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Wer die Werbeblockersperre von Bild.de umgeht soll abgemahnt werden

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springerÜber den journalistischen und informellen Anspruch der Verfasser und Leser von Bild.de lässt sich sicherlich streiten. In der vergangenen Woche sorgte der Online-Auftritt aber für Aufsehen, denn wer seitdem die Seite mit eingeschaltetem Adblocker besucht, bekommt einen Hinweis darauf und kann keinerlei Inhalte einsehen. Es dauerte aber nur wenige Stunden, bis die ersten Skripte entsprechend angepasst wurden und Nutzer wieder trotz aktiviertem Adblocker die kostenlose Inhalte von Bild.de einsehen konnten. Gegen eben diese Umgehungsmöglichkeiten und Ersteller entsprechender Codeschnipsel und Anleitungen will der Axel Springer Verlag nun offenbar vorgehen und droht diesen mit Abmahnung.

Ein erster Nutzer, der nun eine Abmahnung erhalten haben soll, hat auf YouTube eine Anleitung präsentiert, wie die Werbeblockersperre von Bild.de zu umgehen ist. Dazu mussten bestimmte Filterbefehle in den Adblocker Adblock Plus hinzugefügt werden. Das Schreiben datiert auf den 20. Oktober und stammt von der Kanzlei Lubberger Lehment im Auftrag der Bild GmbH. In dem Schreiben verlangt die Kanzlei eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen sowie die Anwaltskosten in Höhe von fast 1.800 Euro zu übernehmen. Der Gegenstandwert wird mit 50.000 Euro angegeben.

Ein Besuch von Bild.de mit aktiviertem Adblocker
Ein Besuch von Bild.de mit aktiviertem Adblocker

Doch nicht nur Nutzer die solche Anleitungen online stellen sollen abgemahnt werden. Laut Golem.de soll gegen alle vorgegangen werden, die die Werbeblockersperre "unlauter umgehen". Die Argumentation der Kanzlei ist eine Urheberrechtsverletzung gemäß Paragraf 95 a des Urheberrechtsgesetzes. Der Wortlaut dieses Paragrafen lautet:

"Wirksame technische Maßnahmen zum Schutz eines nach diesem Gesetz geschützten Werkes oder eines anderen nach diesem Gesetz geschützten Schutzgegenstandes dürfen ohne Zustimmung des Rechtsinhabers nicht umgangen werden, soweit dem Handelnden bekannt ist oder den Umständen nach bekannt sein muss, dass die Umgehung erfolgt, um den Zugang zu einem solchen Werk oder Schutzgegenstand oder deren Nutzung zu ermöglichen."

Laut dem Schreiben seien darin "auch die Verbreitung dieser Filterbefehle untersagt". Allerdings dürfte die Argumentation auf wackeligen Beinen stehen, schließlich geht es hier im Urheberrechtsverletzungen von Laufbildern. Ob dies nun auch auf Inhalte wie Bild.de sie präsentiert zutrifft, bedarf wohl einer weiteren rechtlichen Prüfung. Die größte Gefahr für den Verlag geht aber wohl nicht von einzelnen Nutzer aus, sondern von den Anbietern der Adblocker-Software sowie den Filteranbietern.

Nun melden sich auch die Anbieter von Adblocker zu Wort - im Falle der Eyeo GmbH und dem Adblock Plus bestehen hier aktuell natürlich ebenfalls Zweifel am Geschäftsmodell, schließlich wird hier gegen Geld ein Platz auf der Whitelist angeboten. Gegenüber Golem sagte ein Vertreter:

"Dass der Verlag nun offenbar gegen jedwede Berichterstattung mit anwaltlichen Abmahnungen vorgeht, in der solche einfachen technischen Einstellung dargestellt werden, verdeutlicht abermals, dass Springer Nutzer in ihr Geschäftsmodell pressen und nicht das Geschäftsmodell an den Nutzer anpassen will."

Inzwischen haben sich einige Anwälte das Vorgehen der Abmahnkanzlei genauer angeschaut und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis. Demnach handelt es sich bei den Abmahnungen um eine Abschreckungsmaßnahme. Juristisch sei das Vorgehen mehr als fragwürdig und in einer rechtlichen Auseinandersetzung hätte die Argumentation wohl kaum bestand. Dennoch verteidigt ein Sprecher des Axel Springer Verlags das Vorgehen abermals:

"Es stimmt, dass Bild in einzelnen Fällen Abmahnungen erteilt, wenn Firmen Anleitungen zur Umgehung der Anti-Adblocker-Initiative von Bild.de verbreiten." In einer ersten Analyst seit der Aktivierung der Werbeblockersperre habe ergeben, dass "nur leichte Schwankungen bei den Visits" erkannt werden konnten und das "viele User die Adblocker bereits ausschalten".

Das Thema bleibt also weiterhin spannend und könnte damit ein Beispiel für die aktuelle Situation und das Vorgehen der Verlage sowie Nutzer werden.

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Kommentare (69)

#60
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Zitat john201050;23977404
ich hab den fehler: geschäftsmodell fehlerhaft.

Lol...
Klar, man kann ja auch einfach Häuser streichen gehen, und das Internet einfach aufgeben.

Zitat john201050;23977404
würde mein browser beim seitenaufruf ein digitales "bitte keine werbung" schildchen mitliefern, würde sich da keiner dran halten. bei einem echten briefkasten wäre das illegal.
also muss ich mir selbst helfen und nagele meinen digitalen briefkasten einfach zu.
ihr dürft mir werbung schicken wie ihr wollt, ich werde sie nur nicht anschauen. und ich finde das ist mein gutes recht.

Was du sagst stimmt - das trifft aber nur auf deinen Mailkasten zu und da sind ja inzwischen eigentlich alle "offiziellen" Verteiler tatsächlich gezwungen, einen unsubscribe-Link mit zu schicken.

Sobald du aber eine Webseite besuchts, also von ihr profitierst und Inhalt konsumierst, hast du allein schon aus moralischer Sicht, dein recht, einfach die Einnahmequelle dieses Produzenten zu blocken, meiner Meinung nach verwirkt.
Eventuell kann man diese Ansicht noch beim allerersten Besuchen einer Webseite akzeptieren - da weiss man ja noch nicht ob man den Inhalt tatsächlich will, oder nicht, aber für alle Folgebesuche gilt das eben nicht mehr.

EDIT: Sowas in der Art könnte man vieleicht tatsächlich in ein Gesetz gießen: Bei erstem Besuch grundsätzlich Werbeblocking erlaubt (eventuell sogar vom Anbieter garnicht erst eingeblendet), bei Folgebesuchen nicht mehr (alternative: pay Modell). Allerdings würde das wohl Probleme mit der Cookierichtlinie (wenn die denn mal irgendwann fest zum Gesetz wird) machen, da man ja dafür cookies braucht...
#61
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Beiträge: 1011
ja was erwarten die leute?

einfach mal ne firma gründen ohne den markt zu kennen und dann rumweinen wenn die keinen gewinn abwirft kann jeder.

der straßenkünstler verklagt dich doch auch nicht weil du seine kunst siehst, aber kein geld gibst.
damit muss er sich abfinden oder etwas anderes machen. ganz einfach.
#62
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Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 9835
Zitat john201050;23977634
ja was erwarten die leute?

einfach mal ne firma gründen ohne den markt zu kennen und dann rumweinen wenn die keinen gewinn abwirft kann jeder.

Wer weint denn rum?
Jeder versucht nur sein rech durchzusatzen und Bild und Co. haben zeitgleich einen mutigen Schritt gewagt - ebenfalls ihr Recht.

Zitat john201050;23977634
der straßenkünstler verklagt dich doch auch nicht weil du seine kunst siehst, aber kein geld gibst.
damit muss er sich abfinden oder etwas anderes machen. ganz einfach.

Der Vergleich passt nicht ganz. Den Straßenkünstler sieht man gewissermaßen unfreiwillig. Ein Webseite kann man in der Regel aber nur aktiv besuchen.
Davon abgesehen hätte ich es gern wenn die Leute mal "moralsich" über das ganze nachdenken würden (und die Antwort beim Straßenkünstler ist da ja eindeutig). Dass Gesetze in Hinsicht auf das Internet allzuoft hoffnungslos veraltet sind, ist ja hinlänglich bekannt.
#63
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Registriert seit: 06.02.2012
München/Schwabing
Kapitänleutnant
Beiträge: 1606
Also ich soll moralisch korrekt handeln und Werbung zulassen während die Werbenetzwerke auf meine Privatsphäre und Sicherheit scheissen?
#64
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Registriert seit: 08.06.2015

Leutnant zur See
Beiträge: 1173
Bisher hat hier noch niemand verlangt, dass bild.de ihren Werbeblockerblocker wieder abschalten soll. Also eigentlich alles in Butter. Ich lasse meine Werbe- und Trackingblocker an und bild.de seinen Blocker vorläufig auch. An mir verlieren die sowieso kein Melkvieh. Gern dürfen auch andere Webseiten damit anfangen, mich auszuschließen. Schlauer wäre es allerdings, potentielle Kunden nicht ganz auszuschließen, sondern wenigstens als Alternative ein Abomodell anzubieten.
#65
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Registriert seit: 19.12.2008

Matrose
Beiträge: 10
Also ich komm da höchstens mal aus versehen hin. Ist sowiso eine Scheissseite. Abmahnen können die mich so viel sie wollen. Ich bin Schweizer.
Dieses Abmahnen ist eine deutsche Geisteskrankheit.
Weist doch diese Psychopaten ein!
#66
Registriert seit: 10.12.2014

Matrose
Beiträge: 8
So lesen doch weniger Menschen die Bild.Das kann Deutschland nur guttun.
#67
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Registriert seit: 08.03.2009
Osthofen bei Worms (Rh.)
Korvettenkapitän
Beiträge: 2324
Da hier ja einiges an Halbwissen kursiert, mal ein paar Worte zur Rechtslage.
Werbung auf Homepages ist ähnlich zu urteilen wie Werbung im Fernsehen oder öffentlichen Raum. Frei zugängliche Websites sind quasi "öffentlicher" Raum. Daher darf da auch geworben werden, sofern es den Richtlinien des Landes entspricht, in dem der Server steht oder die Website gehostet wird. Im Falle von Bild.de also Deutschland. Solange die Werbung nicht verbotene Inhalte (bspw. Volksverhetzung) oder jugendschutzgefährdendes zeigt, ist sie legal.
Eine Beschränkung ist auch nicht vorgesehen, schließlich steht es dem Nutzer frei, die Seite zu besuchen oder es sein zu lassen, wenn ihm die Page oder deren Werbung auf den Geist geht.
Wenn Bild.de jetzt Nutzer mit Add-Blocker aussperrt, machen sie quasi von ihrem "Hausrecht" Gebrauch. Das ist ähnlich, wie wenn Ihr in den Saturn geht und allen zuruft, sie sollen bei Amazon kaufen. Dann dürfen die euch auch rauswerfen.
Das mit den Abmahnungen ist widerrum nur eine Masche, einen sowieso unhaltbaren Trend aufzuhalten. Abschreckung im extremen Maß. Rechtlich haltlos.

So jetzt kommt meine Meinung (allerdings untermauert von ein paar Fakten):
Fakt 1: Die Ad-Blocker haben sich die Werbetreibenden selbst zuzuschreiben. Umfragen haben ergeben, dass 90% der Deutschen mit normaler Bannerwerbung auf Websiten kein Problem haben (also die Felder neben den Artikeln), sofern sie den eigentlichen Text nicht gestört haben oder unauffällig genug waren.
Fakt 2: Natürlich hat das den Werbenden irgendwann nicht gereicht. Es mussten immer mehr Banner, gerne auch mitten im Text sein. Dazu Pop-Up mit Verlinkungen und Flash-Videos, die den Seitenaufbau verlangsamten und Volumen fressen.
Fakt 3: War klar, dass die Nutzer irgendwann die Schnauze voll haben und Maßnahmen ergreifen....
Fakt 4: Diese Entwicklung wird man auch kaum noch zurückdrehen können...

Ich finde, dass geschieht denen recht. Wer den Hals nicht vollkriegt, muss eben mit den Konsequenzen leben...

Und wer sich fragt, warum ich hier so neunmalklug rede:
Ich studiere den Kram, hab also täglich damit zu tun...
#68
customavatars/avatar220125_1.gif
Registriert seit: 27.04.2015

Obergefreiter
Beiträge: 78
Warum sollte man eigentlich den BILD.de Blocker umgehen wollen?
Ich bin richtig froh über dieses Ding. Mich hatte es früher immer mal wieder auf die Seite verschlagen, es scheinen einfach niedere Instinkte geweckt worden zu sein.

Für mich ist die ADBLOCK Sperre einfach eine Hilfe gewesen, diese Seite endlich nicht mehr zu besuchen :bigok: Ich finde es super
#69
Registriert seit: 16.08.2013

Hauptgefreiter
Beiträge: 144
Gemessen an der Qualität des Inhaltes der Webseite Bild.de sollte man eher einen Content-Blocker installieren und die Werbung erlauben.

Also von sich aus :D .
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