Seite 2: Kamera, Laufzeit, Software, Fazit

Alibi-Kamera

In aller Kürze abarbeiten kann man das Kapitel Kamera. Huawei beschränkt sich hier mit 8 und 2 Megapixeln (Rückseite/Front) auf das Nötige. Die Hauptkamera wird immerhin noch von einem LED-Blitz unterstützt, mit Blende f2.0 ist die Optik zudem lichtstark. Auf der Front gibt es hingegen nur Blende f2.8 und einen Fixfokus.

Die Hauptkamera schneidet mittelmäßig ab, an den Rändern fehlt häufiger Schärfe
Die Hauptkamera schneidet mittelmäßig ab, an den Rändern fehlt häufiger Schärfe.

Für Selfies bedeutet das insgesamt nichts Gutes. Farben wirken blass, Ränder wirken unscharf. Diese Unschärfe gibt es auch beim Einsatz der rückwärtigen Kamera, Farben und Details werden jedoch halbwegs gut festgehalten. Eine HDR-Automatik gibt es wie von Huawei gewohnt nicht, was Ausprobieren nötig macht. Mal bietet der HDR-Modus die besseren Ergebnisse, mal die Automatik.

Videos werden zwar in Full HD aufgenommen, enttäuschen aber mit früher Artefakt-Bildung und häufig blassen Farben.

Für Fotos beinahe unbrauchbar ist die Frontkamera: Farben und Schärfe enttäuschen
Für Fotos beinahe unbrauchbar ist die Frontkamera: Farben und Schärfe enttäuschen.

Die Kamera-Applikation entspricht im Wesentlichen dem, was Huawei auch auf seinen Smartphones vor dem P9 angeboten hat. Die Oberfläche ist aufgeräumt, alle wichtigen Bedienelemente sind dort, wo man sie erwartet.

Akkufresser SoC

Der Wechsel vom eigenen Kirin hin zum Snapdragon 615 macht sich nicht nur bei der Leistung bemerkbar. Auch die Laufzeit scheint diese Entscheidung zu beeinflussen. Anders ist es zumindest nicht erklärbar, warum zwischen dem MediaPad M2 10.0 und T2 10.0 Pro trotz beinahe gleichgroßer Akkus (6.600 zu 6.660 mAh), gleichen Display-Größen und -Auflösungen und gleichen Testbedingungen so große Unterschiede vorhanden sind.

In der Video-Schleife beträgt dieser fast genau eine Stunde, im PCMark-Test immerhin eine halbe Stunde. Hier hielt das Testgerät knapp 8,5 und 7 h durch. Beides sind leicht überdurchschnittliche Werte, die mit einem anderen SoC aber offensichtlich noch besser ausfallen könnten. Für die Überbrückung längerer Reisen ist das Tablet durchaus geeignet, der Betrieb an der Steckdose ist wenn möglich aber dennoch empfehlenswert.

Denn ist der Akku erst einmal leer, dauert das Aufladen lange - mehr als 10 W liefert das Netzteil nicht.

Android 5.1.1 wird nicht jünger

Echte Schwächen bietet die Software in Summe nicht, sieht man einmal von der inzwischen mehr als ein Jahr alten Basis ab. Warum Huawei das MediaPad T2 10.0 Pro nicht schon mit Android 6 auf den Markt bringt, bleibt eine unbeantwortete Frage.

Wer den Test des MediaPad M2 10.0 kennt, kennt auch die beiden vorherigen Sätze. Erneut muss der Hersteller sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange an einer bestimmten Version des Betriebssystems festzuhalten. Das mag einerseits die Entwicklungskosten drücken, dem gegenüber stehen jedoch unter Umständen Sicherheitslücken und Funktionen, die in Android 6 beseitigt respektive vorhanden sind.

Minuspunkt Software: Android 5.1.1 sollte Mitte 2016 nicht mehr ab Werk zum Einsatz kommen
Minuspunkt Software: Android 5.1.1 sollte Mitte 2016 nicht mehr ab Werk zum Einsatz kommen.

Sieht man davon ab, gibt es keine Überraschung. Wie gewohnt kommt EMUI - hier in Version 3.1 - ohne App Drawer aus und bietet weitrechende Möglichkeiten, das Erscheinungsbild an die eigenen Vorstellungen anzupassen. Einige wenige Applikationen von Drittanbietern sind vorinstalliert, lassen sich aber komplett entfernen. Hinzu kommen einige so nicht in Android 5.1.1 enthaltene Zusatzfunktionen, darunter ein Splitscreen-Modus oder die Möglichkeit, sich auf energieintensive Applikationen hinweisen zu lassen.

Fazit

Auf die Idee, das MediaPad T2 10.0 Pro unter dem Titel „Brillanz im Großformat“ zu bewerben, kommt man nach dem Test nicht unbedingt. Huawei hingegen wählt diese Aussage und weckt damit natürlich Erwartungen. Die werden zwar in weiten Teilen nicht erfüllt, wirklich enttäuscht dürften aber nur die wenigsten sein.

Denn in vielen Bereichen schneidet das Tablet so ab, wie man es in dieser Preisklasse erwarten darf. Display und Gehäuse landen ganz klar über dem Durchschnitt, die Kamera hingegen darunter. Und irgendwo mittendrin ist die Leistungsbewertung. Der SoC darf ganz klar als Schwachpunkt des Systems bezeichnet werden. Unter ihm leiden nicht nur die Unterhaltungskünste, sondern auch die Laufzeit. Auch die darf im positiven Sinne als Mittelmaß eingestuft werden, schnelleres Laden wäre aber wünschenswert. Gleiches gilt für frischere Software.

Das Huawei MediaPad T2 10.0 Pro bietet eine gute Mischung aus Preis und Leistung, ist aber kein Allrounder
Das Huawei MediaPad T2 10.0 Pro bietet eine gute Mischung aus Preis und Leistung, ist aber kein Allrounder.

Ein Blick auf die direkten Konkurrenten zeigt aber, dass Huawei dieses Manko nicht exklusiv gebucht hat. Lauten die Vorgaben Display um 10 Zoll und mit mindestens Full-HD-Auflösung sowie 2 GB RAM, geht es derzeit bei etwa 200 Euro los. Bis etwa 260 Euro ist das MediaPad T2 10.0 Pro die eindeutig beste Wahl. Das für diesen Preis erhältliche Samsung Galaxy Tab A 10.1 2016 schneidet in dem ein oder anderen Punkt aber besser ab und sollte deshalb den Vorzug erhalten. Genauso sieht es aus, wenn ein LTE-Modem gewünscht ist. Auch dann liegen zwischen Huawei und Samsung lediglich 20 Euro.

Dennoch: Das MediaPad T2 10.0 Pro ist ein für seinen Preis gutes Tablet, dessen Name allerdings irreführend ist.

Ob und wann die von uns getestete Premium-Variante in Deutschland erhältlich sein wird, konnte Huawei uns bislang nicht verraten. Auch einen Preis gibt es noch nicht. Die Standardversion dürfte aufgrund des um 1 GB kleineren Arbeitsspeichers in der Praxis nicht schlechter abschneiden.

Positive Eindrücke des Huawei MediaPad T2 10.0 Pro:

  • gut verarbeitetes Gehäuse
  • überdurchschnittliche Lautsprecher
  • noch gutes Display

Negative Eindrücke des Huawei MediaPad T2 10.0 Pro:

  • keine aktuelle Android-Version
  • unterdurchschnittliche Kamera-Leistung