[User-Review] Lesertest: Silentware Titan

Joey182

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05.05.2021
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Liebe Hardwareluxx-Community,

Ich durfte im Rahmen eines Lesertests den Silentware Titan genauer begutachten. Hier nun meine Erfahrungen. Da ich auch noch zwei weitere Luftkühler da hatte, gibt es außerdem einen Vergleich zu einem Arctic Freezer 36 und einem ID-Cooling Frozn A620 Pro SE ARGB . Bevor es um den Kühler geht, hier zunächst ein paar Worte, wie ich getestet habe.

Testmethodik​


Testsystem​


HWI.pngOCCT.png
Intel Core i5-14600K, MSI PRO Z690-A Wifi DDR4, Patriot Viper Steel UDIMM 8GB DDR4-3200CL16, be quiet! Dark Power Pro P7 450W, Kioxia Exercia G2 500GB, Arctic MX-6, Referenzlüfter Arctic P12 Pro PWM, Bildausgabe über iGPU. Samsung A55 zur Lautstärkemessung
Der Aufbau erfolgte als offene Testbench liegend ohne Gehäuse und ohne Hindernisse im Luftstrom des CPU-Kühlers.
Die CPU wurde leicht übertaktet mit +100MHz sowie offenen Leistungslimits (4095W) für PL1 und PL2. Dies führte zu einer Leistungsaufnahme von 190-210W.
Als Software wurde verwendet: Windows 11 Pro (Build 26.100.9168, 24H2), HWInfo64 (Loggingfrequenz 2s), OCCT, FanControl und natürlich Excel zum Erstellen toller Diagramme. Lautstäkemessung mit Android-App Physics Toolbox Suite

Testablauf​


Bei der Montage wurde eine zentrale Linie Wärmeleitpaste auf der CPU aufgetragen. Bei der Demontage wurde auf guten Spread geachtet.
Der Kühler wurde zwei Minuten mit OCCT vorgewärmt. Anschließend durfte er sich zwei Minuten wieder nahe Idle einpendeln. Mit OCCT im Lastmodus Extreme wurde 5 Minuten Last angelegt und anschließend weitergemessen, bis die CPU wieder deutlich unter 40°C angekommen war.
Jeder Kühler wurde mit seinen mitgelieferten Lüftern bei PWM 50%, 80% und 100% gemessen inklusive Lautstärke. Außerdem mit einem Arctic P12 Pro PWM auf 100%. Bei Singletower-Kühlern wurde letzterer vorne, bei Dual-Towern in der Mitte verbaut.
Der SIlentware Titan wurde außerdem auch um 90 Grad gedreht verbaut sowie gesondert mit der mitgelieferten Wärmeleitpaste gemessen.
Die Lautstärke wurde mit der Android-App gemesen. Es wurde der Modus Lautstärkemesser und digitale Anzeige verwendet. Der Messwert wurde erst aufgenommen, wenn die Mittelwert-Anzeige in zehn Sekunden um maximal 0,1db schwankte. Dazu wurde das Handy (Samsung A55) rechts unten an das Mainboard angelegt im Bereich des Frontpanel-Anschlusses. Das Display zeigte nach oben, Die Oberseite des Handys bildete die Verlängerung der rechten Mainboardseite. Absolutwerte können so nicht bestimmt werden, aber es entsteht ein auch in Zukunft replizierbarer Vergleich der Lautstärke.

Auswertung​


Die Diagramme wurden normalisiert auf einheitliche Testverläufe. Da die Messungen und Stresstests manuell gestartet wurden, werden so die Messreihen optisch besser vergleichbar.
Erster gültiger Diagrammpunkt ist der letzte Messwert unter 40°C. Bei 5 Minuten wurden folgende Messpunkte unter Last gestrichen bis zum letzten Last-Messpunkt. Somit startet die Abkühlung bei allen Kühlern gleich bei 5 Minuten, unabhängig vom tatsächlichen zeitlichen Mess-Ende. Nach fünf Minuten Last hatten alle Kühlern deutlich ein Equilibrium erreicht.
Auf eine Normalisierung nach Raumtemperatur wurde verzichtet, um das Erreichen von TJmax bei 100°C erkennbar zu machen. Die Raumtemperatur schwankte um <0,5°C und wurde zwischen den Messungen kontrolliert. Sie betrug 26°C.
Bei eventuellen nachfolgenden Tests bei abweichender Raumtemperatur unter Weiterverwendung der Messdaten muss dies nachgeholt werden.
Für die Messungen wird auch die durchschnittliche Leistungsaufnahme der Messreihe mit angegeben.

So, und nun zum eigentlichen Test.

Verpackung, Lieferumfang, erster Eindruck​


20260907_210546.jpg20260907_210600.jpg
20260907_210631.jpg20260907_210853.jpg

Zur Verpackung des Titan gibt es eigentlich wenig zu sagen. Der Kühler sowie alle Zubehörteile sind rumdum gut mit festem Schaumstoff gepolstert. Bei einigen der Zubehörtütchen wären wiederverschließbare Tütchen statt Einweg schön gewesen. Positiv ist eine kurze Montageanleitung im Druckformat beiliegend.

Als klassischer Dual-Tower-Kühler kommt der Titan mit zwei Lüftern. Diese verfügen beim Lüfterkabel nicht über Daisy-Chaining, weshalb ein Y-Splitter beliegt. Die RGB-Kabel sind Daisy-Chain-fähig.
Der Titan ist mit allen einigermaßen aktuellen Sockeln von Intel und AMD kompatibel, von LGA 115X bis hin zu LGA 1851 und AM4/AM5.
Zur Lüftermontage liegen 4 Drahtbügel bei.

Die Wärmeleitpaste ist nicht voraufgetragen sondern kommt als kleine Spritze. Die Menge reicht vermutlich für 2-3 Montagen aus. Eine genauere Spezifikation der WLP ist jedoch nicht auf der Tube.

20260907_214259.jpg
Die Verarbeitung der Kühltürme wirkt gut. Die Kühllamellen sind am Rand umgebogen. Dadurch gibt es deutlich weniger scharfe Kanten und die Luft wird besser durch den Kühler geführt.
Hinten und Forme sind die Lamellen mit Zacken strukturiert in ca. einem Drittel der Fläche.
Die Verblendungen der Heatpipe-Enden sind verschraubt mit sichtbaren Schraubenköpfen.

Montageanleitung und Einbauerfahrung​


Unaufgeregt wie bei der Verpackung geht es bei der Montage weiter. Der SIlentware Titan folgt dem bewährten Prinzip (im Falle von Intel): Backplate auf Sockel einstellen und festkleben, Standoffs aufstecken, Befestigungsrahmen verschrauben, Heatsink verschrauben, Lüfter einhängen.
Grundsätzlich ist daran aber nichts auszusetzen. Auch, dass es einen durchgehenden Befestigungsrahmen statt zweier einzelner Bügel gibt, ist angenehm.

Die RAM-Kompatibilität ist nicht besonders. Trotz dessen, dass der einzelne Ram-Riegel ganz außen saß, musste ich den vorderen Lüfter höher setzen. Das lösen andere Hersteller durch asymmetrische Heatsinks mit nach hinten verlagerten Türmen besser. Bei Vollbestückung und/oder hohen Ram-Modulen sollte man den vorderen Lüfter dann am besten hinten montieren. Darunter leidet dann aber die Optik und evtl. Performance. Bei "normaler" Montage des vorderen Lüfters bringt auch der angedachte Ausschnitt im Heatsink genau nichts.
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Kleiner Kritikpunkt jedoch an der mitgelieferten Montageanleitung:
20260907_211327.jpg20260907_220841.jpg
Folgt man dieser exakt, wird der Kühler mit vertikalem Luftstrom verbaut. Also so, dass er aus Richtung GPU die Luft ansaugt und aus dem Deckel des Gehäuses ausstößt.
In den meisten Fällen ist das suboptimal bezüglich der Kühlung, besonders bei großen GPUs und PCIe-Slots in der obersten Position.
Auch schränkt diese Orientierung die RAM-Kompatibilität weiter ein.
Hier hat man das Gefühl, dass die Anleitung von einem schon älteren Modell übernommen wurde. Eine Aktualisierung auf heutige Standards wäre angebracht.
Nicht jeder PC-Bauer ist erfahren genug, um sich einfach über die Anleitung hinweg zu setzen.

Bei der Lüftermontage erlebt man leider das typische Kabelgewirr bei ARGB-Lüftern. Pro Lüfter zwei Kabel, Y-Splitter und RGB-Daisy-Chains, die restliche Kabellänge muss irgendwo hin. Hier würde ich mir etwas mehr Innovation wünschen ohne gleich in proprietäre Ökosysteme abzudriften, was aber nicht nur Silentware betrifft. Z.B. sehr kurze Lüfterkabel, so dass der Splitter dann nur bis zur typischen Fanheaderposition reicht plus optionale Verlängerung um 30cm, dann muss man nur ein Lüfterkabel führen. Oder einen Lüfter mit kurzen Kabeln und einen mit langen plus Verbindung dazwischen oder DaisyChain am Lüfter statt am Header.

Anpressdruck sieht gut aus, die Wärmeleitpaste verteilt sich sauber über die gesamte CPU-Fläche.
20260907_220246.jpg

Performance​


Nun zum vermutlich interessantesten Teil. Wie schlägt sich der Silentware Titan im Vergelich zu seinen ähnlich teuren bzw. meist günstigeren Kollegen?
Zunächst die Leistungswerte der Messreihen:
SW Titan 50SW Titan 80SW Titan 100SW Titan ProSW Titan 90degSW Titan Pro WLPFreezer36 50Freezer36 80Freezer36 100Freezer36 ProA620 50A620 80A620 100A620 Pro
200​
197​
196​
197​
196​
196​
199​
194​
194​
192​
198​
198​
196​
195​
Bei 50% PWM sieht es zunächst so aus, als wäre der Titan überlegen. Er schafft es als einziger Kandidat im Testfeld, die CPU trotz fast 200W Leistungsaufnahme unter dem thermischen Limit von 100°C zu halten.
50.png
Bei 80% ist der Freezer 36 zunächst in der Aufheizphase vorne, Titan und Arctic-Kühler pendeln sich aber auf dem gleichen Niveau ein mit dem A620 deutlich dahinter.
80.png
Bei 100% kann der Titan dann jedoch nicht mehr ganz mithalten. Der Freezer36 setzt sich an die Spitze (mit einigen Lastspitzen, die die Abkühlung behindert haben), dahinter der A620, dann erst der Titan.
Das gleiche Bild zeigt sich auch beim test mit Referenzlüfter. Hier liegt der Arctic vorne, dann der A620, gefolgt vom Titan.
100.pngpro90wlp.png

Sieht man sich die Messung der Lautstärke und RPM bei 50%, 80% und 100% an, wird auch recht schnell klar, wie es dazu kommt. Der Titan ist bei gleicher 50% PWM-Einstellung signifikant lauter (was auch klar hörbar war). Bei 80% ist er so laut wie die anderen beiden bei 100%. Bei 100% haben jedoch die anderen beiden Modelle noch Luft nach oben, da sie die 2000RPM-Marke knacken ohne lauter als die Lüfter des Titan zu werden.
ModellPWMRPMdB
Fr36
100%​
2030​
46,3​
Fr36
80%​
1670​
44,7​
Fr36
50%​
1057​
39,5​
ID620
100%​
2070​
46,8​
ID620
80%​
1630​
42,9​
ID620
50%​
1138​
39,6​
SWTi
100%​
1724​
51,4​
SWTi
80%​
1522​
46,9​
SWTi
50%​
1186​
41,1​

In den Abkühlphasen kam es leider immer wieder zu kurzen CPU-Spitzen, die die Vergleichbarkeit des Abkühlverhaltens deutlich einschränken.
Beim Test mit der mitgelieferten Wärmeleitpaste (ebenfalls mit Referenzlüfter) zeigt sich diese vergleichbar performant zur MX-6, war aber deutlich weniger viskos und darum auch angenehm zu verarbeiten.

Die Drehung um 90 Grad zeigt auch keine signifikant schlechtere Performance. Dies kann sich aber in einem Gehäuse mit geschllossenem Deckel und Blockade des Luftstroms durch eine GPU deutlich ändern. Wenn ich Zeit und Muße habe und/oder hier der Wunsch nach entsprechenden Messdaten geäußert wird, reiche ich das Ergebnis dazu später noch nach.

Fazit​

Grundsätzlich ist der Silentware Titan nicht schlecht. Er macht was er soll zu einem vernünftigen Preis. Und sieht dabei ordentlich aus.
Das wäre aber nur dann "gut", wenn er allein auf weiter Flur wäre. Durch teils deutlich günstigere Modelle mit teils besserer Ausstattung und Leistung anderer Hersteller bleibt leider die Frage, warum man den Silentware Titan den anderen Modellen vorziehen sollte. Insbesondere die verwendeten Lüfter können nicht mit denen anderer Hersteller in Sachen Leistung und Lautstärke mithalten.
Hinzu kommen Probleme bei der RAM-Kompatibilität, wenn man nicht blanke Ramsticks ohne Heatspreader verbauen möchte.
Dazu noch Kleinigkeiten wie die nicht auf aktuelle Systeme ausgelegte Montageanleitung.
Somit kommt der Silentware Titan bei mir mit seinem Preis von (zum Testzeitpunkt) 45€ in der schwarzen ARGB-Variante leider nur auf eine Wertung von 4/10 möglichen Punkten. Für den Aufpreis zur Konkurrenz erhält man leider keinen entsprechenden Mehrwert an Performance, Lautstärke oder Optik. Bei 45-50€ beginnen zudem bereits AIOs interessant zu werden, was den Konkurrenzdruck weiter erhöht.
 
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