Breit verbreitet und diskutiert wird derzeit die Meldung seitens
WCCF Tech, Samsungs Halbleiter-Sparte
(Electronics Device Solutions, "DS") würde allein dieses Jahr denselben Gewinn wie Samsung in den letzten 40 Jahren anpeilen können. Dies ist natürlich eine markante Zahl, welche zudem von einem Samsung-Offiziellen ausgegeben wurde – was bedeutet, dass die Zahl technisch korrekt sein sollte
(die Einzelgewinne der letzten 40 Jahre sind online nur lückenhaft verfügbar, somit ist dies schwer nachzuprüfen). Zudem bezieht sich die Zahl auch nur auf die Gewinne von Samsungs DS-Sparte, die anderen Sparten von Samsung nicht betrachtend – was aber natürlich auch korrekter ist bezüglich der Vergleichbarkeit der Zahlen. Allerdings dürfte die Zahl kaum den Inflationseffekt beachten, welcher nach 40 Jahren dann durchaus beachtlich hoch ausfallen wird. Wie auch immer ist dies letztlich nur eine Statement-Zahl, welche vor allem ausdrückt, dass die Gewinne von Samsungs Halbleiter-Sparte
(und dort fast alleinig getrieben vom Speichergeschäft) nicht einfach nur hoch ausfallen, sondern absolut extrem und vollkommen
einzigartig hoch.
Gleichzeitig weist ein solcher Übergewinn aber natürlich auch auf ein gesellschaftliches Problem hin:
Am Speichermarkt bezahlen nicht nur die Konsumenten faktisch zu viel, sondern geht wegen der (viel) höheren Preise auch Produktivitätsfortschritt im gesamtgesellschaftlichen Maßstab verloren. Man sieht dies derzeit an der Computer-Industrie
(außerhalb des Server-Geschäfts), wo Neuvorstellungen zurückgehalten oder in ihren Spezifikationen kleiner gemacht werden und wo die höheren Endkundenpreisen den Konsumenten den Spaß an der Neuanschaffung vergällen. Eine clevere Gesellschaftspolitik würde an dieser Stelle eventuell erkennen, dass die Übergewinne von Micron, Samsung & SK Hynix keinerlei gesellschaftlichen Vorteil, sondern sogar gesellschaftlichen Rückschritt bedeuten. Die Lösung hierfür läge im übrigen nicht in Übergewinn-Steuern
(es verdient nur der Fiskus, aber es gibt keine Entlastung der Konsumenten) oder auch Kartellrecht-Klagen
(ändert wegen der Länge von Zivilverfahren auch nichts an den aktuellen Überpreisen) – sondern in einer regulatorischen (temporären) Preisfixierung. Dies muß überhaupt nicht auf besonders niedrige Preise hinauslaufen, aber alles was +50% oberhalb eines normalen, gewinnträchtigen Preispunkts liegt, ist zumindest aus rein gesellschaftpolitischer Sicht kontraproduktiv.
Denn es gilt hierbei zu bedenken:
Ein starker Überpreis ist ein klares Hemmnis zum Kapazitätsausbau – zumindest zum Kapazitätsausbau in Richtung einer wünschenswerten Marktsättigung. Wenn die Speicherhersteller derzeit die 4fachen Preise wie normal kassieren
(gestern erst belegt), dann bringt denen eine Kapazitätsausweitung selbst auf das Doppelte am Ende viel weniger, wenn dafür der Speicherpreis wieder Normalstand erreicht. Gehen die Speicherpreise noch viel weiter nach oben, wird diese Rechnung jeweils noch ungünstiger für den Kapazitätsausbau. Deswegen müsste – wieder aus rein gesellschaftspolitischer Sicht – der Abgabepreise generell darauf begrenzt werden, dass der (richtige) Kapazitätsausbau für die Speicherhersteller auch wirtschaftlich Sinn macht. Am Ende geht es darum, die Funktionsweise des Markts im Sinne der Aussage von "
Die Wirtschaft ist für den Menschen da." wieder herzustellen. Dazu muß Wettbewerb existieren – und jener kann nicht in Gang kommen, wenn das Güterangebot in diesem Teilmarkt dem Bedarf derart weit hinterherhinkt. Natürlich sind dies alles nur wohlfeile Überlegungen theoretischer Natur, welche in der derzeitigen Funktionsweise der (rein) repräsentativen Demokratie kaum eine Chance auch nur auf Beachtung haben.