Seite 2: Verständigungsprobleme, Vorläufiges Fazit

Alexa erkennt viel, versteht aber nicht alles

Schon während der Vorstellung der deutschen Alexa-Version im September fiel auf, wie gut Spracherkennung und -ausgabe funktionierten. Seitdem hat Amazon beides weiter verbessert, so wirkt es zumindest. Das Unternehmen sagt, dass es sich um einen kontinuierlich, weitestgehend im Hintergrund ablaufenden Prozess handelt. Nach den ersten Stunden der Nutzung zeichnete sich jedoch ab, dass Erkennen und Verstehen von Sprache zwei unterschiedliche Dinge sind.

Denn selbst bei nicht ganz deutlicher Aussprache werden Kommandos korrekt erkannt - überprüfen kann man das in der Alexa-App, die die zuletzt erkannten Eingaben auflistet. Doch nicht immer versteht die Assistentin, was man will. So gelang es im Test bislang beispielsweise nicht, den Radiosender ffn zu starten, unabhängig von der Formulierung des Kommandos. Denn innerhalb von Prime Music gibt es eine Playlist, die im Namen ebenfalls ffn trägt - hier sollte das Kommando „Spiel Radio ffn“ also eigentlich zum Starten der gewünschten Station führen.

Dabei kann man in weiten Teilen sehr frei mit Alexa sprechen. Will man wissen, wie das Fußballspiel seines Lieblingsvereins ausgegangen ist, müssen nicht der korrekte Vereinsname und das Datum des Spiels genannt werden, auch mit den üblichen Kürzeln wie HSV oder BVB hat das System keine Probleme. In den ersten Testwochen zeigte sich dabei, dass Alexa den Kontext wie von Amazon versprochen sehr gut erkennen kann. Hat ein Wort zwei völlig verschiedene Bedeutungen, leitet sie das eigentlich Gemeinte vom restlichen Kommando ab. In diesem für die Nutzung eines Sprachassistenten sehr wichtigen Punkt liegt Alexa klar vor Siri, Cortana und Google.

Aber auch hier gilt: Zwischen den von Amazon angebotenen Skills und denen von Drittanbietern gibt es große Unterschiede. Bei einigen kommt schnell das Gefühl auf, es können lediglich mit einigen sehr wenigen Schlüsselwörtern arbeiten.

Vorläufiges Fazit

Amazon selbst spricht im Fall von Echo von einem nicht fertigen Produkt. Ähnlich wie zu Beginn in den USA soll das System sukzessive verbessert werden, wobei man auf die Hilfe der Nutzer setzt. Dabei hinterlässt der smarte Lautsprecher schon nach den ersten Tagen einen guten Eindruck. Für einfache Aufgaben wie das Stellen eines Timers, das Aufrufen des Wetterberichts oder Musikwiedergabe ist kein Griff zum Smartphone mehr nötig, derartiges wird im wahrsten Sinne des Wortes im Vorbeigehen erledigt.

Überrascht hat dabei, wie frei man mit dem System sprechen kann und wie gut die Aussprache Alexas schon jetzt ist - gegenüber der Vorstellung im September hat man einen hörbaren Sprung gemacht, was auf weitere, ähnlich schnelle Fortschritte hoffen lässt. Es wurde aber schnell klar, dass es eine sehr große qualitative Bandbreite gibt. Amazons Skills überzeugen nahezu vollständig, die der anderen Bieter hingegen bislang nur teilweise. Das mag an der vergleichsweise kurzen Zeit liegen, die für die Entwicklung zur Verfügung stand, insbesondere deshalb lohnt es sich, den Test in mehrere Teile zu trennen. Deshalb werden im zweiten Teil die Skills und die Kritik ihrer Nutzer im Mittelpunkt stehen.

Wer schon jetzt den Drang verspürt, sich Echo für 180 Euro oder Echo Dot für 60 Euro kaufen zu müssen: Nach wie vor kann man sich lediglich für eine Einladung bewerben, die Abarbeitung aller Anfragen soll aktuell mehrere Wochen dauern. Mit etwas Glück kann der Assistent also noch unter dem Weihnachtsbaum landen.