Seite 3: Gehäuse. Software, Fazit

HTC kann Gehäuse

Irgendwo zwischen bewährt und neu bewegt sich das 10 in Sachen Design. Denn an der grundsätzlichen Form hat HTC nichts geändert, auch wenn es auf den ersten Blick anders wirkt.

Aus der Frontalen betrachtet bleibt es bei den eher großzügigen Radien an den vier Ecken, der Blick auf die Rückseite zeigt wieder eine sich zum Rahmen hin verjüngende Form. Erkennbar ist aber auch eine der beiden wichtigsten Änderungen. Denn zwischen Rahmen und Rückseite gibt es nun eine umlaufende Fase, die dem Smartphone eine kantige, leicht technische Note verleiht. Die andere Auffälligkeit gibt es auf der Vorderseite. Dass der zweite Lautsprecher eine neue Heimat gefunden, wurde bereits genannt. Dessen Platz nimmt nun der Fingerabdrucksensor ein, der auch als Homebutton fungiert. Hinzu kommen die die meiste Zeit über unsichtbaren beiden anderen Tasten für die Bedienung, das sonst immer prominent platzierte HTC-Logo fehlt.

Klare Kante: Die umlaufende Fase sorgt für ein sehr eigenständiges Erscheinungbild
Klare Kante: Die umlaufende Fase sorgt für ein sehr eigenständiges Erscheinungbild.

Sonst gibt es lediglich noch Kleinigkeiten. Der LED-Blitz hat die Seiten getauscht, die Audio-Buchse hat man nun oben statt unten untergebracht und die Kamera steht noch immer leicht ab.

Wichtiger ist HTC jedoch, dass man als einer der wenigen Hersteller auf einen echten Unibody setzt. Das gesamte Gehäuse wird aus einem Stück Aluminium gefertigt, es gibt von Außen betrachtet also nur sehr wenige Bauteile. Entsprechend überzeugend fällt die Verarbeitung aus – selbst die rechts untergebrachten Tasten für Lautstärke und Standby könnten nicht besser integriert und satter zu drücken sein. Einziger Mangel: Der Träger für die SIM-Karte schloss beim Testgerät nicht ganz bündig mit dem Gehäuse ab.

Homebutton mit Fingerabdrucksensor statt Onscreen-Tasten
Homebutton mit Fingerabdrucksensor statt Onscreen-Tasten

Mit 145,9 x 71,9 x 9,0 mm fällt das übrigens etwas höher und breiter als beim One M9 aus, ist aber dafür etwas dünner. An die Bedienung mit einer Hand ist in der Regel nicht zu denken, was nicht nur an der Display-Diagonale, sondern auch dem Verhältnis von Bildschirm zu Front liegt. Mit etwa 72 % schneidet das 10 hier nicht sonderlich gut ab. Dafür liegt das Smartphone gut in der Hand, mit 161 g ist es aber etwas schwerer als die Konkurrenz.

Software

Kaum ein Smartphone-Hersteller musste so früh wie HTC lernen, dass Nutzer die Pflege der Software erwarten. Anno 2011 entschied man nach mehreren Meinungswechseln, dem damaligen Topmodell Desire kein Update auf Version 2.3 zu spendieren. Zu schwach die Hardware, zu aufwendig die Anpassung von Sense. Seitdem hat sich viel getan. Die Kommunikation wurde ehrlicher, die Software verschlankt. Den aktuellen Stand der Dinge repräsentiert Sense 8.0, das über Android 6.0.1 gestülpt wird.

Optisch auf den ersten Blick als HTC-Oberfläche zu erkennen, fallen bei längerer Betrachtung noch viel mehr Änderungen auf. Da wäre zum Beispiel das Fehlen diverser HTC-Applikationen, an deren Stelle Google-Anwendungen getreten sind. Die wichtigsten Beispiele dafür sind Browser-Galerie und E-Mail-Client. Bei der Begründung zeigte sich das Unternehmen im Rahmen der Vorstellung des 10 durchaus demütig. Man habe erkannt, dass nicht alle Eigenentwicklungen besser als Googles Programme seien. Diese habe man deshalb nicht ab Werk installiert, über Google Play können sie aber dennoch heruntergeladen werden – auch auf Android-Smartphones anderer Hersteller. An anderen Punkten bleibt es hingegen bei Abweichungen. Kamera- und Telefon-App seien Stock-Android klar überlegen, so das Argument.

Eine Neuerung in Sense 8.0: Das Design ist sehr flexibel, dennoch ist man dicht an Stock-Android dran
Eine Neuerung in Sense 8.0: Das Design ist sehr flexibel, dennoch ist man dicht an Stock-Android dran.

Unabhängig vom eigenen Geschmack bezüglich der Programme liegt ein Vorteil klar auf der Hand: Es wird weniger Speicherplatz durch unnötige Doppel- und Dreifachinstallation verschwendet.

Positiv anzumerken ist aber auch, dass man komplett auf Werbe-Apps verzichtet. HTC hat aber auch an der Anpassbarkeit der Oberfläche gearbeitet. Auf Wunsch können Icons, Widgets und optische Elemente unabhängig von einem Raster platziert werden, herunterladbare Themes sollen zudem mehr Auswahl bei der Optik bieten. Ab Werk installiert ist hingegen Boost+. Damit lassen sich unter anderem der Speicher schnell bereinigen, der Datenverbrauch verwalten und der Akku schonen. Denn auf Wunsch werden vom Nutzer ausgewählte Applikationen in verringerter Auflösung dargestellt.

Insgesamt kommt HTC Stock-Android mit der neuen Sense-Version so nah wie noch nie, was das Bereitstellen von künftigen Updates weiter vereinfachen dürfte.

Leider hat das aber auch einen Nachteil. Denn man gibt auch diverse Vereinfachungen auf. Das im Alltag wohl häufigste Beispiel: Für das Aufrufen der wichtigsten Einstellungen sind zwei Befehle nötig, bei vielen Mitbewerbern kommt man mit einem aus. Umsteiger müssen sich zudem an die noch immer nicht logisch aufgebaute Liste der Optionen gewöhnen. Unter dem Strich gefällt Sense 8.0, auch wenn Samsungs TouchWiz gerade für technisch weniger versierte Nutzer die einfacher zu bedienende Oberfläche ist.

Fazit

Für HTC hängt viel vom Erfolg des neuen Flaggschiffs ab. Ein Satz, der vor einem Jahr auch schon für das One M9 galt. Mit dem konnte man ein gutes, aber eben kein überragendes Gerät auf den Markt bringen. In weiten Teilen hielt es mit dem Galaxy S6 mit, in Summe lag Samsung aber doch klar vorn.

In diesem Jahr liegt die Messlatte dank dem Galaxy S7 aber nicht nur noch höher, erstmals muss Huawei ebenfalls als ernster Konkurrent gewertet werden. Vielleicht ein Grund, warum man mit der One-Reihe gebrochen hat.

Insgesamt hat sich dieser Schritt gelohnt. Das 10 wirkt deutlich reifer als sein Vorgänger, ohne komplett die Wurzeln zu verleugnen. Das Design bietet einen hohen Wiedererkennungswert und hebt sich klar von den Mitbewerbern ab, die Verarbeitung ist abgesehen von einem Patzer auf dem höchsten Niveau. Angesichts der Hardware geht man aber etwas in der Masse unter. Qualcomms Snapdragon 820 respektive dessen Leistung ist in dieser Preisklasse nichts Besonderes, auch die weitere Ausstattung darf und muss man größtenteils so erwarten. Mit den neuen Lautsprechern kann man sich zumindest ein wenig abgrenzen, das P9 Plus bietet aber vergleichbares; der anpassbare Kopfhörer-Sound ist da schon etwas anderes.

HTC 10: Display, Gehäuse, Ausstattung und Leistung überzeugen
HTC 10: Display, Gehäuse, Ausstattung und Leistung überzeugen.

Erwähnenswert ist aber auch das Display. Zwar kostet die hohe Auflösung Laufzeit, Kontrast und Farbdarstellung überzeugen aber. Als positiv dürfen auch die Kombination aus Sense 8.0 und Android 6.0.1 sowie in Summe die Kamera bezeichnet werden.

Angesichts ihrer Stärken fallen die Schwächen aber umso mehr auf. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen wäre mehr möglich gewesen, hier hat das One M9 vor einem Jahr besser abgeschnitten. Zusätzlich kann die neue Kamera-App nicht völlig überzeugen. Gerade im Pro-Modus, in dem so manche Schwäche abgefedert werden könnte, ist die Bedienung unnötig unkomfortabel - hier darf das P9 gerne als Vorbild genommen werden.

Ansonsten leistet sich das 10 keine gravierenden Fehler. Dass die Akkulaufzeiten nicht in jedem Szenario gut ausfallen, ist angesichts der Display-Technik und des SoCs verständlich, im Alltag hält das Smartphone aber mit der Konkurrenz mit; der fest verbaute Akku ist bei einem HTC-Gerät keine Überraschung.

Die Kamera ist gut, erfüllt die hohen Erwartungen aber nicht ganz
Die Kamera ist gut, erfüllt die hohen Erwartungen aber nicht ganz.

Wo aber landet das Gerät in Summe? Angesichts der zahlreichen Plus- und der wenigen Minuspunkte ist eine gute Note sicher. Erneut landet man in einigen Bereich vor Samsung und den anderen Mitbewerbern, insgesamt reicht es aber wieder nicht für den Spitzenplatz. Denn wie schon vor einem Jahr gibt es Kategorien, in denen HTC nicht ganz überzeugt. Deshalb ist das Galaxy S7 das „rundere“ Smartphone, auch wenn das 10 vor allem aus technischer Sicht mehr bietet und damit das gleiche Schicksal wie das P9 ereilt. Wer vor allem Wert auf Display, Leistung und Verarbeitung legt, kann fast blind zum HTC 10 greifen. Muss die Kamera überzeugen, sollte dem P9 der Vorzug gegeben werden. Soll es das insgesamt beste Smartphone sein, müssen die Taiwaner auch 2016 die Südkoreaner wieder vorbeiziehen lassen. Das gilt übrigens auch für den Preis. Denn derzeit ist das Galaxy S7 etwa 70 Euro günstiger, weshalb auch das Preis-/Leistungsverhältnis gegen HTC spricht.

HTC 10: Die Hardware überzeugt
HTC 10: Die Hardware überzeugt.

Der von HTC eingeschlagene Kurs ist der richtige, auch wenn es wieder nicht für den ersten Platz reicht. Merzt man die wenigen Schwächen aus, könnte es im kommenden Jahr aber anders aussehen.

Positive Eindrücke des HTC 10:

  • Display überzeugt hinsichtlich Kontrast und Farbdarstellung
  • hohe Systemleistung
  • klar überdurchschnittliche Lautsprecher
  • Speicher erweiterbar
  • sehr hohes Verarbeitungsniveau
  • schlanke Software
  • Kamera mit teils sehr guten Ergebnisen

Negative Eindrücke des HTC 10:

  • Akku fest verbaut
  • teils unterdurchschnittliche Laufzeiten
  • Kamera-App enttäuscht