So rasend schnell schreitet die Entwicklung aber schon lange nicht mehr fort. Ich kann heute mit einer 10 Jahre alten CPU und 10 Jahre altem RAM auf einem 10 Jahre alten Mainboard problemlos neu erschienene Spiele spielen. Klar, die Grafikkarte habe ich zwischenzeitlich gewechselt, aber die aktuelle (GTX 1660) ist auch schon 4 Jahre alt und war schon damals nur Mittelklasse. In 1080p konnte ich Spiele wie z.B. Assassin's Creed Odyssey trotzdem mit akzeptablen Framerates spielen, ich musste nicht mal viele Kompromisse bei den Settings machen.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass diese Idee von "die Technik schreitet zu schnell fort, um einen PC über viele Jahre hinweg zu benutzen" vorwiegend von Leuten kommt, die das gar nicht wirklich versucht haben.

Oder aber ich habe eine größere Toleranz, was das Genießen von Spielen auf suboptimaler Hardware angeht, das will ich nicht ausschließen.
Die Tatsache, dass ich in den ganzen letzten Jahren (und auch jetzt noch) mit DDR3-1600-Riegeln modernste Spiele zocke. relativiert deine Aussagen ein wenig, finde ich.
Im Grunde stimme ich dir zu. Aber ich würd gern eine andere Perspektive reinbringen, die mir für sehr plausibel erscheint einem Interview-Podcast mit einem Gamedesigner. Eins noch vorab: Ich hab keine Zeitschienen nachgeschaut. Ich bin unsicher ob das so übereinpasst wie ich es im Kopf hab. Müsste ein Geschichtsfuchs evtl nachschauen wenns interessiert. Und ich laber ein bischen Marketinggeblubber nach. Verzeiht es mir.
Anfang der 2000er waren wir in der Zeit Pentium3/Pentium 4 und hatten grad die 1GHz Marke geknackt. Singlecore.
AMD hatte mit dem Athlon XP ein heißes Eisen im Feuer. Unsere Grafikkarten waren 3DFX Voodoo4 und ATI Riva TNT 2 oder sowas. Oder es waren schon Radeon 9700er. Der Punkt ist: Wir hatten einen funktionierenden Wettbewerb, und jede Generation Leistungssprünge.
Relativ bald das Ende der Singlecores erreicht, Core2duo vs. AMD Athlon x2, dann Core2quad und die ersten Core i vs AMD Phenom x3- Phenom x6. Nvidia schluckt 3dfx, AMD zieht mit, Wir hatten immernoch Wettbewerb und die Entwicklung ging ab bei CPU und GPU.
Irgendwann, so etwa Zeit der Intel Core i-3000 Serie, bringt AMD Bulldozer Architektur, hat nur auf dem Papier viel Kerne (doppelte Integer Einheiten sind halt Schwachfug) und ist für die nächsten 5 Jahre nicht konkurrenzfähig. Intel verkauft alten Wein in neuen Schläuchen, aber im Prinzip passiert nix nennenswertes zwischen einem 2600k und einem 7700k. Klar die Grafikkarten wurden stärker, die Monitore wurden größer und höher aufgelöst und haben mehr und mehr Grafikpower gefordert. Auftritt Nvidia GTX480 aka Thermi. Ein Aufschrei geht durch die Community, eine 225W Grafikkarte! Absurd!
Auftritt AMD Zen 1000 aus der Feder von Jim Keller (google it, spannender Typ). Und Ryzen sollte altern wie fine wine, statt wie Bulldozers fine milk.
Auf einmal, nach 5 Jahren Stillstand, war AMD wieder da. Nicht auf der Höhe, mit "zusammengeklebten" CPUen, aber sie waren wieder da. Nvidia und AMD liefern sich bei den Grafikkarten ihre Scharmützel, Vega und so eher nicht die Knaller, HMB eher kein Knaller, aber... AMD lernt. Ryzen wächst, gedeiht, zieht mit der 3000er Generation mit Intels 10000er gleich. Intel geht der Arsch auf Grundeis, startet Projekt Alderlake aka LITTLE.big x64 edition.
Währenddessen wird 1440p 144Hz Mainstream, 4k Monitore tauchen auf und AMD liefert RDNA2 ab. Und die 6900xt ist wieder in der Liga einer 3090, nvidias Flaggschiff. Die erste BFGPU mit der 4k Gaming beworben wird.
Jetzt schauen wir zurück.
Wann waren wir bei Mainstream 60Hz Bildrate und 1920x1080 Auflösung? Ich würde behaupten mit der Generation Nvidia 900er.
Was waren da für CPUen am Start? Ich denke wir waren noch nicht bei 6 Kernen Mainstream. Ist aber auch garnicht so wichtig, weil mein Punkt ist ein anderer.
Während die Grafikkarten immer dicker werden und mühelos upgradebar sind (okay netzteil evtl noch dazu, aber halt nur gesteckt) muss man für ein CPU Upgrade den kompletten PC zerpflücken. Bis Ryzen kam, und AMD die 5000er auf die Boards der 1000er gebracht hat, andere Baustelle.
Aber aus der Zeit davor sind immernoch sehr viele Quadcores von intel im Einsatz und in den PCs vertreten. Wenn auch mit neueren Grafikkarten.
Und jetzt kommt das Interview ins Spiel:
Im PC Markt gibts ein Henne-Ei Problem.
Die Entwickler sagen sie bauen keine Spiele für minimum 6 Kerne, weil sie damit potenzielle Kundschaft ausschließen.
Die Hardwareentwickler sagen: Wofür mehr Kerne, es gibt doch keine Software dafür? (meine aktuelle Rede, zum Zocken reichen 6 Kerne mehr als aus)
Und aus der Perspektive wird meinesachtens klar, warum sich ein Xeon 1230v3 aka i7-4770 mit DDR3-1600 heute noch brauchbar schlägt, wenn man ein paar Einschränkungen akzeptiert. Die Software hat sich nicht nennenswert weiterentwickelt. Und bis sie das tut, und die 4 Kerner alle hinten runter fallen, muss sich das Henne-Ei Problem so weit lösen, dass der Mainstream minimum mal bei 6 Kernen aka i7-8700 und Ryzen 1600x ist. Und auch dann reden wir über Spiele der Zukunft. Was heute Bock macht, und was in den nächsten 2 Jahren kommt und bock macht, wird auf 4 Kernen weiterhin laufen.
Was aber passiert ist - die Leidensfähigkeit muss da sein. Ich hatte besagten Xeon 1230v3, hab viel Path of Exile gezockt und habe zu erst Ladelags identifiziert (daraufhin Upgrade einer Sandisk ultra plus 240 SSD auf eine MX500 1TB, beide SATA, aber 5 Jahre dazwischen), Ladelags beseitigt.
Und dann das Upgrade vom Xeon 1230v3 auf einen Ryzen 3600. Die FPS Low, oder min-FPS sind durch das Upgrade ca doppelt so hoch. Da machen sich 8 Jahre Entwicklung bei der CPU einfach massiv bemerkbar.
Und das ist es am Ende denke ich, was die Leute zum Upgraden bewegt. Und das wird dauern, bis dann das Henne-Ei Problem weg ist.
Dann sind wir wieder beim Thema von vor 20 Jahren, von den ersten Core2Quad und Phenom x4 - Paralellisierung von Prozessen, wenn die Spielewelt synchron gehalten werden muss.
Viel Geschwafel ohne Sinn, meine Schlussfolgerung:
6 Kerne reichen heute zum Zocken, 6 Kerne reichen Übermorgen auch noch. Was beim Spielerlebnis hilft sind viele FPS low auf der CPU, also modernere Architektur und möglichst viel Takt auf den 6 Kernen.
Und bei der Grafikkarte halt das, was der Monitor erfordert.
Und mehr Kerne auf Vorrat kaufen ist sinnlos, weil das Henne-Ei Problem der Verbreitung von mehr Kernen noch nicht weg ist. Und bis das Thema weg ist, will ich wieder ne modernere Architektur um die FPS low zu pushen.
CPU nicht überdimensionieren, bringt nix.
Lieber damit rechnen dass der Wettbewerb zwischen Intel und AMD bzw. Nvidia und AMD weiter gehen wird, dass wir erstmal keine Stagnation sehen werden.
Und dass unser PC von heute unverändert laufen wird, bis sich unsere Anforderungen ändern (aka das Henne Ei Problem weg ist)