Das Lockpicking System ist auch verdammt nervig. Insbesondere wenn man Truhen unter Wasser öffnen soll, während einem die Luft ausgeht, ist das einfach nur ein Krampf.
Eine QA scheint es beim Entwickler auch nicht wirklich zu geben. Auch nach den ersten beiden Patches werden einige Texte im Questlog in der deutschen Version noch immer in englischer Sprache angezeigt. Dabei sollte sich der zweite Patch genau dieses Umstands annehmen. Offenbar hat man sich bei Alkimia aber nicht die Mühe gemacht, nochmal alles gründlich durchzugehen.
Auch das "Chromanin 6" Buch wird in Englisch angezeigt.
Nachdem ich nun auch beim Schläfer angekommen bin, kann ich konstatieren, dass das Spiel zum Ende hin viel zu leicht wird. Habe "Gothic" als Schwierigkeitsgrad gewählt und war anfangs tatsächlich sehr schwach und bin öfter gestorben. Aber jetzt in Kapitel 6 ist der Charakter so stark, dass Gegner einfach keine mehr sind. Nen Ork hau ich mit zwei Schlägen um, oder ballere mehrere auf Distanz problemlos mit dem Bogen weg.
Hier sollte nochmal in Sachen Balance nachgepatcht werden.
Ich hatte mir im Remake auch vom Endgame mehr versprochen. Es hieß ja, man wolle einige neue Nebenquests ins Spiel einbauen. Leider finden sich diese nur bis Kapitel 4 im Spiel wieder. Der Rest besteht, wie auch schon das Original, ausschließlich aus dem Schläfertempel, der Aufladung von Uriziel und wieder dem Tempel inkl. Endbosskampf.
In dieser Phase des Spiels verkommt der Rest des Minentals und seine Bewohner zur absoluten Randnotiz.
Erst vor gut einer halben Stunde bin ich beim "wahnsinnigen Cor Calom" im Tempel angekommen. Das Gespräch mit ihm hat sich aber angefühlt, als würde man mit einem x beliebigen Fremden an der Tanke mal kurz über die Spritpreise reden. Das Voiceacting der neuen deutschen Sprecher ist teilweise einfach nur beschämend schlecht. So gelangweilt, unprofessionell und ohne jedwedes Gespühr für richtige Betonung habe ich lange keine Spielfiguren mehr sprechen hören.
Wo im originalen Gothic die Sprecher wirklich so gut wie immer die raue und unfreundliche Stimmung zum Ausdruck gebracht haben, wirken die Sprecher im Remake teils lustlos bzw. nicht der Situation angemessen.
Thorus bspw. ist ein knallharter, mieser Typ mit einer scheiss Laune. Das merkt man im Original sehr deutlich. Im Remake hingegen ist davon wenig bis gar nichts zu bemerken.
Cor Calom mag im Original ein wenig übertrieben wirken, aber dadurch werden seine Verschlagenheit, sein Misstrauen und später auch sein Wahnsinn sehr gut eingefangen. Im Remake hingegen ist er mMn nur ein 0815 Charakter ohne Seele.
Was hingegen gut gelungen ist, ist die Darstellung der Orks als intelligente, einer eigenen Sprache mächtigen Gesellschaft. Sie wirken nicht mehr nur wie dumme Halbaffen, wie noch im Original.
Wobei ich die Vertonung von Ur-Shak aus dem Original schon etwas vermisst habe. Er kam da tatsächlich verloren, traurig und verzweifelt rüber, nachdem er verstoßen wurde. Das hat man im Remake auch nicht so gut bzw. gar nicht gut hinbekommen.
Alles in allem hat mich das Spiel durchaus gut unterhalten und die 50€ empfinde ich jetzt nicht als zuviel in Anbetracht des Umfangs. Aber so fesseln, wie es das Original damals vermochte und auch Jahre später auch immer mal wieder tat, konnte mich das Remake leider nicht. Viel geht halt tatsächlich durch die teils wirklich schlechten neuen Sprecher bzw. deren schlechte Performance verloren.