Seite 1: LG G Flex im Test - Banana Phone!

Das "G" im Produktnamen steht bei LG meist für ein außergewöhnliches Gerät der Oberklasse. Auch beim G Flex ist das so, nur dass der zweite Teil des Namens noch deutlich wichtiger ist. Flex wie Flexibel. Denn das ist das wie eine Banane gebogene Smartphone von LG wirklich, wie man im Vorfeld schon in einigen Videos demonstriert hat. Anders als Konkurrent Samsung bringt man das gebogene Gerät nun aber auch außerhalb Asiens auf den Markt - zu einem saftigen Preis von aktuell gut 750 Euro.

Neue Technologie will bezahlt werden, Early-Adopter werden in diesem Fall gerne zur Kasse gebeten. Doch hat das LG G Flex auch einen entsprechenden Mehrwert, um nicht gänzlich überteuert zu wirken? Die Hardware selbst ist nämlich nichts besonderes im High-End-Segment und in der Form auch in deutlich günstigeren Geräten um 350 Euro zu finden.

In der Frontalansicht fällt die Krümmung fast nicht auf...

Der Qualcomm Snapdragon 800 ist mittlerweile ein alter Bekannter, wenn es um die Bestausstattung in Smartphones geht. Auch beim Flex setzt LG auf Altbewährtes und integriert den SoC sowie die vom LG G2 schon bekannte 13 MP Kamera. Des Weiteren hat man natürlich auch den Rear Key verbaut, der die besonders ergonomische Bedienung der LG Smartphones hervorheben und unterstützen soll. Wie hoch die Ergonomie bei einem 6 Zoll Smartphone, so groß ist der gebogene Bildschirm des LG G Flex, wirklich ist, sei einmal dahingestellt.

Die Auflösung des POLED-Displays, das nicht nur gebogen sondern auch flexibel ist und beim versehentlichen Draufsetzen nicht gleich zerbricht, enttäuscht deutlich: "nur" 1280 x 720 px bietet das Gerät. Nicht nur, dass dies auf 6 Zoll heutzutage durchaus wenig erscheint, auch für den aufgerufenen Preis wirkt die Auflösung schlichtweg unangemessen. Dass das besser geht, zeigt Samsung selbst mit dem Galaxy Round, das eine Full-HD-Auflösung bietet. Zur Displaygröße selbst sei gesagt, dass eine Krümmung in die andere Displayrichtung zumindest - wie beim Samsung-Pendant - die Ergonomie etwas verbessert hätte. Doch welche Krümmung ist eigentlich sinnvoller? Längs oder quer?

Was bringt die Bananenform?

...von der Seite dafür umso mehr. Störend ist diese in den meisten Fällen aber nicht.

"Kommt darauf an." dürfte die Antwort in diesem Fall wohl lauten. Worauf? Natürlich wie so oft auf den Geschmack und das Nutzerverhalten. Die Krümmung wie LG sie wählt ist sicherlich in der Hosentasche wenig förderlich, für die Landscape-Betrachtung von Medien aber durchaus nett anzusehen. Ebenso fühlt sich das Gerät etwas mehr wie ein Telefon an, wenn das Mikrofon zum Mund hin gebogen ist. Samsungs Interpretation hingegen weiß auch zu gefallen - in der Hosentasche schmiegt es sich dem Bein an, auf dem Tisch kann man es kurz an der Seite "wippen" und die wichtigsten Informationen werden angezeigt und eine größere Displaydiagonale ist einfach ergonomischer. Einen Vorteil haben aber beide Geräte. Liegen sie mit dem Display auf dem Tisch, kann dieses bei keinem der Geräte so verkratzen wie bei aktuellen, "flachen" Smartphones.

Während die Seiten durch den Rear-Key frei von Elementen sind, finden sich auf der Unterseite der Klinke-Anschluss, ein Mikrofon und der microUSB-Port.

Die Vorteile der Biegungen sind also durchaus greifbar, doch sind sie auch einen so hohen Aufpreis wert? Wir haben das Ganze mit dem Flex im Alltag getestet - unsere Ergebnisse gibt es auf den nächsten Seiten.

Selbstheilung im Überblick

Das LG G Flex ist ein direkter Abkömmling des LG G2 (zum Test), das ist nicht zu übersehen. Dennoch gibt es (neben der Biegung) einige Besonderheiten. So soll das Gehäuse beziehungsweise eher der darauf aufgebrachte Lack (eine Schutzschicht aus Polyrotaxan) eine Selbstheilungs-Funktion haben.

Bekannt ist das schon aus anderen Branchen, im Smartphone-Massenbereich aber ein Novum. Wie gut das Funktioniert, zeigt LG in einem Video. Wie schlecht, viele YouTuber in ihren Tests. Tiefe Kratzer wird man aus dem Flex auch nicht herausbekommen, die kleinen Mikrokratzer, die ein Smartphone aber natürlicherweise nach einiger Zeit der Nutzung übersähen sehr wohl.

Weitere Hardware: Ein abgespecktes G2

Auch der Rear Key ist vom LG G2 übernommen. Er sorgt für eine ergonomische Bedienung des Gerätes. Power- und Lautstärke-Buttons sind hier untergebracht, sodass die Seiten des Smartphones frei von Bedienelementen sind. Der Button ist mit einer blauen LED hinterleuchtet, wodurch Benachrichtigungen, sofern das Gerät auf dem Display liegt (wir erinnern uns: das ist dank der Biegung kein Problem) direkt gesehen werden können.

Der Rear-Key kann bei eingehenden Benachrichtigungen blau blinken. Im ausgeschalteten Zustand ist er Silber. Neben der Kamera finden sich ein IR-Blaster und der LED-Blitz.

Die Verarbeitung des G Flex ist ordentlich und auf demselben Niveau wie beim G2, an dieser Stelle gibt es keine Beanstandungen. Das 6 Zoll große Display hingegen sorgt dafür, dass das Smartphone selbst mit großen Händen und trotz schmalem Rand kaum mit einer Hand zu bedienen ist. Andererseits bieten 6 Zoll genug Fläche um ordentlichen Filmgenuss auf einem Smartphone zu realisieren. Das Display selbst ist ein Real RGB POLED, also nicht wie bei anderen Konkurrenten eine Pentile-Technik, die gefühlt immer eine schlechtere Schärfedarstellung bei gleicher Auflösung bietet. Die geringere Auflösung sollte hier also weniger ins Gewicht fallen (auch wenn sie unserer Meinung nach für ein Gerät dieser (Preis-)Klasse und Größe nicht angemessen ist).

Schade ist dabei, dass die Krümmung nicht stark genug ist, um dem Smartphone einen sicheren Stand auf einer ebenen Oberfläche zu geben und separate Ständer somit Überflüssig zu machen. Andererseits ist die Krümmung schon jetzt stark genug um in engeren Taschen zum Problem zu werden.

Schade: Die Krümmung ist nicht stark genug, um das Gerät sicher alleine stehen zu lassen.