dell canvasDenken Kreative über die Anschaffung neuer PC-Hardware nach, führt nach Ansicht Microsofts kein Weg am Surface Studio vorbei. In dieser Woche könnte sich das aber geändert haben. Denn mit Canvas hat Dell eine sehr interessante Alternative vorgestellt, die zwar in einer komplett anderen Kategorie angesiedelt ist, aber dennoch klar auf den All-in-One-Rechner aus Redmond zielt.

Hinter dem Canvas 27 – so die komplette Bezeichnung – verbirgt ein 27 Zoll großes Touch-Display mit einer Auflösung von 2.560 1.440 Pixeln auf IPS-Basis. PC-Komponenten wie Prozessor oder Grafikkarte gibt es nicht, sämtliche Berechnungen werden außerhalb durchgeführt – letztlich ist Canvas lediglich ein Monitor.

Ersichtlich wird das spätestens beim Blick auf die Windows-Einstellungen. Das Betriebssystem behandelt der 27-Zöller wie eine zweite Anzeige mit allen bekannten Optionen. Für die volle Funktionalität wird das noch zu veröffentlichende Creators Update für Windows 10 benötigt – auch, da wichtige Bedienelemente wie das virtuelle Touchpad erst dann zur Verfügung stehen. Aber auch diverse Dell-Programme werden vorausgesetzt, schließlich sollen Nutzer komplett ohne Tastatur auskommen und trotz aller Bemühungen seitens Microsoft ist Windows 10 noch immer ein gutes Stück davon entfernt, im Produktiveinsatz komplett per Touch bedient zu werden.

Die Verbindung zwischen Canvas und dem PC erfolgt im Idealfall über ein einzelnes USB-Typ-C-Kabel, falls die Typ-C-Buchse des Rechners den DisplayPort-Alternative-Modus nicht beherrscht, muss auf USB und HDMI respektive DisplayPort ausgewichen werden. Dem Display attestiert Dell eine maximale Helligkeit von 280 cd/m², einen Kontrast von 1.000:1 sowie eine 100-%-Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums. Die Anzeige selbst ist durch Gorilla Glass geschützt, die matte Oberfläche minimiert Spiegelungen. Die für die Erkennung von Eingaben notwendige Technik beziehen die Texaner von Wacom, zum Lieferumfang gehören ein Stift mit zwei Tasten – erkannt werden 2.048 Druckstufen – sowie zwei Totems.

Bei diesen handelt es sich um Dells Interpretation des Surface Dial, anders als bei Microsoft arbeiten diese allerdings passiv. Das bedeutet unter anderem, dass die genutzte Software die Totems explizit unterstützen muss. An der generellen Funktionsweise ändert das aber nichts. Durch Dreh- und Drückkommandos lassen sich Einstellungen einblenden und Funktionen auswählen, das Durchforsten langer Menüs soll somit überflüssig werden. Allerdings arbeitet man nach eigenen Angaben auch daran, das Surface Dial nutzbar zu machen, kann diesbezüglich aber noch keinen konkreten Termin nennen.

In einer kurzen Demonstration präsentierte Dell die Funktionsweise sowie den optimalen Systemaufbau. Ideal sei es demzufolge, wenn Canvas vor dem Nutzer liegt und zusätzlich ein herkömmliches Display genutzt werde. In den unterstützten Programmen kann dann mit Stift, Totem und Finger gearbeitet werden, eine Tastatur war aufgrund der Dell-eigenen Software zumindest auf den ersten Blick tatsächlich nicht nötig. Allerdings wirkte die Bedienung hier und da etwas umständlich, unter anderem der Einsatz des virtuellen Touchpads. Dennoch: Gerade durch die Position von Canvas – möglich ist ab Werk ein Aufstellwinkel von 1,5 oder 10° - wirkt der Einsatz viel natürlicher und ergonomischer als beim Surface Studio.

Zumal Dells Ansatz mittel- und langfristig auch der günstigere sein dürfte. Zwar kommen zu den verlangten 1.799 US-Dollar im schlimmsten Fall noch die Ausgaben für einen zweiten Monitor sowie einen PC hinzu, doch gerade die Ausgliederung der PC-Hardware macht Canvas aufrüstbar und zukunftssicher. Wo man beim Surface Studio mit den typischen All-in-One-Einschränkungen konfrontiert wird, kann bei Dell einfach ein potenteres System angeschlossen werden. Welche der beiden Lösungen sich am Ende durchsetzen kann, ist deshalb eine spannende Frage.

Doch offen ist noch, ob Canvas überhaupt nach Deutschland kommt. In den USA soll der Verkauf Ende März starten, für andere Märkte gibt es bislang weder Preise noch Termine.