> > > > Gesetzesentwurf: Autonomes Fahren ist in Deutschland vorerst nicht vorgesehen

Gesetzesentwurf: Autonomes Fahren ist in Deutschland vorerst nicht vorgesehen

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bundesregierungAuf dem Weg hin zum autonomen Auto sind nicht nur technische Probleme zu beseitigen, auch der notwendige rechtliche Rahmen fehlt vielerorts - so auch in Deutschland. Über entsprechende Gesetzesänderungen wird bereits seit geraumer Zeit diskutiert, heute nun hat die Bundesregierung einen Entwurf auf den Weg gebracht. Doch ausgerechnet das echte autonome Fahren erlaubt der nicht.

Denn der hierfür entscheidende Punkt ist die Verantwortung und die Frage, wer die trägt. Nach dem Willen der Bundesregierung soll die - wie erwartet - auch weiterhin beim Fahrer verbleiben - selbst dann, wenn das Fahrzeug im autonomen Modus unterwegs ist. Daran ändert auch die Aussage von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nichts:

Wir stellen Fahrer und Computer rechtlich gleich. Das heißt: Automatisierte Systeme im Auto dürfen die Fahraufgabe komplett übernehmen. Wir ermöglichen damit, dass der Fahrer während der hochautomatisierten Fahrt die Hände vom Lenker nehmen darf, um etwa im Internet zu surfen oder E-Mails zu checken."

Wer dem im Vertrauen auf die Fähigkeiten der Assistenzsysteme folgt, kann im Falle eines Unfalls dennoch haftbar gemacht werden. Letztlich müsste der Fahrer auch nach der Novellierung des Gesetzes den Verkehr sowie das Umfeld beobachten, um im Zweifelsfall doch eingreifen zu können. Das soll im Übrigen jederzeit möglich sein, das System muss menschliche Eingriffe jederzeit ermöglichen und auch zulassen.

Wird der Gestzesentwurf verabschiedet, ist der Fahrer auch für Fehler des autonomen Fahrzeugs verantwortlich (Bild: Autonomer Ford Fusion auf der CES 2017) Wird der Gestzesentwurf verabschiedet, ist der Fahrer auch für Fehler des autonomen Fahrzeugs verantwortlich (Bild: Autonomer Ford Fusion auf der CES 2017)

Aber nicht nur bei Unfällen trägt der Fahrer die Verantwortung, auch Geschwindigkeits- und andere Verstöße gehen zulasten seines Kontos. Zwar müssen die Fahrzeughersteller sicherstellen, dass die Assistenten zuverlässig arbeiten, wozu auch zunächst profan wirkende Dinge wie die Verkehrszeichenerkennung gehören, doch auch hier gilt: Am Ende spielt es keine Rolle, wenn aufgrund eines Fehlverhaltens des Systems eine Regel nicht eingehalten wird.

Dass am Ende eine Blackbox zur Sicherung aller relevanten Daten vorgeschrieben werden soll, komplettiert das Paradoxon. Laut Bundesverkehrsministerium soll mit Hilfe des Datenspeichers nach einem Unfall nachgewiesen werden können, in welchem Modus das Fahrzeug unterwegs gewesen ist und ob der Fehler letztlich vom Fahrer oder vom System verursacht worden ist.

Ob der menschliche Fahrer im Falle eines Systemfehlers den Fahrzeughersteller in Regress nehmen kann, dürfte die nächste wichtige Frage sein, dies es zu beantworten gilt.

Zu guter Letzt macht der Gesetzesentwurf den Einsatz fahrerloser Fahrzeuge gemäß Stufe 5 auf der von 0 bis 5 reichenden Skala des Automatisierungsgrades völlig unmöglich. Genau dies wird jedoch von Forschern als die Zukunft der Individualmobilität in Ballungsräumen betrachtet und ist das erklärte Ziel von Unternehmen wie Alphabet, Uber, Ford und anderen.

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Kommentare (18)

#9
Registriert seit: 05.04.2005

Fregattenkapitän
Beiträge: 2985
Zitat MadVector;25257215
Ich frag mich ja wo das hinführt ....

Wenn es nun autonomes Fahren gibt, und zwei solche Fahrzeuge kurz vor einem Unfall sind... In einem Auto sitzt Mutti mit 3 Kindern, im anderen Auto Michael und seine 4 Freunde. Links ist eine Schlucht, es gibt keine sicheren Ausweichmöglichkeiten. Eine für alle tödliche Kollision ist nur vermeidbar wenn eines der Fahrzeuge in die Schlucht zieht, und somit der primäre Unfall verhindert wird.
Also entweder sterben alle, oder nur eines der Autos wird "geopfert"

Woran macht das System fest wer im Fall des Falles "zu opfern" wäre? Sind 4 Leute im Auto "weniger wert" als 5 Leute? Wie will man so etwas moralisch gestalten? Kann man das System da nur in 1 und 0 denken lassen? Wer soll sowas denn entscheiden?


Das ist natürlich mal wieder ein toll konstruiertes Beispiel, bei dem ein positives Ergebnis nicht möglich ist.
Was dazu zu sagen ist:
1. Wenn die frontal aufeinander krachen, sind ziemlich sicher nicht alle tot. Das ist nicht mehr die Realität bei PKW.
2. Selbst wenn 1. nicht zutrifft: Man sieht nie im Leben, wer da wo im Auto sitzt, wenn man nicht mal Zeit zum Bremsen hat.
3. Kann ein autonomes System im Prinzip sogar vor deiner an den Haaren herbei gezogenen Situation reagieren, und das auch noch wesentlich schneller.
4. Lassen wir mal Argument 1 bis 3 außen vor: Todesfall vorprogrammiert. Was ist jetzt eigentlich positiv daran, dass ein Mensch die "Entscheidung" über Leben und Tod fällt?
5. Wofür soll das jetzt sprechen? Es werden (auch bei Fehlern der Systeme) Unfallrückgänge im hohen zweistelligen %Bereich erwartet. Tödliche Unfälle wird es wohl weiter geben, aber halt weniger. Ob mit oder ohne Gewichtung von Leben (Kleinkinder vs. Tatterkreise, .....).


Zum Gesetz:
Das ist weder Angst vor der Industrie noch technischem Unverständnis der Politik geschuldet. Das öffnet erstmal der Autoindustrie Tür und Tor, solche Assistenten zu verbauen, denn die müssen ja nicht haften. Dann ist es vielleicht auch bezweckt, könnte ja sein...:hail:
#10
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Registriert seit: 03.07.2013
Luzern
Leutnant zur See
Beiträge: 1224
Wenn eine Maschine sowas nicht entscheidet ist die Antwort ganz simpel: Es wäre menschlich!

Ich lasse mich zumindest lieber von nem Menschen wegen Unfähigkeit/dummheit/wasauchimmer überfahren, als von einem System dass das jetzt halt "aus Gründen" entschieden hat.
#11
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Registriert seit: 26.02.2008
Solingen
Korvettenkapitän
Beiträge: 2207
Zitat MadVector;25257768
Wenn eine Maschine sowas nicht entscheidet ist die Antwort ganz simpel: Es wäre menschlich!

Ich lasse mich zumindest lieber von nem Menschen wegen Unfähigkeit/dummheit/wasauchimmer überfahren, als von einem System dass das jetzt halt "aus Gründen" entschieden hat.



Und wo ist am Ende der Unterschied?
#12
customavatars/avatar25079_1.gif
Registriert seit: 17.07.2005

Hauptgefreiter
Beiträge: 237
@MadVector
Du lässt dich also lieber von einem besoffenen totfahren als von einem Computer, der entschieden hat dein Leben zu opfern damit 3 Kinder und ihre Mutter weiterleben?
#13
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Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 11311
Wenn man seine Signatur betrachtet, ist ihm seine persönliche Sicherheit auf der Straße glaub nicht gaaanz so wichtig wie er hier tut ;)

@Hilikus: Schön geschrieben!
#14
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Registriert seit: 08.03.2012

Oberbootsmann
Beiträge: 813
Die Gesetze sollen erstmal auch nur ne Grundlage schaffen. Bislang war sowas ne rechtliche Grauzone.

Und die Gesetze kann man recht leicht wieder ändern. Das ist jetzt erstmal kein Weltuntergang sondern gesunde Skepsis.
Autonomes Fahren braucht noch Zeit. Erstmal ruhig angehen lassen...

Ich würde erwarten, dass das Auto mein Leben höher stellt. So wie ich es auch machen würde. Reiner Überlebensinstinkt.
Moralisch eventuell verwerflich aber ganz klar nachvollziehbar.
#15
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Registriert seit: 10.12.2012

Hauptgefreiter
Beiträge: 218
Du gehst vom letzten Modell eines intelligenten was-auch-immer aus, also Intelligenz wie die unsere - wie auch immer diese nun von uns definiert ist oder es andere Lebewesen, hier oder nahe der Betelgeuse, definieren.
Es geht aber nur in die Richtung, vielmehr um deep learning: https://blogs.nvidia.com/blog/2016/07/29/whats-difference-artificial-intelligence-machine-learning-deep-learning-ai/ danke nvidia :haha:
Ohne alles durchzulesen: Ein Modell was unseren neuronalen Netzwerken ähnelt aber ungleich unseren Neuronen, diskret ist.
Wie in der Physik halt: diskreter Punkt a kann nur Punkte in seinem unmittelbaren topologischen Raum erreichen, da nicht zusammenhängend; so auch die deep learning-Neuronen.
"The final output is then determined by the total of those weightings.", wir machen es eigentlich nicht anders, wir wägen ab, von welchen Faktoren auch immer wir es abhängig machen.
Nach neuesten Erkentnissen haben wir so gut wie alle Entscheidungen bereits unbewusst vorher getroffen, auch wenn der Anschein steht wir entscheiden bewusst in Bruchteilen von Sekunden; z.B. beim Trolley-Problem.

Folglich müsste man deep learning uns unterlegen betrachten. Deep learning muss sich nebenbei aber nicht an den Supermarkt-Einkaufszettel erinnern, oder Omas Ratschlag. Menschen versuchen weiterhin diese Art der Netzwerke zu verbessern. In naher Zukunft kann/wird es uns ebenbürtig sein.

Da es nun deep learning ist, sind jene Entscheidungen nicht irgendwie magisch oder transzendent sondern solche die auch wir Menschen machen "könnten".
Die Vorstellung das Lebewesen oder was-auch-immer, mit echter höherer Intelligenz, besser Entscheidungen treffen, zu unseren Gunsten, ist absolut lächerlich. :haha:
Nach unseren Maßstäben sind wir auch unglaublich "intelligenrter" und gebildeter als noch vor 10000 Jahren, hauen uns aber dennoch die Birne ein und sorgen für Ungerechtigkeit.
Somit ist es momentan schlussendlich egal ob von Menschen oder vom systematischer Algorithmus überfahren - der Mensch versucht die Anzahl der Todesopfer zu minimieren.
#16
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Registriert seit: 08.03.2012

Oberbootsmann
Beiträge: 813
Was willst du jetzt insgesamt damit sagen?
Wenn ich die Wahl haben zwischen 2 autonomen Autos, eins welches das Überleben der Insassen priorisiert und eins welches moralisch richtig handelt, würde ich ersteres kaufen.
Moral bringt mir nämlich wenig wenn ich Tod bin.
So werden die meisten Leute entscheiden.
Ist sehr pragmatisch
#17
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Registriert seit: 10.12.2012

Hauptgefreiter
Beiträge: 218
Ich hab auf deinen Gedankengang geantwortet, bei dem du jene Handlungen bewertest und zur Fragestellung beigetragen "was wäre denn jetzt besser".
Warum du jetzt wieder das Gleiche schreibst und plötzlich davon ausgehst was "richtige" Entscheidungen sind :vrizz:
#18
Registriert seit: 15.01.2017

Gefreiter
Beiträge: 51
So wirklich autonom ist es in dem aktuellen Zustand ja auch noch nicht- da muss noch viel Arbeit geleistet werden um in Regionen zu kommen wo man auch ohne Todesangst das Auto eigenständig fahren lassen kann.
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