Seite 17: Fazit

Beim Referenzmodell der Radeon R9 290X hatten wir ständig das Gefühl mit angezogener Handbremse zu fahren - daran änderte auch der Uber-Mode nichts, denn wer keine übermäßige Geräuschkulisse in Kauf nehmen möchte, für den ist dieser sicherlich auch keine Alternative. Abhilfe schafften die ersten Custom-Modelle und ASUS und Sapphire, die mit ihren alternativen Kühlungen zumindest dafür sorgten, dass die maximale Performance aus der GPU gewonnen werden konnte. So mancher Karte gelingt dies sogar bei annehmbarer Lautstärke. Jedoch ließ das geringe Overclocking auch hier das Gefühl aufkommen, nicht das volle Potenzial der Hawaii-GPU ausschöpfen zu können. Umso überzeugter waren wir bereits im Vorfeld dieses Tests davon, dass die PowerColor Radeon R9 290X LCS viele dieser Bedenken wird beiseite schieben können.

Allerdings darf man sich dazu nicht an die Vorgaben von PowerColor halten. Ein GPU-Takt von 1.060 MHz ist dazu einfach zu wenig, um sich von den schnellsten luftgekühlten Karten mit mindestens 1.050 MHz absetzen zu können. Natürlich aber mussten wir die Karte auch mit denen von PowerColor vorgesehenen Taktraten testen, was letztendlich aber nur zu einem ebenso mageren Plus gegenüber den schnellsten bisher getesteten Modellen der Radeon R9 290X führte. Da bisher alle Custom-Modelle ihren maximalen GPU-Takt halten konnten, bleiben der Radeon R9 290X LCS ohne manuelles Eingreifen eigentlich nur noch die Vorteile der niedrigen Temperaturen und im Zusammenspiel mit einer effizienten Wasserkühlung auch die geringe Geräuschkulisse. Aus diesem Grund war uns, bevor die Karte in das Testsystem eingebaut wurde, schon klar, dass wir sie übertaktet durch den kompletten Benchmarks-Parcours werden testen müssen, um dem Potenzial gerecht zu werden. Mit einem Spannungs-Plus von +150 mV und einem GPU-Takt von 1.300 MHz gaben wir uns zufrieden. Folgerichtig zeigte die PowerColor Radeon R9 290X LCS nun auch in den Benchmarks, was wirklich in ihr steckt. So avanciert sie zu einer der bisher schnellsten Single-GPU-Karten, die wir jemals haben testen dürfen.

Der von EK Water Blocks zugekaufte Wasserkühler zeigt sich dabei von seiner besten Seite. Vergleiche zu anderen Wasserkühlern für die Radeon R9 290X fehlen uns, aber wir bewerten ja auch nicht nur den Wasserkühler, sondern das Gesamtprodukt als PowerColor Radeon R9 290X LCS. So erreichen wir Idle- und Last-Temperaturen, die ein Temperartur-Ziel von 95 °C der Hawaii-GPU geradezu lächerlich aussehen lassen. Auch die Komponenten der Strom- und Spannungsversorgung bleiben deutlich kühler, als dies ein Luftkühler jemals schaffen könnte. Diese niedrigen Temperaturen machen ein Overclocking von 1.300 MHz erst möglich. Ein Vergleich der Lautstärke ist natürlich nur schwer möglich, da sich die aktiven Komponenten an anderer Stelle befinden und sich zudem jede Wasserkühlung durch den Einsatz unterschiedlicher Pumpen und Radiatoren anders verhält. Aber auch hier kann festgehalten werden: Leiser ist eine Radeon R9 290X derzeit nicht zu kühlen.

Schnell, leise und kühl - das sind eigentlich die drei Merkmale, die eine ideale Grafikkarte ineinander vereint. Aber es gibt auch noch eine vierte Komponente und das ist der Preis. 615 Euro kostet die PowerColor Radeon R9 290X LCS derzeit. Damit ist der Aufpreis gegenüber dem günstigsten Modell der Radeon R9 290X mit 450 Euro natürlich gewaltig. Rechnet man den Wasserkühler mit etwa 105 Euro und die Backplate mit rund 26 Euro mit ein, müssen für ein solches Modell aber auch schon 580 Euro hingeblättert werden. Gut 35 Euro entfallen also auf den Service von PowerColor - ein gerechtfertigter Aufpreis in unseren Augen. Mit im Hinterkopf behalten werden muss schließlich auch, dass deutlich höhere Taktraten möglich sind und sich das Preis/Leistungsverhältnis weiter zu Gunsten der PowerColor Radeon R9 290X LCS ausweitet. Natürlich aber befinden wir uns hier auch am hinteren Ende des Preisgefüges, denn 615 Euro für eine Grafikkarte möchte nicht jeder ausgeben.

Alternativen? Für einen Preis von 615 Euro für die PowerColor Radeon R9 290X LCS ist die einzige Alternative der eigenhändige Umbau. Dieser ist auch nicht allzu schwer, so dass niemand Angst davor haben muss. Wer eine Wasserkühlung zusammenstecken und betreiben kann, der schafft es auch eine Radeon R9 290X mit einer Wasserkühlung zu versehen. Wer sich nicht an eine Wasserkühlung herantraut oder wem die Anschaffung der weiteren Komponenten einfach zu viel ist, der kann sich auch noch einmal die luftgekühlten Modelle der Radeon R9 290X anschauen. Diese sind dann zwar lange nicht so leise und kühl, können mit etwas Glück aber eine ähnliche gute Performance abrufen.

 

Positive Aspekte der PowerColor Radeon R9 290X LCS:

  • ausreichende Performance für 2.560x1.600 und UltraHD/4K (letztgenannte mit Einschränkungen)
  • Anti-Aliasing und Anisotropische Filterung durchweg möglich
  • kühl in Idle- und Last-Betrieb
  • leise in Idle- und Last-Betrieb
  • hohes Overclocking-Potenzial dank der Wasserkühlung
  • voller DirectX-11.2-Support
  • erweiterte PowerTune-Einstellungen
  • 4.096 MB Grafikspeicher
  • ZeroCore-Power
  • CrossFire ohne Brücke möglich

Negative Aspekte der PowerColor Radeon R9 290X LCS:

  • hohe Last-Leistungsaufnahme
  • relativ hoher Preis

Technik Award für die PowerColor Radeon R9 290X LCS
Technik Award für die PowerColor Radeon R9 290X LCS

Aufgrund der guten Kühlleistung sowie dem daraus resultierenden guten Overclocking-Ergebnis verliehen wir der PowerColor Radeon R9 290X LCS den "Hardwareluxx Technik"-Award. 

Persönliche Meinung

Einmal mehr erweist sich eine wassergekühlte Grafikkarte als Spielwiese für mich als Redakteur. Nichts bringt mehr Abwechslung in den Alltag, als eine GPU an ihre Grenzen zu bringen - zumindest soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen. Es ist interessant zu sehen, welches Potenzial in der Hawaii-GPU steckt und die Benchmarks zeigen dann auch den Lohn dieser Arbeit. Mir ist natürlich bewusst, dass trotz des High-End-Fokus bei Hardwareluxx eine wassergekühlte Karte keine Selbstverständlichkeit ist. Insofern freue ich mich immer wieder auf solche Modelle, da sie ein tiefergehendes Verständnis der Hardware erfordern, als dies die anderen Custom-Modelle meist tun. (Andreas Schilling)