Seite 2: Gehäuse, Ausstattung

Bekanntes Design + Glas

Wo andere den Wechsel des Display-Formats und des Gehäuse-Designs hin zu möglichst wenigen Rahmen für eine komplett neue Optik nutzen, setzt Huawei auf Kontinuität. Denn die Grundform des Mate 10 Pro hat man unübersehbar vom Vorgänger übernommen. Das, so viel Subjektivität muss an dieser Stelle erlaubt sein, ist zu begrüßen. Denn optisch gehört das Mate 9 eindeutig zu den gelungensten Smartphones der letzten ein bis zwei Jahre.

Allerdings wurde der Generationswechsel für eine prinzipiell nur leichte Überarbeitung genutzt, die letztlich aber umfangreicher wirkt, als sie tatsächlich ist. Auffallend ist zunächst einmal die nun gläserne Rückseite, die edel wirkt, aber wie üblich schnell mit Fingerabdrücken und Schlieren übersät ist. Auflockernd soll ein breiter Streifen am oberen Ende wirken, der allerdings nicht bei jeder der drei Farbvarianten - Grau, Blau, Braun - gleichermaßen zur Geltung kommt; bei ungünstigem Licht fällt er zumindest beim braunen Modell mitunter gar nicht auf. Das ist schade, der der Streifen die Dual-Kamera mitsamt LED-Blitz und Laser-Fokus betonen und ein wenig davon ablenken würde, dass die Linsen der Kameras nicht bündig mit der Rückseite abschließen. Das fällt auch aufgrund des silbernen Rings rund um die Linsen auf. Weniger auffällig ist hingegen der wieder unterhalb der Kameras platzierte Fingerabdrucksensor.

Dreht man das Mate 10 Pro, fällt im direkten Vergleich mit dem Vorgänger erst einmal kaum etwas auf. Das liegt vor allem an den bereits erwähnten, schon beim Mate 9 schmalen Rändern rund um das Display. Beim neuen Modell sind es links und rechts jeweils knapp 3 mm, oben und unten jeweils etwa 8 mm. Zum Vergleich: Das Mate 9 bringt es auf ca. 2, 11 und 14 mm. Dennoch wirkt das Mate 10 Pro aus dieser Perspektive moderner, wenn beide Geräte nebeneinander liegen.

Und erst dann offenbart sich auch, welche Auswirkungen der Wechsel des Seitenverhältnisses hat. Obwohl die Display-Diagonale von 5,9 auf 6,0 Zoll gewachsen ist, ist das Mate 10 Pro mit 154,2 x 74,5 mm minimal schmaler und kürzer als das Mate 9 (156,9 x 78,9 mm). Ein Effekt, der beispielsweise auch im Vergleich von Galaxy S7 edge und Galaxy S8 auffällt.

Von 18:9 statt 16:9 ist aber nicht nur die Optik betroffen, auch für die Ergonomie spielt es eine Rolle. So liegt das Mate 10 Pro aufgrund des schmaleren Gehäuses etwas besser in der Hand, für die Bedienung sind aber nach wie vor beide Hände nötig. Daran würde selbst ein Display-zu-Front-Verhältnis von 85 oder gar 90 % nichts ändern. Und das, obwohl das Display genau genommen mit 92,9 cm² rund 3 % kleiner ist; eine andere Auswirkung des Sprungs hin zu 18:9.

Dennoch schneidet das Mate 10 Pro mit Blick auf die rein physische Bedienbarkeit ordentlich ab. Die gläserne Rückseite entpuppt sich schnell als überraschend griffig und die drei am rechten Rand platzierten Tasten für Lautstärke und Standby sind auch bei Einhandhaltung gut zu erreichen. Für kleine Hände ist das Smartphone allerdings eher ungeeignet, was schlicht an der Display-Diagonalen liegt.

Betrachtet man am Ende noch den seitlichen Rahmen des Mate 10 Pro, dürfte sich so mancher leicht an Samsung erinnert fühlen. Denn die Rückseite geht links und rechts stärker als beim Mate 9 in den Rahmen über - ein optischer Kniff, der unter anderem beim Galaxy S7 anzutreffen ist. Dadurch wirkt das Smartphone schlanker, mit 7,9 mm ist es letztlich aber genauso dick wie das Mate 9. Die weiteren Unterschiede fallen ebenfalls nur gering aus: Die Antennen-Isolatoren verlaufen nun vertikal statt horizontal, das symmetrische Design des Mate 9 am unteren Rand hat man aufgegeben und am oberen Rand fällt die fehlende Audio-Buchse auf.

Die Verarbeitung des 178 g schweren Mate 10 Pro ist beinahe tadellos. Bei sehr genauem Hinschauen lassen sich auf der Rückseite minimale Abweichungen beim Übergang zwischen Glas und Rahmen erkennen, kritisch ist das aber nicht. Dafür hat Huawei es geschafft, den SIM-Kartenträger farblich exakt auf den restlichen Rahmen abzustimmen und nahtlos zu integrieren. Die drei Tasten bieten einen satten Druckpunkt und kein überflüssiges Spiel.

Gut beim Telefonieren, Schwächen in anderen Belangen

Die Sorge, man würde mit dem Mate 10 Pro kein vollständig ausgestattetes Smartphone erhalten, ist unbegründet. Denn anders als in der Mittelklasse und beim Display orientiert sich Huawei bei seinen Aushängeschildern inzwischen an der Konkurrenz.

Das fällt vor allem im Bereich Telefonie und Datenübertragung auf. So erreicht das LTE-Modem im Downstream dank Cat 18 in der Theorie bis zu 1,2 GBit/s, im Upstream immerhin noch 150 MBit/s (Cat 13). In der Praxis spielt der Downstream-Wert (noch) keine Rolle. Denn weder in Deutschland, noch in Europa wird - abgesehen von winzigen Flecken - ein auch nur annähernd so hohes Tempo erreicht. Ob sich das im Laufe der üblichen Lebensdauer des Mate 10 Pro ändern wird, darf bezweifelt werden. Als Anbieter von Mobilfunk-Netzwerktechnik dürfte Huawei es aber vor allem als Demonstration der eigenen Möglichkeiten betrachten.

Viel mehr hat der Nutzer von den guten Telefonieeigenschaften. Die drei Mikrofone filtern störende Nebengeräusche zuverlässig heraus und sorgen zusammen mit dem Lautsprecher für eine überzeugende Gesprächsqualität. Ungewöhnliche Netzwechsel oder Verbindungsabbrüche konnten im Laufe des Tests nicht beobachtet werden, im Gegenteil: Selbst in schwierigen Situationen verblieb das Mate 10 Pro länger als viele andere Smartphones im LTE-Netz.

Das wiederum kann von beiden SIM-Karten genutzt werden, was laut Huawei eine Premiere ist. Bislang mussten Nutzer wählen, welche Karte für 4G verwendet werden soll - die zweite konnte lediglich im 2G-Netz funken, was Datenübertragungen praktisch ausschließt. Dabei muss zudem nicht überlegt werden, ob eine zweite SIM-Karte oder die Erweiterung des Speichers wichtiger ist. Denn den Einsatz einer Speicherkarte sieht Huawei nicht vor, 128 GB müssen somit reichen.

Abseits der Übertragung via Mobilfunknetz zeigt das Mate 10 Pro aber kleinere Schwächen. So wird Bluetooth lediglich in Version 4.2 unterstützt, aktuelle Konkurrenten bieten hingegen Bluetooth 5 mit geringerem Energiebedarf, höherer Reichweite und höheren Übertragungsraten. Ebenfalls verwunderlich ist, dass Huawei beim WLAN nicht auf ein MIMO-Design setzt. Zwar wird der ac-Standard unterstützt, mangels MIMO fallen die Geschwindigkeiten aber geringer als bei der Konkurrenten aus. Vor allem dann, wenn das Mate 10 Pro zusammen mit anderen WLAN-Geräten gleichzeitig genutzt wird. Dem LTE-Modem hat Huawei hingegen gleich vier Antennen spendiert. Dafür bietet das Smartphone wie auch schon der Vorgänger einen Infrarot-Sender, was den Einsatz als Fernbedienung für Fernseher und Co. möglich macht. NFC ist ebenfalls dabei.

Verzichtet hat man auch auf die 3,5-mm-Buchse, womit Kopfhörer entweder über einen USB-Typ-C-Anschluss verfügen oder aber per mitgeliefertem Adapter oder per Bluetooth - aptX und aptX HD werden unterstützt - angeschlossen werden müssen. Dank USB 3.1 Gen 1 erfolgen Datenübertragungen per Kabel zügig, der Anschluss gibt auch DisplayPort 1.2 aus.

Beibehalten hat man den Einsatz von zwei Lautsprechern, die wahlweise unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Im High-Quality-Modus ist der oberhalb des Displays verbaute Lautsprecher für die hohen Frequenzen zuständig, der im unteren Rand platzierte zweite hingegen für Mitten und Tiefen. Die Alternative ist ein Stereo-Modus, für den das Mate 10 Pro allerdings in Landscape-Ausrichtung genutzt werden muss. Tatsächlich wird dann eine kleine Stereo-Blase gebildet, die aber nicht nur unter fehlenden Mitten und Tiefen leidet, sondern auch unter der unterschiedlichen Lautstärke der beiden Lautsprecher; der im unteren Rand erreicht deutlich höhere Pegel. Bis zu einer Lautstärke von etwa 80 % des Maximums kommen die Lautsprecher fast ohne Verzerrungen aus, darüber nehmen sie Überhand. Dennoch gefällt diese Lösung besser als bei vielen anderen Smartphones, auch wenn das Pixel 2 XL oder iPhone 8 Plus insgesamt besser klingen.

Fast komplett ist das Angebot an Sensoren. Das Mate 10 Pro kann dank ihnen unter anderem Lage im Raum, Ausrichtung, Beschleunigung, Umgebungshelligkeit und Luftdruck messen. Die Ortung per Satellit ist per GPS, GLONASS und BDS möglich. Galileo fehlt hingegen. Das Entsperren des Geräts ist per Fingerabdrucksensor möglich, der im Test schnell und präzise arbeitete. Zudem kann er teilweise für die Bedienung des Smartphones eingesetzt werden, unter anderem für die Navigation in der Galerie oder für das Ein- und Ausblenden der Benachrichtigungszentrale.