Aber irgendwie kann ich es auch nachvollziehen. Seine Freundin konnte ja an der Situation nichts ändern, sie konnte ja schlecht alle Zelte abbrechen und nach Deutschland zurückkommen.
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Hätte er damals Schluss gemacht, hätte man ihm wohl auch unterstellt, er würde sie nicht (genug) lieben... Ja, er hat Fehler gemacht, aber das sollte man doch auch anerkennen.
Wirklich nicht? Wir leben in einer Zeit, bei der alle die Wichtigkeit von Partner und Familie beschwören, das kommt alles an erster Stelle, direkt hinter der Karriere. Wo ein Wille ist, ist meistens auch ein Weg und wo nicht kann der Wille diesen Weg schaffen.
Aber das ist das Problem von Fernbeziehungen: Konflikte führen einfach erstmal dazu, dass man sich weniger sieht. Das weniger sehen wird als Problem identifiziert, und am Ende ist die Distanz schuld. Die Distanz ist aber ab einer gewissen Lebensphase eigentlich immer einfacher zu überwinden als man denkt. Die Frage ist immer: "Wie viel bin ich bereit für die Beziehung zu tun?"
Diese Frage war bei mir früher sehr oft im Hinterkopf, innerlich ist bei mir vor so 6 Jahren was eskaliert. Ich war in einer Fernbeziehung, einmal quer durch Deutschland, aber die Distanz war nicht das Problem. Wobei "das" davon ausgeht dass es nur ein Problem gegeben hätte; Das fing bei ehrlichem Umgang miteinander an, welche Ziele man verfolgt, warum man was macht, wie man zu anderen Leuten steht etc., Zeiten zum Treffen waren nie sicher. ... Im Endeffekt habe ich diese Themen öfters mal mit einer guten Freundin aus meiner Heimatstadt besprochen. Wir wollten dann mal in der Gruppe durch die Bars ziehen im Endeffekt war dann aber von ihr so eingefädelt, dass ich nur eine ihrer Freundinnen treffe. War ein interessanter Abend mit tollen Gesprächen, auch wenn sie das vielleicht als verunglücktes Date angesehen hat weil ich es nicht als Date sehen wollte, wir haben uns auch beide bewusst vom Alkohol ferngehalten. Interessant waren die Gespräche schon deshalb, weil sie schon mal in der Situation war und die andere Seite kannte. Ich meine, man muss sich mal die Karten auf den Tisch legen, und wenn die Bereitschaft von beiden Seiten zusammen nicht hoch genug ist in die Beziehung zu "investieren" und diese zu priorisieren, dann wird es nichts.
Ich denke zum Zeitpunkt "Jahr 2" haben sich beide Gedanken zur Zukunft der Beziehung gemacht und beide nicht mehr viel Energie hinein gesteckt, sich weniger gesehen und deswegen noch mehr Gedanken gemacht. Es kann gut sein, dass auch für sie die Information zur Affäre irgendwie recht kam um nicht selbst blöd darzustehen. Ich will nicht wissen, wie viele Beziehungen dahin plätschern aus dem Gedanken blöd darzustehen, jemanden "nicht genügend lieben". Letztlich liegen dem ganzen dann doch rationale Entscheidungen zugrunde, auch wenn es einen emotionalen Input gibt, der ein starker Träger ist.
Zur Affäre...auf der Vertrauensbasis ist das ganz klar ein Bruch. Man muss sich mal ansehen, was Menschen, die gerade in einem gewissen gesellschaftlichen Milleu stecken, dass sich für extrem liberal und progressiv hält, für Probleme hat. Und das weltweit. Nur weil man Faktoren wie Rationalität, Romantik, Sexualität, gesellschaftlicher Konsens etc. entdeckt hat, heißt das nicht, dass diese Faktoren sich unabhängig von einander verhalten. Und da das menschliche Gehirn ein verrücktes Konstrukt und auch zwischen genetisch identischen Menschen verschieden ist, sind die Verlinkungen eben unterschiedlich stark. Für die die Bladerunner 2049 gesehen haben: Es gibt eine Szene, bei der sich die Hologram/KI-Freundin über eine Replikantin legt. So in etwa ticken manche Leute die Fremd gehen auch ... der Körper der anderen Person ist nur ein Ersatz für den eigentlichen Partner. Die emotionale Bindung besteht zum Partner, die physische aber zu jemand anderem. Deswegen ist es auch so schwer zu entscheiden zwischen Vergeben oder Trennen. Wie viel in Worten der Beteuerung liegt ist die nächste Frage ...