Seite 3: Leistung, Laufzeit, Fazit

Leistung

Auch wenn es sich beim Streit zwischen Samsung und NVIDIA nur um die 32-Bit-Version des Tegra K1 dreht, die Bedeutung, die Benchmarks für die Hersteller und ihre Werbung haben, ist dennoch erkennbar. Aber auch ohne die Auseinandersetzung ist der Blick auf die Performance interessant, denn erstmals seit Monaten ist hier Bewegung zu erkennen. Zunächst setzte sich das Shield Tablet mit besagtem Tegra K1 an die Spitze, um nur wenig später vom iPad Air 2 mit seinem A8X zumindest in einigen Disziplinen vom Thron gestoßen zu werden. Nun verfolgen HTC und Google mit dem Nexus 9 das gleiche Ziel.

In Sachen Benchmarks gelingt dies aber nicht. Zwar kann man im 3DMark am iPad Air 2 vorbeiziehen, bleibt aber hinter dem Shield Tablet. Umgekehrt sieht es in AnTuTu aus: Hier überholt man das NVIDIA-Tablet, scheitert aber an Apple; in Basemark X gibt es das gleiche Ergebnis. Auch wenn es in keinem der Tests für die Spitze reicht, ist die Tendenz jedoch klar: Nicht zuletzt dank der GPU ist der Tegra K1 auf Denver-Basis einer der derzeit schnellsten SoCs.

Mehr als ausreichend Leistung für 3,1 Millionen Pixel: Der Tegra K1 bietet vor allem eine starke GPU
Mehr als ausreichend Leistung für 3,1 Millionen Pixel: Der Tegra K1 bietet vor allem eine starke GPU

Beschränkt man sich hingegen auf die CPU, enttäuscht deren Leistung ein Stück weit. Im Linpack-Single-Thread-Modus werden im Schnitt 600 MFLOPS erreicht, das iPhone 6 mit seinem A8 kommt auf gut 850 MFLOPS, das iPhone 5s mit seinem A7 auf immerhin noch knapp 770 MFLOPS. Davon abgesehen, offenbart das Nexus 9 aber noch ein ganz anderes Problem, das von SunSpider angedeutet wird. Denn sowohl beim Surfen als auch beim einfachen Bedienen der Benutzeroberfläche treten immer wieder Probleme in Form von kleineren Aussetzern oder Rucklern auf. Auffällig dabei: Vor allem nach mehreren Minuten Inaktivität ist dies zu beobachten. Angesichts der insgesamt hohen Rohleistung des SoCs sowie des unveränderten Androids enttäuscht das Nexus 9 in diesem Punkt.

Dabei kann das Tablet auch anders. Selbst in grafisch anspruchsvollen Spielen erreicht es seine Grenzen trotz der hohen Auflösung nicht, hier kann die Stärke der GPU ausgeschöpft werden.

Laufzeit

Wie viel Project Volta im Alltag bringt, werden die nächsten Wochen zeigen, wenn Android 5.0 als Update auf mehr Smartphones und Tablets zum Einsatz kommt. Der Test des Nexus 9 zeigt jedoch in Ansätzen, dass der Effekt, den Google verspricht, in (in unserem Testszenario) Richtung Null tendieren könnte. Ein solches Indiz ist die Laufzeit im Video-Test, der, wie üblich, bei einer Helligkeit von 200 cd/m2 in Dauerschleife durchgeführt wird. Dabei hält das Nexus 9 knapp 10,5 Stunden durch, ein durchaus respektabler Wert. Zieht man für einen Vergleich jedoch Samsungs Galaxy Tab S 8.4 hinzu, wird das Ergebnis relativiert. Zwar erreichte letzteres im Test nur rund 8 Stunden, dies aber mit einer Akkukapazität von 4.900 mAh - das Nexus 9 bietet mit 6.700 mAh gut ein Drittel mehr. Im Gegenzug liegt das Laufzeitplus aber nur bei knapp 30 Prozent. Zwar eignet sich der Vergleich aufgrund der abweichenden Ausstattung nicht für eine endgültige Bewertung, es zeigt sich aber, dass Android 5.0 in Hinblick auf die Laufzeit keinen großen Sprung bedeutet.

Geladen wird per Micro-USB, Qi-Standard und ähnliches fehlen
Geladen wird per Micro-USB, Qi-Standard und ähnliches fehlen

An den guten Laufzeiten an sich ändert dies aber nichts. Zwar hielt das letztjährige Nexus 7 im Test über 2 Stunden länger durch, angesichts des nun größeren Displays sowie der höheren Auflösung kann die Ausdauer aber problemlos als gut bezeichnet werden. Auch weil das Nexus 9 bei praxisnaher Nutzung problemlos gut eine Woche mit einer Ladung auskommt. Die von Google genannten 9,5 Stunden Betrieb beim Surfen per WLAN konnten im Test bestätigt werden.

Fazit

Über den Preis kann und will Google mit den neuen Nexus-Modellen keine Käufer gewinnen. Im Gegenzug setzt man anders als in der Vergangenheit, wenn man das Nexus 10 ein Stück weit ausklammert, auf aktuelle Technik. Für den Nutzer hat das einen klaren Vorteil, denn damit dürfte das Tablet über Jahre hinweg über eine mehr als ausreichende Leistung bieten. Einen Teil dazu bei trägt auch NVIDIAs Tegra K1 in der Denver-Version. Mit 64-Bit-Unterstützung wird Android 5.0 ausgereizt, auch wenn etwas Luft nach oben vorhanden ist - Stichwort Arbeitsspeicher. Dass HTC trotz längerer Pause Tablets bauen kann, zeigen die insgesamt guten Laufzeiten sowie das helle und scharfe Display, das darüber hinaus auch beim Kontrast überzeugen kann. Hinzu kommt schnelles WLAN und im Falle der LTE-Variante auch die Möglichkeit, unterwegs Daten ohne größeren Zeitaufwand übertragen zu können. Bis hierhin wirkt das Nexus 9 als durchaus gutes Angebot. Doch so mancher Makel trübt den Eindruck.

Positiv: Das Display ist hell und scharf, die Laufzeiten gut, das Betriebssystem aktuell und unverfälscht
Positiv: Das Display ist hell und scharf, die Laufzeiten gut, das Betriebssystem aktuell und unverfälscht

So enttäuschen nicht nur die Kameras, auch die Hänger und Aussetzer beim Surfen und der Darstellung der Benutzeroberfläche lassen Zweifel an der Optimierung von Soft- und Hardware aufkommen. Zusätzlich bleibt Google seiner Linie treu und verzichtet auf die Möglichkeit, den internen Speicher aufrüsten zu können. Wer sich für das Grundmodell mit 16 GB entscheidet, wird schnell die Grenze erreichen: Zwei oder drei Filme in HD, einige Apps - mehr fasst das Nexus 9 nicht. Berücksichtigt man auch den Preis, kommt die Verarbeitungsqualität negativ hinzu, für knapp 400 Euro darf man hier mehr erwarten.

Dies gilt aber nicht nur beim Blick auf das iPad Air 2 oder iPad mini 3, sondern auch die Android-Konkurrenz. So werden für Samsungs Galaxy Tab S 8.4 rund 320 Euro verlangt (höhere Auflösung mitsamt AMOLED-Panel sowie ein microSD-Slot, nur 32 Bit), das Sony Xperia Tablet Z3 Compact gibt es für weniger als 350 Euro (wasserdicht und microSD-Slot, nur 32 Bit und geringeren Auflösung).

Am Ende lohnt sich das Nexus 9 nur dann, wenn viel Wert auf ein unverfälschtes und aktuelles Android sowie die 64-Bit-Unterstützung gelegt wird. In allen anderen Punkten bietet der ein oder andere Konkurrent mehr.

Negativ: Die Kameras enttäuschen, die hohe Leistung ist nicht immer erkennbar
Negativ: Die Kameras enttäuschen, die hohe Leistung ist nicht immer erkennbar

Auf eine abschließende Bewertung von Android 5.0 wird bewusst verzichtet. Zum einen ist derzeit noch nicht absehbar, wie groß der Leistungssprung dank neuer Laufzeitumgebung tatsächlich im Alltag ist, zum anderen bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen Project Volta nach mehreren Wochen im Praxiseinsatz hat. Optisch hat Google vieles richtig gemacht, die überarbeitete Oberfläche wirkt deutlich moderner und räumt in Teilen vor allem mit der zuletzt sehr unübersichtlichen Menüführung auf.

Positive Aspekte des HTC Nexus 9:

  • hohe Systemleistung
  • helles Display
  • gute Laufzeiten
  • aktuelle Übertragungsstandards
  • aktuelles Android
  • zukunftssicherer SoC
  • gute Lautsprecher

Negative Aspekte des HTC Nexus 9:

  • Speicher nicht erweiterbar
  • Kameras nur unter optimalen Bedingungen ausreichend
  • mitunter Aussetzer
  • Speicher zu knapp bemessen (16-GB-Modell)
  • Speicher-Upgrade teuer (80 Euro)