Aktuelles

[User-Review] Kingston XS2000 – Portable 2 TB SSD mit USB 3.2 2x2 für bis zu 2000 MB/s für Multiboot und verschlüsselte Partition

2Stoned

Enthusiast
Thread Starter
Mitglied seit
15.12.2006
Beiträge
235
Ort
Erde
Der Name ist Programm, die XS2000 ist sowohl extra small als auch mit einem USB 3.2 2x2-Interface auf 2000 MB/s ausgelegt. Ob sie diese erreicht habe ich mir angeschaut. Als Testsystem stand meine Workstation mit Gigabyte X570 Aorus Ultra, AMD Ryzen 3950X und einer DELOCK 20 Gbps USB-C 3.2 2x2 PCIe-Karte mit ASM3242 Chip zur Verfügung. Zudem habe ich mir mit diesem grosszügigen USB-Stick nebst einer verschlüsselten EXT4 Partition für meine persönlichen Daten eine portable Multiboot-Umgebung geschaffen.

Gliederung​

  1. Produktvorstellung
  2. Benchmark
  3. Einrichten der Multiboot Umgebung mit Ventoy
  4. Erstellen einer verschlüsselten EXT4 Partition

Produktvorstellung​

Kingston selbst gibt für die XS2000 folgende Spezifikationen an:
SchnittstelleUSB-C 3.2 2x2
Lesegeschwindigkeit2000 MB/s
Schreibgeschwindigkeit2000 MB/s
Kapazität2 TB
Abmessungen69,54 x 32,58 x 13,5 mm
Gewicht28,9 g
Betriebstemperatur0 °C bis 40 °C
ZertifizierungIEC/EN 60529 IP55 zertifiziert, d.h. geschützt gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel und Staub in schädigenden Mengen
KompatibilitätWindows® 10, 8.1,
Mac OS (V. 10.14.x und höher),
Linux (V. 2.6.x und höher)
Chrome OS™

top@0.5x.png


frontside@0.5x.png


backside@0.5x.png

Das Design würde ich als elegant bezeichnen. Zudem ist es in Anbetracht der gebotenen Speichermenge ein wirklich handliches Produkt.

comparison@0.5x.png

Jedoch muss bedacht werden, dass anders als bei einem klassischen USB-Stick noch ein Kabel hinzukommt. Dennoch passt diese portable SSD samt Kabel gut in meine 12.5'' Laptophülle (also, nebst dem Laptop (ThinkPad x220) und einem Tablet (reMarkable 2) ...)

Benchmark​

Ich habe mit verschiedenen Tools die Lese- und Schreibgeschwindigkeiten getestet. Dies zunächst im Auslieferungszustand, anschliessend mit eigener Partitionierung.

Auslieferungszustand​

Geliefert wird die SSD mit einer MSDOS Partitionstabelle und einer einzigen EXFAT Partition, welche die gesamten 2 TB umfasst.
Lesegeschwindigkeit mit
Code:
sudo hdparm -Tt /dev/sdb
11632 MB/s (cached); 886 MB/s (buffered)
Schreibgeschwindigkeit mit
Code:
dd if=/dev/zero of=/run/media/KINGSTON/tempfile bs=1M count=1024 conv=fdatasync,notrunc status=progress
517 MB/s

KDiskMark liefert folgende Werte bei jeweils 9 Durchgängen:
Test16 MiB Read [MB/s]1 GiB Read [MiB/s]64 GiB read [MiB/s]16 MiB Write [MB/s] 1 GiB Write [MiB/s] 64 GiB Write [MiB/s]16 MiB 70/30 Mix [MiB/s]1 GiB 70/30 Mix [MiB/s]64 GiB 70/30 Mix [MiB/s]
SEQ1M|Q8T1​
862909909819827532423404284
SEQ1M|Q1T1798849850662653364364359163
RDN4K|Q32T12431901872172151561099897
RDN4K|Q1T1382726948875171918
RDN4K [IOPS]879068546482242372350218949448746034566
RDN4K [mikro s]113145153404151128124126
Diese Werte waren zunächst einmal eher ernüchternd. Also habe ich mir in einem nächsten Schritt einmal angeschaut, welchen Einfluss die Partitionierung auf die Leistung hat.

Partitionenvergleich​

Im Auslieferungszustand ist die SSD mit einer MSDOS Partitionstabelle und einer EXFAT Partition versehen. Ich habe nun zum Vergleich eine GPT Partitionstabelle angelegt und anschliessend verschiedene 400 GB Partitionen erstellt:
  • BTRFS
  • exFAT
  • EXT4
  • FAT32
  • LUKS2 verschlüsselte EXT4 Partition
  • NTFS

KDiskMark​

Nun habe ich KDiskMark wiederum für alle Partitionen jeweils 9 Mal durchlaufen lassen. Exemplarisch habe ich die Tests
Code:
SEQ1M|Q8T1
und
Code:
RDN4K
grafisch aufbereitet:

XS2000_read_1M.png

Beim sequentiellen Lesen sieht man deutlich die schlechte Performance des Auslieferungszustandes.

XS2000_read_IOPS.png

Beim zufälligen Lesen schneidet nicht nur der Auslieferungszustand, sondern auch die frisch erstellte NTFS Partition schlecht ab. Jedoch nur in IOPS gemessen...

XS2000_read_4K.png

... denn in MiB/s scheinen alle Partitionen in etwas gleichauf zu sein und NTFS schiesst bei zufälligen Lesen von 16 MiB oben aus.

XS2000_write_1M.png

Beim sequentiellen Schreiben schneiden der Auslieferungszustand und die NTFS Partition eher schlecht ab. Jedoch auch die EXT4 Partition zeigt klare schwächen beim Schreiben von 64 GiB. Dies zeigte sich auch, als ich diesen Test einen Tag später wiederholte.

XS2000_write_IOPS.png


XS200_Write_4K.png


Zusammenfassend zeigt KDiskMark, dass exFAT, EXT4 und FAT32 tendenziell die Nase leicht vorn haben, FAT32 aber aufgrund der Dateigrössenbeschränkung auf einer 2 TB SSD kaum eine sinnvolle Wahl sein dürfte. BTRFS (oder allenfalls auch die nicht getesteten ZFS oder JFS) wären je nach Anwendungsfall eine Überlegung wert. Die LUKS2-Verschlüsselung kostet Leistung. Der Auslieferungszustand zeigt klar eine schlechte Performance. Ob es an der MSDOS Partitionstabelle liegt? Oder vielleicht daran, dass nur hier die ganzen 2 TB als eine Partition genutzt wurden, in den weiteren Tests aber Partitionen à 400 GB‽ Dies wäre in einem zukünftigen Test noch zu klären.

Hause kopieren​

Nebst diesen synthetischen Tests habe ich auch noch einen etwas realistischeren Anwendungsfall überprüft, nämlich das Kopieren von
Code:
/home
auf die Kingston XS2000. Dies sind in meinem Fall rund 400 GiB (ohne die versteckten Dateien). Die grösste Einzeldatei ist 22.9 GiB gross.

Home_Folder-Structure.png

Der Befehl
Code:
time rsync -av --exclude=".*/" /home/ /run/media/kingston/<partition>
liefert dann ein leicht anderes Bild als der vorangegangene synthetische Benchmark mit KDiskMark:
Kopiervorgang.png

Beim Kopieren des
Code:
/home
-Verzeichnisses auf die SSD schneidet BTRFS erstaunlich gut ab. Auch die verschlüsselte EXT4 Partition (LUKS2) zeigt solide Werte. Für FAT32 musste ich den Befehl leicht abändern, um Dateien über 4 GB auszuschliessen. Es wurden dann rund 300 GB übertragen. Das heisst natürlich auch, dass allfällige Leistungsvorteile beim Schreiben grosser Dateien hier wegfallen. Diese Werte sind allgemein mit Vorsicht zu geniessen, da ich jeweils nur einen Kopiervorgang durchgeführt habe. Die Unsicherheit ist hierbei also gross.

Windows Benchmarks​

Da es unter Windows viele nette Tools gibt, habe ich eine handvoll unter Windows kurz einmal auf einer exFAT-Partition durchlaufen lassen.
AJA.png ATTO.png CDM_IOPS.png CDM_MBs.png CDM_ms.png TxBasic.png AIDA64.png

Multiboot USB SSD mit Ventoy erstellen​

Eine solch portable, schnelle 2 TB SSD will natürlich auch genutzt werden. Zum einen möchte ich hin und wieder ein Live-System von einem USB-Stick aus starten. Ventoy ermöglicht es mir, einen boot-baren USB-Stick zu erstellen, bei dem ich erst noch beliebige ISOs hinterlegen kann. Dabei wird auf dem USB device jedoch eine neue Partitionstabelle und neue Partitionen angelegt. Aus diesem Grund mache ich das, bevor ich meine eigenen Partitionen anlege. Ich habe Ventoy angewiesen, 1800 GB nicht zu formatieren. Mit den anderen 200 GB darf Ventoy werkeln. Es legt in einer EFI Partition einen Bootloader auf dem Stick ab (auch secure boot fähig), welcher auch vom BIOS erkannt wird. Wählt man beim Booten dann diesen USB-Stick, stellt Ventoy dann eigentlich alle ISOs zum booten zur Auswahl, die man auf einer (ebenfalls automatisch von Ventoy erstellten) Partition hinterlegt hat. Diese muss man übrigens nicht mühsam "brennen", sondern kann die ISO-Datei einfach in die Ventoy-Partition (exFAT) reinkopieren (drag'n'drop). So ist Kali Linux nun ready für den Einsatz ab USB-C 3.2 2x2.

Ventoy.png

Verschlüsselte EXT4 Partition auf dem USB-Stick erstellen​

Bei 2 TB kann ich einiges an Daten mit mir herumtragen. Fatal, wenn die in fremde Hände gelangen würden. Um dies zu verhindern, ist eine EXT4-Partition sicherlich schon mal ein probates Mittel: Alle Windows Nutzer wüssten damit schon mal nichts anzufangen. Dem Restrisiko kann ich entgegenwirke, in dem ich diese Partition auch noch verschlüssle. Folgende Ausgangslage:
  • Ventoy hat eine 32 MiB grosse fat16 Partition für den Bootloader angelegt
  • Zudem hat Ventoy eine 108 GiB grosse exFAT Partition für die ISOs
  • Der Rest ist noch unformatiert
Auf diesem unformatierten Rest lege ich mit GParted eine 200 GB grosse exFAT Partition an. Mit dieser will ich vielleicht hier und da mal eine Datei mit einer Kollegin oder einem Drucker oder Scanner austauschen. Die verbleibenden 1.6 TB fliessen in die EXT4 Partition.
Nachdem ich bei GParted meine Partitionen wie gewünscht erstellt habe, schaue ich mir die Struktur mal in der Konsole an.
Bash:
lsblk -l
listed alle angeschlossenen Speichermedien auf. Hier sehe ich, dass meine EXT4 Partition auf /dev/sdb3 liegt. Diese will ich nun verschlüsseln. Mit
Bash:
umount /dev/sdb3
stelle ich sicher, dass diese nicht mehr gemountet ist.
Dann erstelle ich eine LUKS2 Verschlüsselung. Dabei wird die Partition auf /dev/sdb3 wieder gelöscht.
Bash:
$ sudo cryptsetup luksFormat /dev/sdb3
WARNING!
========
This will overwrite data on /dev/sdb3 irrevocably.
Are you sure? (Type 'yes' in capital letters): YES
Enter passphrase for /dev/sdb3:
Verify passphrase:
$
Das hier gewählte Passwort brauche ich dann jeweils, um meine Partition zu entschlüsseln.
Anschliessend erstelle ich wieder eine Partition auf /dev/sdb3 und mappe diese zum virtuellen Gerät meinUSBStick (diesen Namen kann ich frei wählen):
Bash:
$  sudo cryptsetup luksOpen /dev/sdb3 <meinUSBStick>
Enter passphrase for /dev/sdb3:
Die Partition erstelle ich dann mit folgendem Befehl, wobei <meinXS> das Label ist. Unter diesem wird die entschlüsselte Partition dann jeweils im Dateimanager angezeigt werden.
Bash:
$  sudo mkfs.ext4 /dev/mapper/meinUSBStick -L <meinXS>
. . .
Allocating group tables: done
Writing inode tables: done
Creating journal: done
Writing superblocks and filesystem accounting information: done
$
Dann schliesse ich die Partition wieder zu.
Bash:
$ sudo cryptsetup luksClose meinXS
Jetzt kann ich die Kingston XS2000 aus- und wieder einstecken und meine Partition mit dem zuvor festgelegten Passwort entschlüsseln. Unter KDE kann ich dieses Passwort auch gleich speichern, so dass ich es an meiner Workstation nicht erneut eingeben muss.

Zusammenfassung​

Die Kingston XS2000 ist klein, leicht und handlich. Allerdings muss immer auch ein Kabel mitgeführt werden. Vielleicht auch noch einen USB-C-zu-USB-A–Adapter. Aber nebst einem 1.2 kg Laptop fällt dies dann nicht mehr ins Gewicht. Wenn eine passende USB-C 3.2 Gen 2x2 Schnittstelle vorhanden ist, ist diese portable SSD schnell – aber nicht im Auslieferungszustand. Eine Neupartitionierung schafft hier Abhilfe. Dabei kann ich zumindest den grosszügigen Speicherplatz von 2 TB gut nutzen: mit Ventoy habe ich jetzt einen praktikablen Multiboot-Stick zur Hand. Dank verschlüsselter EXT4 Partition sind meine Daten auch unterwegs einigermassen sicher vor Fremden.

Alles in Allem hat mir dieser Test grossen Spass gemacht. Ich danke Hardwareluxx und Kingston für die Zurverfügungstellung der Kingston XS2000 mit 2 TB Speicherplatz.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben Unten