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Amazon-Händler verklagt Kunden wegen negativer Bewertung

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hardwareluxx news newWeil ein Kunde einen Amazon-Händler negativ bewertet hatte, soll er jetzt Schadensersatz in Höhe von 70.000 Euro bezahlen. Das berichtet in dieser Woche die Augsburger Allgemeine Tageszeitung. Dem Bericht zufolge soll Thomas A. aus Großaitingen (Kreis Augsburg) am 28. Juni 2013 ein Fliegengitter über Amazon Marketplace bei einem Händler im Wert von 22,51 Euro bestellt haben. Bis zur sofortigen Zahlung und prompten Lieferung verlief alles noch ohne Probleme. Beim Auspacken und anschließenden Zusammenbau aber begann der Ärger.

Um das Fliegengitter an seinem Küchenfenster anbringen zu können, musste dieses zunächst zugeschnitten werden. Der 33-Jährige will sich dabei „genau an die beigelegte Anleitung“ gehalten haben. Diese sei jedoch missverständlich formuliert gewesen, sodass das Fliegengitter viel zu klein ausfiel und nicht mehr passte. Thomas A. will danach den Amazon-Händler kontaktiert und sich telefonisch beschwert, aber keinerlei Hilfe oder Entgegenkommen seitens des Lieferanten erhalten haben. Der Händler sei „richtig unverschämt“ gewesen, ließ er die Augsburger Allgemeine wissen. Die Anwälte des Händlers sollen dies aber bestreiten und versucht haben, die Probleme des Kunden telefonisch und per E-Mail zu klären.

Am 3. Juli 2013 setzte Thomes A. schließlich seine negative Bewertung bei Amazon mit folgendem Wortlaut ab: „Die Lieferung erfolgte schnell. Das war das positive. In der Anleitung steht ganz klar Mann muss den Innenrahmen messen das ist falsch. Damit wird das ganze zu kurz! Die Ware selbst macht guten Stabilen Eindruck, Der Verkäufer nie wieder!".

Damit ging der Ärger für den 33-Jährigen richtig los. Der Händler forderte seinen unzufriedenen Kunden per E-Mail auf, die negative Bewertung zu ändern oder gar zu löschen, andernfalls werde man Anzeige erstatten, woraufhin sich A. bei Amazon über den Händler beschwerte. Knapp eine Woche später erreichte den Großaitinger eine Abmahnung mit der Forderung nach einer Unterlassungserklärung, woraufhin Thomas A. die Sache endgültig beenden wollte und die Bewertung löschte. Die ebenfalls geforderten Anwaltskosten in Höhe von 800 Euro zu bezahlten, lehnte er jedoch ab und schaltete seine Rechtsschutzversicherung ein, die zunächst ein Mediationsverfahren einleitete.

 

Händler fordert Schadensersatz für gesperrtes Marketplace-Konto

Im Herbst schließlich erreichte Thomas A. ein weiteres Schreiben, das ihn auf die Zahlung einer Schadensersatzsumme von rund 70.000 Euro verklagt. Wegen der negativen Bewertung und der anschließenden Beschwerde, habe Amazon das Verkäuferkonto mit einem Guthaben von 13.000 Euro gesperrt, womit dem Fliegengitter-Händler bis heute weitere 39.000 Euro Umsatz entgangen wären. Hinzu kämen geschätzte Zusatzkosten für „weitere Schäden“ in Höhe von 20.000 Euro. Dass der Händler es mit seiner Klage tatsächlich ernst meint, das soll er laut der Augsburger Allgemeinen Tageszeitung mit der Zahlung eines Gerichtskostenvorschusses von knapp 2.000 Euro bewiesen haben.

Nun muss das Landgericht Augsburg über den Fall entscheiden. Im Juni sollen die Verhandlungen beginnen. Wie das Gericht entscheiden wird, ist derzeit nicht absehbar. „Würde der Kläger mit seinen Forderungen durchkommen, hätte das Folgen für das komplette System der Bewertungen im Internet.“, sagte der Augsburger Rechtsanwalt Alexander Meyer gegenüber der AZ, der den Beklagten vertritt.

Zu Beginn des Monats klagte auch Samsung gegen ein Testbericht des Galaxy S5.

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Kommentare (38)

#29
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Registriert seit: 03.10.2012
Schleswig in Schleswig Holstein!
Leutnant zur See
Beiträge: 1168
Zitat Hardwarekäufer;22135179
. aber was zur Hölle sind "zusätzliche Schäden" ?

Das sind die Fantastiesummen die sich Anwälte aus den Bärten ziehen wenn ihnen die Schadenssumme zu gering erscheint. Die wollen ja auch von irgendwas leben..
Ich würde mir wünschen das die Klage abgewiesen wird und dann sollte mal jemand eine Sammelklage gegen Anwälte starten die solche und ähnliche Fälle bearbeiten.
Traurig das der Gesetzgeber nichts gegen Abmahnungen und co. unternimmt... :wall:
Aber angesichts dessen das viele Anwälte im Bundestag sitzen wundert einen nichts mehr!
#30
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Registriert seit: 14.05.2005
der 1000 Waküteile
Das Bastelorakel !
Beiträge: 46330
Krasse Geschichte ! Der Händler wird hoffentlich auf Dauer gesperrt.
In 14 Jahren bei Amazon und Ebay habe ich auch schon einige unschöne Dinge erlebt, sowohl mit Händlern, als auch Privatleuten. Die Erlebnisse könnten ein kleines Buch füllen - mit Extra Kapiteln über Marktplatz Erlebnisse in Foren.
#31
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Registriert seit: 23.03.2012

Korvettenkapitän
Beiträge: 2113
Das zeigt doch nur ein mal mehr, wie unzuverlässig dieses Bewertungssystem inzwischen geworden ist. Immer öfter werden positive Bewertungen gekauft oder indirekt gefördert (Amazon-Top-Rezensenten-System, usw.) oder wie hier machen die Händler einfach Druck, um negative Kritiken aus der Welt zu schaffen.
#32
Registriert seit: 12.01.2012
Bayern
Bootsmann
Beiträge: 612
Zitat Hardwarekäufer;22135179
Hm.. 13.000€ Guthaben ist erklärbar. 39.000€ entgangener Umsatz ist auch erklärbar, allerdings entgeht ihm als Händler doch bloß der Gewinn ?!.. aber was zur Hölle sind "zusätzliche Schäden" ? Fühlt er sich schlecht und fordert das als Schmerzensgeld? Oder wo leben wir hier?

Ich denke, das Gericht wird ganz klar nach dem Grundgesetz zur Meinungsfreiheit urteilen und die Klage abweisen.


ich kenne es von ebay, man wird gesperrt und kommt an nichts mehr ran -> kann nichtmal mehr die schon bestellt und bezahlten artikel verschicken da man nicht an die Adressen usw.. kommt.
evtl hatte er ja auch schon Ware gekauft oder hilfsstoffe etc.. und ist dann auf den artikeln sitzen geblieben aber grundsätzlich sehe ich das wie du mit dem gewinn ;)
#33
Registriert seit: 31.12.2010

Hauptgefreiter
Beiträge: 195
Ich hoffe die Firma bekommt die Verfahrenskosten voll ab. Die Welt könnte viel weiter sein wenn man sich nicht ständig mit solchem Unfug beschäftigen müsste.
#34
Registriert seit: 30.11.2012

Banned
Beiträge: 529
Kurze Information an den Journalisten:

klagt, nicht verklagt.

klagt ist das präsens-Indikativ
Verklagt ist im perfekt-indikativ ;)

Beste grüße.
#35
Registriert seit: 08.07.2007
Landau
Flottillenadmiral
Beiträge: 4964
Ich finds eher bemerkenswert dass Amazon anhand von schlechten Bewertungen tatsächlich etwas unternimmt :)

Ich hätte eher gedacht, dass sowas in der Masse untergeht und Amazon sich darum einen **** schert.

An der Stelle, klasse Aktion von Amazon :)
#36
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Registriert seit: 19.05.2011
Augsburg
Oberleutnant zur See
Beiträge: 1428
Das geht nie so durch - woher soll der Händler Wissen wegen welcher Bewertung das Konto geschlossen wurde? Ist ja auch möglich, das andere sich direkt an Amazon gewandt haben, um sich über den Shop zu beschweren...
#37
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Registriert seit: 09.07.2008
Eaten(NRW :D)
Obergefreiter
Beiträge: 97
Wenn man sich mal die Bewertungen anderer Artikel von dem Händler anschaut, wundert einen die Sperrung überhaupt nicht.
Da überwiegen die Negativen, die Positiven bei weitem. Seriös ist was anderes.
#38
Registriert seit: 25.09.2009

Hauptgefreiter
Beiträge: 200
Die realen Chancen des Händlers dürften klein sin, da die Sperrung seines Kontos nicht auf die Bewertung, sondern auf deinen Drohbrief an den Kunden zurück zu führen ist. Hier hat er die AGBs von Amazon verletzt. Er könnte auch noch Anzeige wegen Nötigung erstatten...
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