Gibst du Kohlefaser langfristig gesehen ne Chance? Das Problem an solchen Sachen ist einfach immer, dass man ihnen einen Chance geben muss, und auch anfangs einfach übermäßig viel Kohle reinbuttern muss.
Langfristig vllt.
Wenn sich mehr Hersteller finden, also große OEMs bspw. Audi/BMW/Mercedes/VW, die die Kohlefaser im großen Stil einsetzen wollen, dann drückt das natürlich den Preis. Ein einzelner OEM bewegt da nicht viel.
Aber die CFK Verarbeitung erfordert ganz andere Infrastrukturen und Verarbeitungsprozesse als bisherige Bleche. Und die meisten OEMs haben sich aktuell oder in der Vergangenheit für ein Vermögen riesige Blech-Presswerke hingestellt.
Die schreibt man nicht gerne einfach so ab.
Aber am Ende des Fahrzeuglebenszyklus hast du dann halt (nach aktuellem Stand) eine teure CFK Karosserie rumstehen, die du dann maximal noch zerschreddern kannst und irgendwo als Füllstoff reinkippen kannst.
Die Stahl, Alu- oder Magnesiumkarosserie schmilzt du wieder ein und hast (mehr oder weniger) frisches Material um das wieder zu verarbeiten. Das funktioniert mit CFK nicht, sprich du produziert jede Menge Abfall den du nicht adäquat recyceln kannst und hast trotzdem noch die CO2- und kostenintensivste Herstellung. Da stehen die Metalle und insbesondere (Sekundär-)Aluminium weit besser da.
Dann hast du noch ein ganz erhebliches Problem im Schadensfall. Nicht nur, dass es kein Flächendeckenes KnowHow gibt CFK Karosserien instandzusetzen, sondern die Schadenserkennung.
Hast du einen Schaden bei einer herkömmlichen Metallkarosserie, dann wird sich das Blech verbiegen oder ggf. einreissen. Bei CFK hast du aber ja mehrere Lagen. Da kann es bei einer Überlastung zur Delamination kommen, sprich partiell von einander abgelöste Lagen CFK. Aber das siehst du von außen nicht zwangsweise. Und dann hat deine Karosserie unter Umständen eine drastisch verminderte Festigkeit ohne dass du das weißt. Es gibt Lösungsansätze, diese sind allerdings momentan noch wahnsinnig teuer und wahnsinning unpraktisch.
BMW setzt beim kommenden i3 großteils auf CFK. Denn beim E-Auto ist der Nutzen durch Leichtbau viel größer, weil du damit die Akku- bzw. Reichweitensituation richtig verbessern kannst. Sprich größere Reichweite oder kleinerer Akku. Da ist der Benefit enorm.
Aber der i3 ist eben auch eines der ersten "Purpose Design" E-Autos. Sprich von vorneherein als E-Auto konzipiert und entwickelt. Denn E-Autos benötigen vollkommen andere Karosseriestrukturen um den E-Antrieb sinnvoll unterzubringen. Die meisten bisherigen E-Autos waren oder sind ja oft nichts viel mehr als umgerüstete Fahrzeuge mit E-Maschine statt Verbrennungsmotor.
Ich bin mal gespannt, der i3 ist das erste in Großserie produzierte Auto mit CFK-Karosserie und BMW will davon jährlich >10.000 Stk. absetzen.