Natürlich gibt es viel das in bestimmten Konstellationen für ein BEV spricht- aber siehe Zahlen offensichtlicvh halt viel weniger in der Summe als gedacht. Und viele greifen dafür zu den Teilelektroautos.
Am Ende ist es komplett egal was sich durchsetzt.
Die Öl- und Gas Förderung muss auf Null runter und die planetenweite CO2 Bilanz muss negativ werden, sonst sind unsere (ur-)Enkel eh alle im Arsch.
Wie die Mobilität der Zukunft aussieht, Fahrrad, Elektro, Verbrenner ist komplett egal, solang sie CO2 neutral oder CO2 negativ ist.
BEV oder PHEV oder E85 Verbrenner oder was auch immer ist ne rein technische Debatte, das ist Fingerhakelei und Blödsinn.
Die wichtige Debatte ist ganz wo anders, nämlich bei Energieerzeugung. Alles was wir aktuell an Energieträgern in Öl und Gas ausbuddeln und verbrennen müssen wir erstmal aus Erneuerbaren erzeugen oder so weit reduzieren dass wir es aus Erneuerbaren produzieren können.
Und erst danach kommt das Thema Speicherung und Transport von Energie
Aber zurück zum Thema BEV, PHEV und was gekauft wird bzw. was "der Markt" sagt.
Da gibts das grundsätzliche systemische Problem der Beharrungskräfte. Auf der individuellen Ebene bedeutet das "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier", auf der systemischen Ebene heißt das Thema stranded Assets. Auf deusch: Wir Menschen sind zu faul uns umzugewöhnen an neue Routinen und Gewohnheiten, Unternehmen und Konzerne wollen lieber mit vorhandenem Material weiter produzieren und Geld verdienen als in neue Produktionslinien zu investieren.
Und da kommen drei Themen zusammen:
1) Wir wollen in 5-10 Minuten volltanken (aber efuels sind energetisch extrem ineffizient und daher Premiumtreibstoff, Wasserstoff ist mies zu speichern und muss daher in efuels gebunden werden)
2) Wir müssen die Energieerzeugung so umbauen, dass wir CO2 negativ werden, also können wir uns Ineffizienzen schlecht leisten so lang wir nicht Energie im Überfluss haben während wir CO2 negativ sind
3) Wir haben keine Zeit, weil wir politisch zu blöd sind bzw. die Beharrungskräfte im System zu groß sind.
Und da wird dann das ganze Thema eine sehr technische Diskussion, eine Diskussion der Route die wir als Gesellschaft nehmen wollen:
Wo sind die höchsten Effizienzgewinne zu holen?
Wo sind die effizientesten Energieerzeugungsmethoden?
Wo sind die effizientesten Energiespeicherungstechnologien?
Die ganze Diskussion haben wir in DE nur, weil wir es gesellschaftlich mindestens 30 Jahre verkackt haben. Zum einen weil wir die Automobilwirtschaft haben machen lassen, zum anderen weil wir die angestoßene Solarwende der frühen 2000er abgewürgt und gekillt haben. Stichwort Beharrungskräfte, Finanzstarke Öl- und Kohlekonzerne sowie Autokonzerne und deren stranded Assets.
Der No-Brainer ist Wind und Solar, die kann die Menschheit auf dem Planeten immer weiter ausbauen. Die Technologie ist verfügbar, die Komplexität überschaubar und beherrschbar und dezentral in kleinen Häppchen problemlos installierbar (vgl. Balkonkraftwerke und einzelne Windräder zu Braunkohletagebauten+Großkraftwerken und/oder AKW). Wenn wir genug Strom haben kommt danach Speicherung (Batterie, Efuel, Methanol/Ethanol, Wasserstoff, Ammoniak usw.) - da ist meine persönlich aktuell bevorzugte Route synthetisches Ethanol aus Wasserstoff, CO2 und Strom - oder eben chemische Speicher = Batterien. Und dann bist du in der technologischen Konsequenz aus Wirkungsgradbetrachtungen und EH-DA Effekten ganz schnell bei Vehicle2grid BEV, Wärmepumpe für den Privatverbraucher, bevor du aus Strom Wasserstoff machst, Wasserstoff verflüssigst und dann flüssige Energieträger wieder durch Brenstoffzellen schickst oder verbrennst.
Und jetzt das TLDR:
Nur weil PHEV am Markt nachgefragt werden, ist es nicht zwingend sinnvolle oder konsequente Technologie.
Es ist viel mehr eine inkonsequente Technolgie der Welt von gestern, geprägt von Altlasten, Bequemlichkeit, stranded Assets und einer Prise Feigenblatt und schlechtes Gewissen.
Die Welt von Morgen muss auf elektrischer Energie basieren, nicht auf chemischer Energie wie Öl und Gas. Wenn wir das nicht gemeinsam schaffen auf dieser Kugel, dann sind unsere (Ur-)Enkel im Arsch.
PS:
Ist viel länger geworden als ich wollte. Ich hab es drölfzig mal umgeschrieben um den Fokus immer wieder auf Physik und technische Konsequenzen zu legen.
PPS:
Wer sich für die politische Dimension und tiefere technologische Details interessiert dem kann ich ans Herz legen:
Buch: Christian Stöcker - Männer die die Welt verbrennen
Interviews, Artikel, Bücher von Volker Quaschning und Claudia Kemfert
Podcastreihe: 2045 - by design or desaster