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4K-Videos in der Mittelklasse

Spätestens seit dem Start des P9 ist klar, dass auch Huawei die Kamera als Verkaufsargument nutzt. Zwar boten auch frühere Modelle meist überdurchschnittliche Ergebnisse, seit dem Frühjahr gehört man auch dank der Unterstützung seitens Leica diesbezüglich zur Spitzengruppe. Wenn man vor diesem Hintergrund die Kamera eines neuen Smartphones besonders hervorhebt, darf man einiges erwarten. Zu hoch sollte man die Latte aber nicht legen, denn für exzellente Fotos und Videos ist die Mittelklasse bislang das falsche Segment. Sie wird es vorerst aber auch bis auf weiteres nicht sein. Denn das nova kann insgesamt überdurchschnittliche bis gute Resultate abliefern, leistet sich bei schlechten Lichtverhältnissen aber auch ein paar Schwächen.

Das liegt zu einem guten Teil an der Hardware. So gibt es anders als beim nova Plus keinen optischen Bildstabilisator, mit Blende f2.2 ist auch die Optik nicht optimal für den Einsatz bei wenig Licht. Hinzu kommt, dass die Kantenlänge der Pixel bei 1,25 Mikrometern liegt. Insgesamt bietet der Sensor, bei dem es sich um Sonys IMX286 handeln dürfte, 12 Megapixel und stellt mit Phase-Detection-Fokus scharf. Für Licht sorgt ein LED-Blitz.

Bei guten Lichtverhältnissen hält die Kamera Farben und Helligkeitsunterschiede meist überzeugend fest, Details von entfernten Objekten gehen hier und da jedoch verloren. Flächen wirken so mitunter leicht matschig. Hinzu kommt, dass die Schärfe zu den Rändern hin abnimmt - erkennbar auch bei Zoom-Stufen von weniger als 100 %. Ebenfalls fällt auf, dass im Schatten liegende Objekte aufgehellt werden. Bildrauschen ist bei genauem Hinsehen auch bei ISO 100 erkennbar, der unschöne Effekt hält sich aber in sehr engen Grenzen. Das sieht bei höheren ISO-Werten natürlich anders aus, spätestens ab ISO 800 stört das Rauschen sehr.

An weniger versierte Fotografen richtet Huawei sich mit diversen Modi, die das Aufnehmen erleichtern sollen, wer über ein gewisses Maß an Erfahrung oder Experimentierwillen verfügt, kann aber auch auf den Pro-Modus zurückgreifen. Hier lassen sich die üblichen Faktoren beeinflussen, mit etwas Geduld fallen die Fotos meist etwas besser als im Automatik-Modus aus.

Was man im nova nicht erwartet, sind die Video-Fähigkeiten. Denn klammert man den Sonderfall Nexus 6P aus, bot Huawei bislang nicht mehr als Full HD an. Ausgerechnet das Mittelklasse-Smartphone bricht mit dieser Tradition, hier steht dem Nutzer auch UHD respektive 2160p mit 30 fps zur Verfügung. Möglich wird das auch durch den SoC, der die notwendigen Komponenten mitbringt. Über etwas mehr Leistung dürfte der Chip aber ruhig verfügen. Denn im UHD-Modus vergehen zwischen Betätigung des Auslösers und einer sichtbaren Reaktion mitunter zwei Sekunden. Ein anderes Manko betrifft die Aufnahmelänge. Während es bei 720p und 1080p kein Limit außer dem freien Speicherplatz gibt, erlaubt das nova bei höchster Auflösung nur durchgehende Clips von maximal zehn Minuten. Hilfreich ist bei UHD auf Wunsch eine Objektverfolgung, die das gewünschte Objekt im Fokus behält, der digitale Bildstabilisator kann hingegen nur bei geringeren Auflösungen genutzt werden.

Die Qualität der Aufnahmen ist leicht überdurchschnittlich. Artefakte treten nur bei schnelleren Bewegungen und dann auch nur in geringer Anzahl auf, Farben und Helligkeitsunterschiede werden in weiten Teilen gut festgehalten. Probleme hat das nova bei UHD-Aufnahmen mitunter aber bei starkem Kontrast: Der dunkle Part wirkt dann zu dunkel und umgekehrt. Eine nette Spielerei ist wie üblich der Zeitlupenmodus, der im nova in 720p und 120 fps zur Verfügung steht; Zeitraffer-Videos lassen sich nicht erstellen.

Für Selfies bietet das Smartphone eine 8-Megapixel-Kamera mit Blende f2.0, die auch bei mäßigem Licht noch Schnappschuss-Qualität bietet. Sind die Bedingungen besser, landen die Aufnahmen klar über dem Durchschnitt.

Die Kamera-Applikation entspricht dem, was man von Huawei gewohnt ist. Der Aufbau ist übersichtlich, alle wichtigen Funktionen sind mit maximal zwei Schritten erreichbar. Diverse Modi wie Lichtmalerei oder Verschönerung sind ebenso vorhanden wie eine HDR-Option, die aber erneut nicht automatisch hinzugeschaltet wird. Dafür gibt es wieder neun Filter, deren Einfluss schon im Sucher dargestellt wird.