Es ist einfach traurig mitzuerleben, wie fachlich aber auch menschlich die neue Generation der TÜV-Prüfer auf den Hund gekommen ist.
Vor zwei Wochen war ich mit meinem Zweitwagen in der örtlichen TÜV-Prüfungsstelle zur Hauptuntersuchung (HU). Obwohl der Wagen schon älter ist, ist er immer noch technisch und optisch sehr gut in Schuss, da er immer regelmäßig von mir gewartet wird und nie Probleme bei der HU machte. Die HU bestand der Wagen diesmal nicht, weil der rechte Scheinwerfer falsch eingestellt war und sich nicht verstellen ließ. Der junge TÜV-Prüfer war ein Bachelor of Engineering. Er erklärte mir, dass ein falsch eingestellter Scheinwerfer eigentlich kein Problem darstellt aber die Tatsache, dass er sich nicht verstellen ließ "der Killer" wäre.
OK, dachte ich mir, vielleicht ist ja eine Halterung drin abgebrochen und deshalb funktioniert das Ganze nicht. Kein Ding. Also hab ich einen neuen Scheinwerfer bestellt und eingebaut. An dem neuen Scheinwerfer hab ich nichts verstellt, da mir das Equipment fehlt um ihm richtig einzustellen. Und der TÜV-Prüfer kann das dann so einstellen, wie er es für richtig hält.
Heute bin ich mit dem Wagen und dem neuen Scheinwerfer wieder beim gleichen TÜV gewesen. Dort wurde ich von einem Bachelor of Engineering, der mehrere Sprachen sprach, empfangen. Anschließend saß ich im Wartezimmer des TÜV-Gebäudes und die Scheinwerfer meines Autos wurden in der Nebenhalle geprüft. Nach nur zwei Minuten kommt der Polyglott-TÜV-Prüfer zu mir und sagt: "Der neue Scheinwerfer lässt sich nicht einstellen." Ich schaue ihn mit meinem WTF-Gesichtsausdruck an und sage, dass der Scheinwerfer brandneu sei und ich an ihm nichts verstellt habe.
Einen Augenblick später folge ich dem Prüfer in die Halle, um mich von seiner Aussage zu überzeugen. Er nimmt einen Schraubendreher sticht in die Öffnung des Scheinwerfers, wo sich der Einstellmechanismus befindet, fängt an, wie wild zu drehen und sein Testgerät zeigt keine Veränderung an. Zwischendurch sagt er immer wieder "Sehen Sie es passiert nix, ich drehe, drehe und es passiert nix."
Ich entgegnete: "Aber der Scheinwerfer ist neu, der muss sich doch einstellen lassen."
Der Prüfer stellt seine Tonlage höher und wird aggressiver: "Was habe ich eben gesagt?!?!?!" Hören Sie mir eigentlich zu?!??! Was habe ich eben gesagt?!?!?"
In der ganzen Aufregung und durch die angespannte Tonlage habe ich gar nicht realisiert, dass der Prüfer einen Schraubendreher für die Einstellarbeiten benutzt hat. Der klassische VW-H7-Klarglass-Scheinwerfer, der millionenfach in zich VW-Modellen verbaut wurde, hat aber in den Einstellöffnungen gut sichtbare Sechskanteinbuchtungen, welche natürlich für einen Inbusschlüssel vorgesehen sind.
Ich schaue ihn an und sage: "Wieso drehen Sie mit einem Schraubendreher? Sie müssen einen Inbusschlüssel nehmen." Er reagiert gar nicht auf das was ich sage und greift wortlos zu einem anderen Werkzeug und versucht damit zu drehen, um den Scheinwerfer einzustellen. Natürlich klappt auch dieses Vorhaben nicht. Nach einigen Sekunden hat er dann realisiert, dass ich recht habe und er wohl einen Inbusschlüssel von seiner Werkbank holen muss.
Während er sich umdreht und zur Werkbank geht, um den Schlüssel zu holen, sagt er irgendwie so etwas: "Sik tir lan amana ko jum örum ... " ich weiß nicht genau, ob das der exakte Wortlaut war, der Satz ist leider unvollständig und nur das habe ich behalten. Welche Sprache das war, die der TÜV-Polyglott sprach, kann ich nicht genau sagen.
Als er mit einem Set Inbusschlüssel wieder kam und anfing zu drehen, ließ sich der Scheinwerfer plötzlich wie von Geisterhand problemlos einstellen. Er sagte nichts mehr.
Sein Verhalten mir gegenüber empfand ich mehr als unfreundlich, zudem hat er sich weder für seine Tonlage noch seinen fachlichen Fehler, bis zum Ende meines Besuches, entschuldigt.
Wieder zu hause angekommen habe ich mir den alten "fehlerhaften" Scheinwerfer genauer angeschaut und das Innenleben und den Einstellmechanismus begutachtet. Ich konnte keine Auffälligkeiten oder Beschädigungen feststellen.
Ich habe den schlimmen Verdacht, dass auch der junge Prüfer, der bei meinem ersten Besuch den Scheinwerfer begutachtet hat, den selben Fehler gemacht hat wie der Polyglott. Vermutlich hat er auch versucht mit einem Schraubendreher den Scheinwerfer einzustellen und hat es nicht geschafft. Deshalb kam dann die Fehldiagnose und ich bekam keine TÜV-Plakette.
Ich bin völlig sprachlos.