Seite 1: Moto G5S im Test: Fast das Brot-und-Butter-Smartphone

Halbjahres- statt Jahresrhythmus: Ungewöhnlich schnell hat Motorola respektive Lenovo das Moto G5 und Moto G5 Plus überarbeitet. Offiziell handelt es sich beim Moto G5S und Moto G5S Plus zwar jeweils nur um eine Special Edition, tatsächlich aber sind die Änderungen nicht unerheblich. Entsprechend darf von zumindest einem halben Generationswechsel gesprochen werden - nach gerade einmal sieben Monaten. Doch Käufer der Vorgänger sollten sich nicht grämen. Denn es gibt nicht nur mehr Ausstattung, sondern auch einen höheren Preis. Ob der beim Moto G5S gerechtfertigt ist, zeigt der Test.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Moto G5 und Moto G5S betreffen das nun größere Display, den von 2 auf 3 GB vergrößerten Arbeitsspeicher, den nun immer 32 GB großen internen Speicher, beide Kameras sowie den Akku. Die restliche Ausstattung wurde nicht verändert, dafür gab es leichte Änderungen beim Design. All das führt dazu, dass die unverbindliche Preisempfehlung von 199 auf 249 Euro geklettert ist. Zum Zeitpunkt des Tests (Anfang Oktober) boten erste Händler das Smartphone für etwa 230 Euro an.

Wer sich für das Moto G5S Plus interessiert: Den entsprechenden Test werden wir zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Vom Überraschungserfolg zur Massenware

Die Geschichte des Moto G ist in etwa so wechselhaft wie die von Motorola selbst. Mit der 2013 auf den Markt gebrachten ersten Generation gelang dem Unternehmen ein riesiger Erfolg. Bis heute gilt das Gerät, das zunächst nur als UMTS-Version, später dann auch als LTE-Variante in den Handel kam, als Synonym für ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und bescherte Motorola unerwartete Verkaufserfolge. Wie so oft konnte der Nachfolger den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Das im Sommer 2014 vorgestellte Moto G 2nd Generation bot kaum bessere Hardware, wurde aber dennoch zu einem höheren Preis angeboten. Noch mehr Kritik musste 2015 das Moto G (3rd Generation) einstecken, hier entpuppte sich die Ausstattung in weiten Teilen als wenig zeitgemäß für ein Gerät dieser Preisklasse.

Letzteres galt auch für das letztjährige Modell, wenn auch nur in abgeschwächter Form. Denn gleich drei Versionen des Moto G4 mussten ein breites Preisspektrum abdecken, entsprechend waren technische Unterschiede notwendig. Doch selbst dem Moto G4 Plus mussten wir im Test eine nicht ganz überzeugende Ausstattung attestieren.

Das nun brandneue Moto G5S soll die Kritik vergessen machen, gelingen soll das mit einer Mischung aus Moto G5 und Moto G5 Plus.

Genug für den Alltag

Von ersterem übernimmt man den SoC sowie alles, was direkt mit diesem zusammenhängt. Entsprechend erreicht das LTE-Modem lediglich Cat 4, was maximale Down- und Upload-Raten von 150 und 50 Mbit/s bedeutet. Verzichtet werden muss auf hohen Übertragungsraten im WLAN, denn mehr als den n-Standard unterstützt das WLAN-Modul nicht; dafür arbeitet es sowohl in 2,4- als auch 5-GHz-Netzen. Den Kurzstreckenfunk Bluetooth deckt das Moto G5S bis Version 4.2 ab, NFC ist vorhanden. Auch auf USB Typ-C muss man verzichten - das Laden und der Datentransfer erfolgen via Micro-USB.

Beim Telefonieren hinterließ das Smartphone im Test einen guten Eindruck, einzig der Lautsprecher oberhalb des Displays klingt etwas zu blechern. Lautstärke und Unterdrückung störender Nebengeräusch gingen hingegen in Ordnung. Verbindungsabbrüche oder ungewöhnliche Netzwechsel waren nicht zu beobachten, dafür aber häufige Schwankungen bei der Netzstärke - zumindest suggerierte dies die Statusanzeige. Der zweite, im unteren Rand untergebrachte Lautsprecher erreicht eine ausreichende Lautstärke, bietet aber zu wenig Mitten und Tiefen.

Beim Speicher bewegt sich das Moto G5S zwischen den beiden G5-Varianten. Der Arbeitsspeicher fasst 3 GB (LPDDR3), der interne Speicher nimmt 32 GB und kann per microSD-Karte erweitert werden. Die geht allerdings wie so oft zulasten der Dual-SIM-Funktion.

Unverändert vom Moto G5 Plus wurde die Sensorbestückung übernommen. Entsprechend kann auch das Moto G5S die Lage im Raum, Ausrichtung und Beschleunigung erkennen. Die Satellitenortung erfolgt per GPS und GLONASS. Der unterhalb des Displays platzierte Fingerabdrucksensor arbeitete im Test präzise und damit deutlich besser als der des Moto G4 Plus.

Helles Blau

Ebenfalls vom Moto G5 Plus stammt das Display. Entsprechend liegt die Diagonale bei 5,2 Zoll, die Auflösung bei 1.920 x 1.080 Pixeln. Damit bietet das IPS-Panel eine mehr als ausreichende Schärfe von 423 ppi, hinzu kommt eine gute Blickwinkelstabilität und Farbdarstellung. Letztere würde noch besser ausfallen, wäre da nicht der Blaustich. Weiß wird mit einer Temperatur von durchschnittlich fast 7.700 Kelvin dargestellt, was sich in den Einstellungen auch nicht verändern lässt. Zwar gibt es einen entsprechenden Punkt, hinter dem verstecken sich aber nur zwei Presets, die sich kaum voneinander unterscheiden. Die Möglichkeit eines manuellen Eingriffs bietet das Moto G5S nicht.

Besser schneidet es bei den restlichen Messwerten ab. Die maximale Helligkeit liegt bei 527 cd/m², was in vielen Fällen auch für den Einsatz im Freien ausreicht. Dem gegenüber steht ein Schwarzwert von 0,337 cd/m², was für ein Panel dieser Art ein guter Wert ist. Daraus resultiert ein Kontrastverhältnis von 1.564:1.

Der typische Moto-Look mit Buckel

Angesichts der zahlreichen Parallelen gegenüber dem Moto G5 und Moto G5S und der Tatsache, dass es sich beim Moto G5S nur um eine Special Edition handelt, überrascht das eigene Gehäuse-Design. Zwar wurden hier und da Details des Moto G5 Plus übernommen, beispielsweise die deutlich abstehende Kamera, dennoch wirkt das Moto G5S sehr eigenständig.

Mit 150,0 x 73,5 x 9,5 mm fällt es zunächst etwas größer als üblich aus, die Linienführung kaschiert dies jedoch ein wenig. Wo die beiden Vorgänger noch etwas plump wirkten, schneidet das Moto G5S optisch hochwertiger ab. Das liegt vor allem an den Antennen-Isolatoren auf der Rückseite, die geschickt als Design-Element genutzt werden. Aber auch der inzwischen für Moto-Smartphones übliche Kamera-Kreis ist ein regelrechter Eye-Catcher. Etwas schlichter fällt die Front aus. Hier sorgen lediglich Lautsprecher und Fingerabdrucksensor für ein wenig Auflockerung. Ob letzterer unterhalb des Displays gut aufgehoben ist, ist eine Frage des eigenen Geschmacks. Fest steht aber, dass Platz verschwendet wird. Denn anstatt auch die drei Android-typischen Bedienfelder unter die Anzeige zu verfrachten, wird auf eine Onscreen-Lösung vertraut. Die auf beiden Seiten des Rahmens umlaufende Fase rundet den insgesamt aber dennoch guten Eindruck ab.

Die gleiche Bewertung verdienen Materialwahl und Verarbeitung. Das Gehäuse besteht nahezu vollständig aus Aluminium, das stellenweise aber sehr dünn wirkt; ähnliches war zuletzt mehrfach bei Smartphones der unteren Mittelklasse zu beobachten. Dank des Unibody-Konzepts gibt es kaum Übergänge zwischen einzelnen Bauteilen. Negativ fällt hier nur der Kartenträger im linken Rand auf, der nicht nahtlos mit dem restlichen Rahmen abschließt. Die drei Tasten für Lautstärke und Standby am rechten Rand sind hingegen gut eingefügt und bieten einen beinahe optimalen Druckpunkt und Hub. USB- und Audio-Buchse warten am unteren, bzw. oberen Ende des Moto G5S.

Dank der sich zu den Seiten hin verjüngenden Rückseite liegt das Smartphone gut in der Hand, sofern die groß genug ist. Für die Bedienung ist der Einsatz beider Hände nötig, was weniger an der Display-Diagonalen, sondern mehr am Verhältnis von Anzeige zu Front liegt. Denn nur gut zwei Drittel (67 %) werden vom Display eingenommen, was ein unterdurchschnittlicher Wert ist. Mit 157 g fällt das Gewicht hingegen eher unauffällig aus.