
Kamera (hinten) 5 MP-Kamera
Speicher 64, 128, 256 oder 512 GB; microSD-Kartenleser
Maße / Gewicht 29,21 cm x 20,14 cm x 0,91 cm; 800 g

Die komplette Feature-Liste gibt es auf der letzten Seite des Testberichts.

Microsoft vertraut weiterhin auf Intel Core i-Prozessoren der vierten Generation, konnte das Surface Pro 3 im Vergleich zum Vorgänger aber um 100 g abspecken und um ganze 4,4 mm verschlanken. Zumindest bei der Dicke erreicht das neue Pro-Modell damit fast das Level, das Microsoft bisher nur bei einem ARM-Tablet realisieren konnte (das Surface 2 kommt auf 0,89 mm). Diese Reduzierungen sind umso beeindruckender, wenn man den bemerkenswertesten Philosophie-Wechsel beim Surface Pro 3 berücksichtigt: Microsoft verabschiedet sich vom 10,6-Zoll-Format und vergrößert das Display auf glatte 12 Zoll. Damit nähert sich das Surface-Modell auch bei der Displaygröße Ultrabook-Standard an. Angepasst wurde auch das Seitenverhältnis, das nun bei 3:2 liegt und damit deutlich mehr Platz in der Höhe bietet. Die Auflösung steigt auf 2.160 x 1.440 Pixel.

Im Test wird sich noch zeigen, dass Microsoft für das Surface Pro 3 noch eine ganze Reihe weiterer Anpassungen vorgenommen hat. An dieser Stelle wollen wir vorerst noch auf die angepasste Preispolitik eingehen. Der Einstiegspreis für die einfachste Konfiguration mit Core i3, 4 GB RAM und 64 GB wurde deutlich abgesenkt und liegt bei 799 Euro. Der Preis lässt sich aber spielend in geradezu schwindelerregende Höhen treiben. Für die Top-Konfiguration mit Core i7, 8 GB RAM und 512 GB SSD werden 1.949 Euro fällig. Die von uns getestete Version mit Core i5, 4 GB RAM und 128 GB SSD ist für 999 Euro zu haben. Das geradezu als Pflichtzubehör anzusehende Type Cover muss in jedem Fall wieder separat gekauft werden und kostet 110 Euro.

Für einen ersten Eindruck stellen wir das Microsoft Surface Pro 3 im Ausgepackt & angefasst-Video vor: