Moin,
gestern war ich mit meiner Partnerin auf der
Kopfhörermesse bei Projekt Akustik und wollte ein paar Eindrücke teilen, vielleicht hilft es ja einigen bei ihrer Suche.
Zunächst muss ich das Team von Projekt Akustik und weiteren Ausstellern einen Lob aussprechen, trotz des mehr als überfüllten Geschäfts und der unheimlichen Lautstärke, war es dennoch sehr angenehm, gut organisiert mit überaus motivierten und wirklich freundlichen Gastgebern, was sich bis zum Nachmittag nicht änderte. Sollte ich etwas erwerben wollen, werden sie meine erste Anlaufstelle werden.
Da meine Partnerin einen sehr ähnlichen Geschmack teilt, haben wir Kopfhörer selten beide gehört, wenn wir es nicht zumindest lohnenswert empfanden und wegen der großen Menschenmenge und Anzahl Kopfhörer, war es kaum möglich von allem einen Eindruck zu erhalten, weshalb wir uns hauptsächlich auf die bevorzugten Kopfhörer beschränkten.
Folgendes fand den Weg auf unsere Köpfe
- Warwick Acoustics Asperio
- Raal Immanis
- Hifiman Susvara OG
- Hifiman Susvara Unveiled
- Hifiman HE1000SE Unveiled
- Hifiman Arya Organic
- Hifiman Ananda (Kunde vor Ort)
- Focal Utopia
- Audeze CRBN
- Yamaha YH-5000SE
- Grado (leider vergessen den Namen zu notieren), um die 1500€ herum
- Meze Arta
- Final DX10000CLCE
- Final Audio D8000 DC Pro
- Dan Clark Audio Stealth
- Dan Clark Audio Core
- Dan Clark Audio Expanse
- Dan Clark Audio E3
- Stax SR-009S
- Stax SR-X9000
Die für uns uninteressanten Modelle
Ich möchte betonen, dass es unsere Eindrücke sind und sich Beschreibungen in den Mitten und Höhen sowieso unterscheiden werden, weil jeder Gehörgang anders ist. Daher bitte nicht als Angriff verstehen!
Da es den Rahmen sprengen würde, halte ich mich sehr kurz. Die DCA sind alle durchgefallen, keiner hat uns wirklich abholen können, obwohl ich persönlich mich am meisten darauf gefreut hatte, besonders auf die Expanse. Am Ende fanden wir den Core am besten, aber insgesamt zu fordernd und auf Dauer anstrengend, die Expanse waren ungewöhnlich dumpf und nicht räumlich genug, ich fühlte mich wie in einer gedämmten Studiokammer. Die Stealth waren nicht schlecht, wirkten auf mich jedoch irgendwie leicht komprimiert, schwer in Worte zu fassen und der E3 kam direkt nach dem ersten Song wieder runter.
Beide Stax waren uns etwas zu dünn und zu hell abgestimmt. Details und Luftigkeit sind hervorragend, Bässe und Mitten konnten uns jedoch nicht überzeugen.
Final Audio 10000 ist neu auf dem Markt und konnte uns gar nicht abholen, ehrlich gesagt empfanden wir den DCA Core als besseren Hörer. Der klang tonal sehr merkwürdig und erinnerte mich etwas vom Gefühl an die DCA Expanse, auch wenn sie unterschiedlich sind. Die D8000 waren uns wie die Stax insgesamt zu hell abgestimmt, es fehlte an Fülle und Körper. Die Verarbeitung ist wirklich irre und bequem sind sie ebenfalls, aber tonal leider zu weit von dem, was wir mögen.
Meze Arta hatte nur meine Partnerin auf dem Kopf, ihre Worte waren: Nicht schlecht, grundsätzlich gut, aber nichts besonderes.
Grado und Yamaha. Die Grado hatten kräftige Mitten, auch recht viel Oberbass, klang für mich merkwürdig abgestimmt, vermutlich gut für unterwegs, damit die Musik nicht untergeht, jedoch nichts für daheim uns auch zu hell. Die Yamaha hatten wenig Körper, zu wenig Bässe und waren insgesamt über den gesamten Bereich zu hell abgestimmt. Super leichte Hörer.
Audeze CRBN. Bühne kam mir recht klein vor, die Musik wirkte leicht komprimiert, als könne sie sich nicht richtig entfalten, war leider nichts für mich. Hing am Ifi Phantom im Transistor Modus ohne X Bass. Grundsätzlich hatte ich darauf geachtet, dass alle Geräte neutral liefen.
Hifiman Ananda empfand ich als klanglich sehr gut für das gebotene Geld, aber vermutlich wurde es von XV und anderen neuen Modellen überholt? Gefiel mir besser als so mancher teure High End Kopfhörer, wenn auch zu hell, danke an den unbekannten freundlichen Kunden
Hifiman HE1000SE Unveiled ist ziemlich gut, gehörte jedoch nicht zu unseren Favoriten, er klingt einfach zu unspektakulär, ist aber sicherlich ein angenehmer Dauerläufer.
Interessante Kopfhörer
Jetzt kommen wir zu Modellen, denen wir zugetan sind.
Warwick Asperio war wirklich gut, meiner Meinung nach keine Schwächen, schneidet in allen Bereichen sehr gut ab, ist ähnlich wie der HE1000SE in keinem Bereich spektakulär, setzt aber im Vergleich überall eine Schippe drauf. Wir würden jedoch niemals soviel Geld für einen Kopfhörer ausgeben, außer er zieht uns zusätzlich in eine virtuelle Welt, wo man alles fühlen kann....
Focal Utopia, toller klang, sehr rund, smooth, räumlich, detailliert, aber wer zur Hölle hat sich das Kopfband ausgedacht? Bei meiner Partnerin war es weniger ein Problem, sie empfand den Kopfhörer als unheimlich schwer, dem ich zustimmen muss, gleichzeitig hatte ich unangenehme Hotspots auf dem Kopf gehabt, undenkbar den längere Zeit zu tragen.
Hifiman Arya Organic, trotz all dieser Kopfhörer immer noch der Liebling meiner Partnerin, explizit für die Musik die sie mag, sonst wären ihr die Höhen und Bässe insgesamt etwas zu doll, dies lässt sich mit bisschen EQ jedoch bändigen.
Hifiman Susvara OG/Unveiled. Meiner besseren Hälfte gefallen die Unveiled besser, sie klingen je nach Song definitiv etwas voller/satter, allerdings sind mir die Höhen insgesamt ein tick zuviel des Guten, insgesamt würde ich glaube die OG bevorzugen. Sie bleiben weiterhin meine persönlichen Favoriten, da sie bei Details brillieren, sehr offen tönen, viel Punch bieten und der Bass weit hinab reicht. Die Bühne ist groß, aber nicht riesig, so das Sänger*innen und Instrumente die richtige Nähe Intimität für mich abbilden, welche ich z.B. beim HD800S vermisse, oder beim Aune AR9000 viel zu nahe geht.
Der heimliche Star der Show
Was uns jedoch am meisten beeindruckte waren die Raal Immanis. Ich bin nicht sicher, ob ich sie besonders lange hören könnte, daich sie gefühlt manchmal ein bisschen zu spektakulär fand, bestimmte Bereiche sind sicherlich vorsichtig überrepräsentiert, aber ich hatte auch nie das Gefühl, dass es zu viel wäre. Ich konnte noch mehr Details als bei den Warwick oder Susvara heraushören und die Art und weise wie Gitarren klangen und wie die Seiten nachhallen war atemberaubend.
Sie sind auch die heimlichen Favoriten meiner Partnerin wegen dem spektakulären und sie findet die Immanis besser als die Arya Organic für fast alle Genre, bevorzugt jedoch den Organic immer noch für ihre Songwrite Lieblinge. Wenn es jedoch einer sein müsste der alles gut kann, würden die Immanis gewinnen.
Das wäre auch der Kopfhörer, den ich persönlich kaufen würde, wäre da nicht die Hürde, das es unmöglich ist diesen mobil zu betreiben (Smartphone->Mobiler DAC/KHV (oder DAP)->Immanis).
Astel&Kern PD20
Zusätzlich wollte ich noch den A&K PD20 testen wegen seiner einfachen Möglichkeit on the fly EQ per Rädchen anzupassen,
Audiodo Hörtest und Anpassung von links/rechts separat und ob er genug Leistung hat den Susvara anzutreiben und boy, das kann er! Leider liefert A&K nie Leistungsdaten, aber der hat bei 60ohm sicherlich mindestens 1W, wenn nicht sogar mehr. Durch die laute Umgebung habe ich bereits lauter gehört als ich es tun würde und ich höre bereits gern überdurchschnittlich laut. Max 125/150 Stufen waren drin, bevor meine Ohren den Dienst quittieren, da blieb also noch ausreichend Headroom übrig.
Der Hörtest war leider ergebnislos, da die Umgebung schlichtweg zu laut war, trotzdessen sah die Kurve recht flach aus, weshalb ich davon ausgehen, dass ich trotz der lauten Umgebung immer noch gut hören konnte. Aber, 2100€ für einen DAP der auch noch langsam ist und wo die Touch Befehle nicht immer reagieren, egal ob er den Susvara problemlos antreiben kann, ist mir viel zu viel und die scharfen Kanten und klackernden Schieberegler sind nicht gerade ein Qualitätsmerkmal und wer 180€ für eine Hülle aufruft, dem ist nicht mehr zu helfen, das kommt bestensfalls als Gebrauchter in Frage.
So bleibt es am Ende doch der Susvara und vermutlich auch die OG Variante. Optisch leider weiterhin kein besonders schöner Kopfhörer, aber irgendeinen Tot stirbt man immer. Allerdings komme ich nicht umhin stets an den Immanis zu denken und ich weiß nicht, ob mich das im Hinterstübchen weiterhin stören würde, dass es immer noch einen gibt, der noch besser passt.
Ende der Geschichte.