Seite 4: In der Praxis

Wird ein Spiel auf dem Client-System mittels Klick auf "Stream" gestartet, wird dieses auch auf dem Host-Computer im Vollbildmodus gestartet. Das Host-System kann dann von keiner anderen Person mehr für andere Aufgaben genutzt werden, da der komplette Bildschirm-Inhalt an das Client-System übertragen wird. Gesteuert und gespielt kann zur gleichen Zeit aber auch am Host-System werden. Streiten sich die Kinder, wer den Spiele-PC nutzen darf, birgt dies ein hohes Streitpotential innerhalb der Familie, kann der kleine den großen Bruder doch beim Spielen stören, indem er die Maus bewegt.

Die Spiele lassen sich im Übrigen auch über den Big-Picture-Modus von Steam aus starten. Dann erfährt man zudem, welches Spiel sich über ein Gamepad spielen lässt. Welche Spiele dann aber tatsächlich auf dem Host-System installiert sind, erfährt man erst, wenn man einen Titel auswählt. In der Bibliotheks-Ansicht ist dies anders. Hier sind alle nicht installierten Spiele einfach ausgegraut. Zwar lassen sich Spiele auch über den Client auf dem Host-System herunterladen und installieren, jedoch sollte jeder Titel nach der Installation zunächst einmal auf dem Host-System gestartet werden, damit das Streaming später einwandfrei funktionieren kann. Andernfalls könnte zunächst noch Software nachinstalliert werden müssen.

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Auch Steam-fremde Spiele (hier: Watch Dogs aus Uplay) lassen sich problemlos streamen.

Auch wenn Steam-In-Home-Streaming theoretisch mit jedem Spiel funktioniert, funktioniert es mit Steam-eigenen Spielen noch immer am besten. Zwar konnten wir problemlos Watch Dogs oder Assassins Creed 4 aus Uplay streamen, doch Battlefield 4 aus Origin ließ sich nicht über das Client-System starten. Spiele, die über einen eigenen Game-Launcher verfügen - und dazu gehört Battlefield 4 - erfordern entweder weitere Eingaben am Host-System, um gestreamt werden zu können, oder funktionieren eben gar nicht. Gleiches gilt für Titel, die sich auf anderen Diensten nicht automatisch einloggen. Im Test reibungslos funktioniert haben: BioShock: Infinite, Company of Heroes 2, DiRt 3, The Elder Scrolls V: Skyrim, Grid 2, Metro: Last Light, Assassins Creed 4, Watch Dogs und Wolfenstein: The New Order. 

Insgesamt hängt der Spielspaß stark von der verwendeten Auflösung ab. Aufgrund des großen Monitors unseres Grafikkarten-Testsystems könnten theoretisch 2.560 x 1.600 Bildpunkte auf den Fernseher gestreamt werden. Für eine schnelle Übertragung der Daten und eine geringe Latenz empfiehlt es sich allerdings die Auflösung herunterzuschrauben und dafür lieber AA- und AF-Modi hinzuzuschalten. Während sich die Latenz im kabelgebundenen Gigabit-Netzwerk je nach Spieletitel auf unter zehn Millisekunden beläuft, werden über WLAN deutlich höhere Latenzzeiten erreicht. Vor allem bei Shootern und Rennspielen kann das schnell störend werden. Schnell landet man abseits der Rennstrecke, weil man zu lange nach links gelenkt hat oder ist einfach tot, weil man nicht rechtzeitig ausweichen konnte.

Zudem kommt es immer mal wieder zu Artefakten und Bildfehlern, die der drahtlosen Übertragung zuzuschreiben sind und die Bitrate im Vergleich zu kabelgebunden Systemen leicht absinkt. Wer die Latenz über WLAN verbessern möchte, der sollte die Auflösung reduzieren, beispielsweise von 1080p auf 720p. Dann sinkt allerdings auch die Bildqualität merklich nach unten. Zudem kann es helfen, die Bilderwiederholfrequenz zu reduzieren. Standardmäßig überträgt Steam-In-Home-Streaming seinen Stream mit 60 FPS. Einige Titel spielen sich allerdings auch mit 30 FPS noch ohne Ruckler. Hier heißt es also: Ausprobieren, wenn es hakt.

Hinzu kommt, dass das WLAN-Netz gerade in Wohngebieten im 2,4-GHz-Frequenzband stark ausgelastet ist und sich die Netze teilweise gegenseitig stören. Valve rät hier zu einem Wechsel auf das derzeit noch weniger genutzte 5,0-GHz-Frequenzband. Im Schnitt erreichen wir über WLAN eine Latenz von etwa 40 bis 50 Millisekunden laut Steam-Overlay, das sich über die F6-Taste aktivieren lässt und weitere Informationen zur gerade anliegenden Übertragungsrate, Bitrate und Fehlerquote liefert. 

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Über WLAN kommt es immer wieder zu kleineren Aussetzern, zudem ist die Latenz deutlich höher.

Host- und Client-System sollten allerdings ausreichend stark sein, damit Steam-In-Home-Streaming anstandslos funktioniert. Bei Plants vs. Zombies: Garden Warfare erhielten wir ständig die Meldung "Slow decoding" und es kam zwischenzeitlich zu heftigen Rucklern. Mit einer älteren Grafikkarte, wie einer Radeon HD 4890, die vor etwa fünf Jahren noch High-End war, blendete Steam-In-Home-Streaming häufig "Slow encoding" ein.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Steam-In-Home-Streaming schon sehr gut funktioniert und selbst Rennspiele trotz der größeren Latenz über Wireless-LAN sehr viel Spaß bereiten. Am besten aber spielen sich Rollen- und Strategiespiele. Hier haben die Macher von Half Life, die uns gerne endlich auch mit dem dritten Ableger beglücken dürfen, ganze Arbeit geleistet!