[Worklog] Roland JD-800 - Restauration wegen Red Glue Problem

Woozy

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Hallo Community,

ich bin durch die Auflösung eines Tonstudios eines Freundes unfassbar günstig an zwei Synths gekommen: Einen E-MU Proteus 1 und einen Roland JD800 - und jede menge 19"-Stuff. Um den JD800, eindeutig das dickere Gerät von beiden, wird es hier gehen. Der Synth hat das sog. Red Glue Problem, wo die Tasten-Gewichte sich lösen weil der Kleber, den Roland um 1991 genutzt hat, sich bei Raumtemperatur (!) verflüssigt. Das sorgt für gewöhnlich dafür das die Gewichte rausfallen und die Tasten sich verkleben. Das gute ist: Man kann es beheben, es ist nur jede Menge arbeit. Den Thread hier möchte ich nutzen um die anfallende Arbeit zu dokumentieren :bigok: Ich selber hab wenig bis keine Ahnung von Synths, da ich eig. nur E-Gitarre spiele. Das Angebot für die Synths war aber zu gut als das ich nein sagen konnte, daher habe ich jetzt das nächste Hobby wo man sich drin verlieren kann. E-Gitarre uns Synths lassen sich wunderbar verbinden.

Doch zuerst mal: Was ist denn ein JD-800 und wofür wurde der denn so eingesetzt?
Der Roland JD-800 ist ein digitaler Synthesizer aus dem Jahr 1991, der bis heute Kultstatus genießt. Er kombiniert eine leistungsfähige digitale Klangerzeugung mit einer außergewöhnlich „analogen“ Bedienoberfläche: Statt durch Menüs zu navigieren, bietet er eine große Frontplatte voller Regler und Schieberegler, mit denen fast alle Parameter direkt zugänglich sind.

Technisch basiert er auf Sample-basierter Synthese (ROM-Wellenformen), die sich durch Filter, Hüllkurven, Modulationen und Effekte stark formen lassen - und ich sag euch, das ding hat mehr Regler als jede 747. Jeder Klang (Patch) kann aus bis zu vier „Tones“ bestehen, wodurch sehr komplexe, schichtreiche Sounds entstehen. Besonders geschätzt wird der JD-800 für seine druckvollen Pads, brillanten Leads, atmosphärischen Flächen und experimentellen Texturen. Er bot damals eine echte Alternative zu den schwer editierbaren „Menu-Dive“-Synths der 80er und wurde von vielen Künstlern in Pop, Elektronik und Soundtrack-Musik eingesetzt.

Kurz gesagt: Der JD-800 ist ein digitale Engine im Hands-on-Design, der die Klangästhetik der frühen 90er maßgeblich geprägt hat.

Genutzt wurde er unter anderem von:
- The Prodigy, allem voran für Voodoo People. Ein nachgespieltes Beispiel mal hier hinter diesen Link.
- Genisis, u.A. im Album I cant Dance, We cant Dance und bei den Live-Aufritten mit Tony Banks
- Prince im Albumb Race Un2 The Joy Fantastics
- MC Hammer laut einigen Blogeinträgen aber ohne konkrete Beispiele

Einige Forenbeiträge und Kommentare deuten auch darauf hin, was der Synth von Nintendo genutzt wurde. Belegen lässt sich das nicht, jedoch zeigt dieses Video hier sowie allem voran dieses Video hier ab 5:45 das es sehr nahe liegt das zumindest ein Synth von Roland aus dem Baujahr / mit dieser Technik genutzt wurde.

Das Problem "Red Glue"
Was auch immer Roland um 1990 rum geritten hat den Kleber zu benutzen: Er Zerstört bis heute zahlreiche Instrumente. Der Kleber läuft bei Temperatur zähflüssig unter den Tastengewichten hervor und tropft bei den schwarzen Tasten auch gerne auf das PCB oder den Kontakten auf dem PCB. Das große Problem ist auch das manchmal auch die Filze betroffen sind die die Tastenbewegungen dämpfen sollen.

Der JD800 ist nicht der einzige Synth von Roland, der das Problem des Red Glue hat. Befallen sind nahezu alle Synths, die es in diesen Jahren gab:
- D-70 1990 - 1992
- JD-800 1991 - 1993
- U-20 1998 - 1990
- U-220 1989 - 1990
- Alpha Juno-2 1985 - 1987
- JV-80 1992 - 1994
- JV-1000 1993 - 1994
- XP-50 1995 - 1997

Erschwerend kommt hinzu das es auch Snyth mit Red Glue gibt die eben NICHT vom problem befallen sind, andere aber schon. Die moderneren Synths ab XP-80 haben das Problem nicht mehr gehabt.

Was passiert hier und warum?
Ein gebrauchter JD800 kostet um die 800 - 1500€. Es gibt selten mal welche die mit einer von Roland generalüberholten Tastatur kommen die keinen Red Glue mehr haben und deutlich mehr kosten. Optional gibt es noch ROMs sowie mehr Synth-Sounds die den Preis nach oben korrigieren. Scheinbar sind die Synths Rock-Solid und sterben tendenziell nicht, deswegen möchte ich den Synth (der älter ist als ich) auch gerne noch viele weitere Jahre nutzen können. An sich ist der Synth in guten zustand, jedoch wird hier zwingend folgendes gemacht:

- Lösen des Red-Glue-Problems (Kleber lösen, Tasten neu einkleben mit JB Weld)
- Tastenmechanik neu Fetten (Silikonfett)
- Filze erneuern, da ~30 Jahre alt
- Knopfzelle wechseln :fresse:

Stay tuned, da kommt vieleicht was Interessantes.

Hier schonmal zwei Teaser-Bilder, mehr folgt die Tage :)
Synth1.jpg
 

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