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Leica mit KI-Unterstützung

Bei der handelt es sich zunächst einmal aus Sicht der Hardware lediglich um eine minimale Überarbeitung im Vergleich zum Mate 9 und P10 Plus - sowohl vorne als auch hinten.

Auf der Rückseite bleibt es somit beim bekannten Dual-Kamera-System mit je einem RGB- und Monochrom-Sensor. Ersterer löst mit 12 Megapixeln auf und verfügt über einen optischen Bildstabilisator, letzterer bietet 20 Megapixel und muss ohne OIS auskommen. Neu ist hingegen die Optik, die wieder in Zusammenarbeit mit Leica entstanden ist. Mit einer Brennweite von 27 mm handelt es sich im Grunde um die gleichen Summilux-H-Objektive wie bei den beiden Schwestermodellen, mit Blende f/1,6 sind sie aber deutlich lichtstärker. Das verspricht vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bessere Aufnahmen. Fokussiert wird unter anderem per Phasenvergleich und Laser.

An der Aufgabenteilung zwischen den beiden Sensoren hat sich hingegen nichts verändert. In fast allen Modi arbeiten sie zusammen: Der Primärsensor mit seinen 12 Megapixeln sammelt Farbinformationen, der Sekundärsensor mit seinen 20 Megapixeln ist vor allem für Helligkeit und Details zuständig. In den Modi Große Blende und Portät sammelt der Sekundärsensor zusätzlich Tiefeninformationen, die für die Simulation der Tiefenschärfe benötigt werden. Dass das System aber äußerst flexibel auf bestimmte Einflüsse reagieren kann, zeigt das Beispiel Zoom. Bis zum Faktor 2 handelt es sich dabei laut Huawei um eine Hybrid-Lösung, bei der beide Sensoren zum Einsatz kommen, um nicht die Schwächen eines digitalen Zooms zu bieten. Genau der wird aber häufig genutzt, wie der Test zeigt. Denn ob der zweite Sensor verdeckt ist oder nicht: Bei ausreichend guten Lichtverhältnissen wird lediglich der RGB-Sensor verwendet - letztlich wird doch nur „digital" vergrößert. Qualitativ sind entsprechende Aufnahmen gut, auch wenn das Niveau eines Galaxy Note 8 oder anderer Smartphones mit dedizierter Tele-Optik nicht ganz erreicht wird.

Insgesamt ist die Abbildungsleistung gut. Details, Farben und Helligkeiten werden gut festgehalten, auch am Bildrand stimmt zumeist die Schärfe. Bei genauerem Hinsehen wirken helle Flächen nicht selten etwas rotstichig, was in erster Linie am nicht ganz optimalen Weißabgleich im Automatik-Modus liegt. Zudem werden vor allem Blau- und Rottöne sehr kräftig festgehalten, was spätestens bei schlechten Lichtverhältnissen störend wirkt - entsprechende Flächen harmonieren dann nicht mit dem Rest. In derartigen Fällen ist bei Rottönen das Gegenteil zu beobachten. Diese bleiben etwas zu blass, unter Kunstlicht wird aus einem kräftigen Rot beispielsweise schnell Pink oder Rosa. Hier hilft der Pro-Modus, der wie schon beim Vorgänger zu den Stärken des Smartphones gehört.

In einem anderen Punkt schneidet das Mate 10 Pro allerdings schlechter ab: beim Spiel mit der Tiefenschärfe im Modus Große Blende. Hier offenbart das Gerät einige Schwächen wie sichtbar verpixelte Übergänge zwischen Scharf und Unscharf, aber auch falsche oder unzureichende Scharfstellen. Gerade wenn das vorderste Objekt lediglich einen Meter von der Kamera entfernt ist, ist das nachträgliche Fokussieren eines weiter hinten liegenden nur in Ausnahmefällen möglich. Hier scheint das Sammeln von Tiefeninformationen nicht zuverlässig zu funktionieren.

Dem Modus Große Blende sehr ähnlich ist die Einstellung Porträt. Hier versucht die Software ein Gesicht zu erkennen, das im Gegensatz zum Hintergrund scharf dargestellt wird, auf Wunsch aber auch per Weichzeichner und Farbkorrektur „verschönert" wird. Dabei arbeitet die Trennung zwischen Scharf und Unscharf in diesem Modus sehr zuverlässig, selbst bei feinen Strukturen wie Haaren. Allerdings übertreibt es der Weichzeichner selbst bei kleiner Stufe. Das gilt im übrigen auch für die Frontkamera, die 8 Megapixel sowie Blende f/2,0 bietet. Deren Aufnahmen fallen zumeist brauchbar aus, Druck-Qualität erreicht man aber allenfalls bei sehr guten äußeren Bedingungen.

Befindet sich die Kamera im Auto-Modus, kommt die NPU zum Einsatz. Der versucht erfasste Objekte zu erkennen und Parameter wie Belichtung, ISO und anderes optimal einzustellen. Ob ein Gegenstand tatsächlich erkannt wurde, lässt sich an einem entsprechenden Symbol am unteren Rand der Kamera-App erkennen. Unterschieden werden kann unter anderem zwischen Essen, Blüten, Pflanzen, Katzen, Hunden, Sonnenaufgang, Strand und mehr. Die Trefferquote lag je nach Objekt aber teilweise nur bei 50 %, vor allem mit Essen und Tieren tat sich die künstliche Intelligenz schwer. Wurde ein Objekt erkannt, waren allerdings tatsächlich Unterschiede bei den Aufnahmen zu erkennen. Ob es sich dabei um positive oder negative Veränderungen handelt, ist eine Frage des eigenen Geschmacks. Bei Blüten werden beispielsweise Blütenfarben zu stark betont und die Ränder überschärft.

In den weiteren Foto-Modi schneidet das Mate 10 Pro gut bis sehr gut ab. Dank dediziertem Monochrome-Sensor lassen sich sehenswerte Schwarz-Weiß-Aufnahmen anfertigen, für die aber genügend Licht zur Verfügung stehen sollte. Denn schon ab ISO 200 ist Bildrauschen zu erkennen, langen Belichtungszeiten steht aber der fehlende Bildstabilisator entgegen. Bei wenig Licht lohnt deshalb vielleicht eher der Griff zur Lichtmalerei oder zum Modus Nachaufnahme. Auch hier entstehen nicht selten eindrucksvolle Aufnahmen, der Einsatz eines Stativs ist aber fast schon Pflicht. Ein wenig negativ fällt lediglich der HDR-Modus auf. Nicht nur, dass dieser wieder nicht automatisch hinzugeschaltet werden kann - auch der Dynamik-Umfang fällt geringer als bei aktuellen Konkurrenten aus.

Ebenfalls schlechter wirken Videos. Die Aufnahmen sind oft blass und mit Bildrauschen versehen - selbst bei guten Lichtverhältnissen. Maximal zeichnet das Mate 10 Pro in 2160p auf, zur Wahl stehen unter anderem aber auch 1080p30 und 1080p60. Wie so oft gilt dabei, dass nicht alle Zusatzfunktionen wie Objektverfolgung oder Stabilisierung in allen Auflösungen genutzt werden können. Zeitraffer-Videos nimmt das Smartphone in 720p30 auf, Zeitlupen-Videos wahlweise in 720p240 oder 1080p120.