Kulanz-RMA bei heise mindfactory / Seagate Exos X20 – Nutzungswertersatz fair?

BlackSektor

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Hallo zusammen,

ich würde gerne eine sachliche Einschätzung hören, wie ihr folgenden Fall beurteilen würdet.

Es geht um eine Seagate Exos X20 20TB (ST20000NM007D), gekauft Ende 2024 bei der damaligen Mindfactory.

Nach rund 10.950 Betriebsstunden (~16 Monate) zeigte die Platte einen klaren technischen Defekt:

  • Current_Pending_Sector = 1
  • Offline_Uncorrectable = 1
  • steigende Reallocated_Sector_Ct
  • Reported_Uncorrect = 2
  • mehrfach dokumentierte UNC (Uncorrectable) Read Errors
  • dd if=/dev/sdb of=/dev/null bs=64M brach reproduzierbar mit I/O Error ab
  • SMART-Errorlog dokumentierte nicht korrigierbare Lesefehler
Die direkte Seagate-RMA war nicht möglich, da die Seriennummer laut Seagate offenbar aus einem OEM-/anderen Vertriebskanal stammt und die Garantie über den ursprünglichen Vertriebspartner laufen soll.

Da die ursprüngliche Mindfactory inzwischen insolvent ist, hat die heise mindfactory gmbh die Reklamation kulanzweise übernommen und an den Vorlieferanten weitergeleitet.

Wichtig: Die Reklamation wurde offenbar nicht abgelehnt. Es hieß sinngemäß, die Festplatte konnte nicht getauscht/repariert werden und man solle eine Gutschrift erhalten.

Das Ergebnis:

  • Kaufpreis: 344,69 €
  • Nutzungswertersatz: 153,20 €
  • verbleibende Gutschrift: 191,49 €
  • Berechnungsgrundlage: angenommene Gesamtnutzungsdauer 36 Monate
  • tatsächliche Nutzung angesetzt: 16 Monate
Die Gutschrift gilt zudem nur zur Verrechnung mit einer nächsten Bestellung/Kundenkonto.

Mir ist bewusst, dass die heise mindfactory hier rechtlich vermutlich nicht verpflichtet ist und der Fall wegen der Insolvenz der alten Gesellschaft auf Kulanzbasis läuft – dafür bin ich auch grundsätzlich dankbar.

Trotzdem frage ich mich, ob die Annahme von nur 36 Monaten Gesamtnutzungsdauer bei einer Enterprise-HDD(Exos-Serie, 24/7-Dauerbetrieb, ursprünglich mit 5 Jahren Garantie beworben) angemessen ist – insbesondere bei einem dokumentierten technischen Defekt und nicht normalem Verschleiß.

Ich habe freundlich um erneute Prüfung gebeten.

Mich würde eure Einschätzung interessieren:

  • Ist die angesetzte Nutzungsdauer bei einer Exos X20 plausibel?
  • Findet ihr den Nutzungswertersatz fair?
  • Wie würdet ihr OEM-/Enterprise-HDDs künftig kaufen, um solche Überraschungen bei der Garantie zu vermeiden?
Mir geht es ausdrücklich um eine sachliche Einordnung, nicht um Händler-Bashing.
 
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Nach rund 10.950 Betriebsstunden (~16 Monate) zeigte die Platte einen klaren technischen Defekt:
Wobei man bei der Umrechnung von Betriebsstunden in Monate aufpassen muss, denn da HDDs auch altern wenn sie nicht genutzt werden, ist die Nutzungsdauer wirklich in Kalenderjahren zu verstehen und nicht in Betriebsstunden umrechenbar.
  • Current_Pending_Sector = 1
  • Offline_Uncorrectable = 1
Das sind schwebende Sektoren, also Sektoren bei denen die Daten nicht mit der ECC dahinter übereinstimmen und auch mit der Hilfe der ECC nicht wiederhergestellt werden werden können, weshalb es einen Lesefehler gibt, wenn versucht wird diese Sektoren zu lesen, wie man ja auch hier sieht:
dd if=/dev/sdb of=/dev/null bs=64M brach reproduzierbar mit I/O Error ab
Das ist bei schwebenden Sektoren normal, für solche Fälle gibt es übrigens ddrescue um wenigstens noch den Rest retten zu können. Wenn solche schwebenden Sektoren überschrieben werden, dann prüft der Controller der HDD ob die neuen Daten danach korrekt gelesen werden können und wenn nicht, wird der Sektor durch einen Reservesektor ersetzt, was ja hier offenbar immer wieder der Fall war:
steigende Reallocated_Sector_Ct
Das ist kein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass da intern ein Problem vorliegt und daher immer mehr Sektoren ausfallen.
Berechnungsgrundlage: angenommene Gesamtnutzungsdauer 36 Monate
Generell ist die vom Hersteller geplante Nutzungsdauer für HDDs immer 5 Jahre und bei den Enterprise HDDs dauert normalerweise auch die Garantie 5 Jahre. 3 Jahre anzusetzen ist daher wenig. Das nur 16 Monate statt, z.B. wenn der Kauf im Dezember 2024 war, dann 18 Kalendermonate Nutzung angesetzt wurden, kompensiert dies bei weitem nicht. Aber es ist ja im Grunde mehr Kulanz als Verpflichtung, da ist die Frage wie viel Verhandlungsspielraum man hat.
Wie würdet ihr OEM-/Enterprise-HDDs künftig kaufen, um solche Überraschungen bei der Garantie zu vermeiden?
Also ich kaufe meine HDDs immer im Ladengeschäft, meist eines größeren Internethändlers und wenn man freundlich fragt, prüft der Verkäufer an der Kasse direkt den Garantiezustand an seinem PC. Dafür muss ich einige Hundert km fahren, aber einmal vermeide ich damit das Problem vom Transportschäden durch unzureichende Versandverpackungen und zum anderen eben das Problem HDDs ohne Herstellergarantie zu bekommen.
 
Die angesetzte Nutzungsdauer dürfte sich vielmehr an der AfA-Tabelle orgientieren wo PC Hardware mit 3 Jahren Nutzungsdauer angegeben ist.

Das ist ein nicht unumstrittenes Vorgehen für die Wandlung einer Kaufsache, dürfte aber hier ob der "Kulanz" wohl rechtlich nicht anfechtbar sein.

Also ja, die Nutzungsdauer und der Abschlag sind plausibel und unter den gegebenen Umständen wohl auch vertretbar.

Grundsätzlich würde ich keine Grau-/OEM-Ware kaufen, außer der Preisvorteil ist so enorm, dass ein Ausfall und vorzeitige Neuanschaffung kompensiert werden können.
 
  • Ist die angesetzte Nutzungsdauer bei einer Exos X20 plausibel?
Ich persönlich würde ja eher auf die MTBF Angabe schauen und damit argumentieren, dass die Nutzungsdauer sich daraus ableitet und nicht nach pauschal 3 Jahren (eine NAS HDD hat nun mal andere Laufzeiten als eine Consumer HDD). Aber...
  • Findet ihr den Nutzungswertersatz fair?
...da wir hier von freiwilliger Kulanz und nicht von Garantie- oder Gewährleistungsfall sprechen, würde ich die Zahlung akzeptieren. Alternativ kannst Du auf Gewährleistung pochen, aber dann müsstest Du im Streitfall nachweisen, dass der Fehler an der HDD bereits zu Beginn vorlag.
  • Wie würdet ihr OEM-/Enterprise-HDDs künftig kaufen, um solche Überraschungen bei der Garantie zu vermeiden?
Als Unternehmer über einen Distri meines Vertrauens, als Privatperson entweder Retail, wenn mir die Garantie wichtig ist, oder OEM, wenn ich auf Garantie verzichten kann.

Bitte beachte: Garantie gibt der Hersteller und bei OEM Ware gibt es keine Garantie dem Endkunden gegenüber, sprich Du hattest nie Garantie auf Deiner HDD. Du kannst nur die gesetzliche Gewährleistung gegenüber dem Händler geltend machen. Seagate ist also raus und MF sagt nun "wir sind kulant und bieten Dir etwas mehr als die Hälfte an Guthaben an". Das kann man schon angehen und gegen vorgehen, aber ob sich das lohnt für wahrscheinlich weniger als 100€, die Du raus schlagen könntest, musst Du für Dich entscheiden. Immerhin ist die HDD vor Ablauf der Gewährleistung gestorben, so dass sich MF nicht raus winden kann, weil sie mit Übernahme des alten MF Geschäfts auch die Gewährleistung von verkaufter Ware mit übernommen haben.
 
so dass sich MF nicht raus winden kann, weil sie mit Übernahme des alten MF Geschäfts auch die Gewährleistung von verkaufter Ware mit übernommen haben.
äh das alte MF ist insolvent, die neue Gesellschaft ist nicht dazu verpflichtet also ist das reine Kulanz. Aber wie so oft gilt sea gate oder sea gate nich, würde einfach das akzeptieren und keinen Stress mehr damit.
 
Ich persönlich würde ja eher auf die MTBF Angabe schauen und damit argumentieren, dass die Nutzungsdauer sich daraus ableitet
Das ist kompletter Blödsinn, da die MTBF eine Ausfallwahrscheinlichkeit ist und keine Nutzungsdauer und auch nicht in eine Nutzunsgdauer umgedeutet werden kann, schon weil sie nur während der vom Hersteller geplanten Nutzungsdauer von 5 Jahren gilt, wie alle anderen Spezifikationen ebenfalls. Ein anderes Beispiel zeigt gut, wieso man Ausfallraten nicht in eine Nutzungsdauer oder Lebenserwartung umdeuten kann:

Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer von 46 Jahren mit einem BMI von 27, Nichtraucher und mäßiger Konsument von Alkohol hat eine statistische Sterberate von 1,8 Todesfällen pro 1000 solcher Personen. Damit rechnen die Versicherungen und daraus ergibt sich eine MTTF von 1000(Personen) * 365 (Tage/Jahr) * 24 (Stunden/Tag) / 1,8 (Personen, die Ausfälle pro Jahr) = 4,867 Millionen Stunden, was 555 Jahren entspricht.

So alt wird aber offensichtlich keiner, die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland beträgt etwa 81 Jahre, also nur etwa 0,71 Millionen Stunden.

Die Nutzungsdauer gibt der Hersteller im Product Manual ja auch selbst an:
Was zugleich auch klar macht, dass die MTBF nur für diese 5 Jahre geplanter Nutzungsdauer gelten und eben nur unter den genannten Einsatzbedingungen und es ist nur ein statistischer Wert.
Alternativ kannst Du auf Gewährleistung pochen, aber dann müsstest Du im Streitfall nachweisen, dass der Fehler an der HDD bereits zu Beginn vorlag.
Da der Kauf mehr als ein Jahr zurückliegt, tritt dann aber die Beweislastumkehr ein, der TE muss also beweisen, dass der Defekt oder dessen Ursache schon beim Kauf vorhanden war und dies ist wirtschaftlich nicht machbar, denn dazu bräuchte man extrem teure Gutachten. Manche Händler verzichten darauf, aber wenn der Händler darauf besteht, beträgt die Gewährleistung eben in der Praxis meist doch nur 12 Monate, eben wegen der Beweislastumkehr. Denn vorher wird unterstellt, dass der Fehler bzw. dessen Ursache eben beim Kauf vorhanden war und der Händler müsste das Gegenteil nachweisen.
MF sagt nun "wir sind kulant und bieten Dir etwas mehr als die Hälfte an Guthaben an". Das kann man schon angehen und gegen vorgehen
Nein, in der Praxis kann man dagegen nicht vorgehen, da es eben eine OEM Platte ist, der Hersteller Seagate also keine Garantie gibt und der Händler wegen der Beweislastumkehr bzgl. der Gewährleistung praktisch raus ist. Man müsste also mit einem teuren Gutachten beweisen, dass die Ursache des Defektes schon beim Kauf (oder genauer Gefahrenübergang, also Empfang der Ware) vorhanden war oder das man arglistig getäuscht wurde und geglaubt hätte, eine Retail Version der Platte gekauft zu haben. Ich habe aber schon vor einige Jahren mal geschaut und da hatte MF für HDDs immer die Beschreibung des Hersteller in seine Artikelbeschreibung kopiert, aber immer ohne die Angabe zur Garantie. Die haben also schon damals nie versprochen HDDs mit Garantie zu verkaufen, wie es in den Artikelbeschreibungen vieler anderer Händler steht, sondern immer bewusst diese Angabe unterlassen. Damit dürfte es schwer werden erfolgreich zu argumentieren, dass man erwartet hätte eine HDD mit der Herstellergarantie zu bekommen, wenn diese in der Artikelbeschreibung des Händlers nicht angegeben war.

Das einzige was der TE versuchen kann, wäre mit der Angabe im Product Manual zur 5 Jahren service life zu versuchen die Nutzunsgsdauer von 36 auf 60 Monate verlängern zu lassen um zu versuchen noch etwas mehr zu bekommen. Aber höflich und wenn es nicht klappt, dann zähneknirschend hinnehmen, da ein Druckmittel hat er nicht wirklich. Im übrigen habe ich oft genug in Foren gelesen, dass MF die Masche mit der Restwerterstattung immer gerne abzieht, auch in Fällen von Hardware bei denen die Garantie über den Händler abgewickelt werden muss und Kunden die defekte Hardware zu MF geschickt haben, selbst während dem ersten Jahr der Gewährleistungszeit. Man weiß dann nicht, ob der Hersteller wirklich das Produkt nicht getauscht hat, oder MF da noch extra dran verdient hat, indem sie den Kunden mit wenig abspeisen, als den Preis für den sie das vom Hersteller ersetzte Produkt danach verkaufen können.
das alte MF ist insolvent, die neue Gesellschaft ist nicht dazu verpflichtet also ist das reine Kulanz.
Das hängt davon ab, wie die Übernahme genau gelaufen ist. Wenn sie das alte Unternehmen direkt übernommen haben, dann müssen sie auch für eine Verpflichtungen einstehen. Haben nur Assets aus der Insolvenzmasse gekauft, dann nicht. Letzteres ist zwar wahrscheinlicher, aber ich kenne den Fall nicht so gut um dies wirklich mit Sicherheit zu wissen.
 
Mir geht es ausdrücklich um eine sachliche Einordnung, nicht um Händler-Bashing.
Hauptproblem dürften die extrem gestiegenen Preise sein.
Könnte mir vorstellen das bei normalen Preisen die Kulanz deutlich besser ausgefallen wäre incl. HDD Tausch.
 
äh das alte MF ist insolvent, die neue Gesellschaft ist nicht dazu verpflichtet also ist das reine Kulanz. Aber wie so oft gilt sea gate oder sea gate nich, würde einfach das akzeptieren und keinen Stress mehr damit.
Da scheinst Du falsch informiert zu sein.
Die Gewährleistungsansprüche aus dem BGB dürfen durch einen Firmenverkauf nicht einfach flöten gehen. Da der Betrieb fortgeführt wird, hat der neue Eigentümer auch die Gewährleistungsansprüche übernommen. Was anderes wäre es, wenn der Betrieb eingestellt wird, aber das war bei MF nicht der Fall!
 
Hauptproblem dürften die extrem gestiegenen Preise sein.
Ja, selbst wenn er den vollen, damaligen Kaufpreis ersetzt bekommen würde, wäre es schwer damit heute vergleichbaren Ersatz zu beschaffen.
Könnte mir vorstellen das bei normalen Preisen die Kulanz deutlich besser ausgefallen wäre incl. HDD Tausch.
Eine Tausch bekommt man nur innerhalb der Gewährleistung (vor Beweislastumkehr), da man dann auf die Lieferung eines Ersatz bestehen kann oder eben wenn man die Garantie direkt beim Hersteller abwickeln kann, da diese i.d.R. eben einen gleichwertigen Ersatz bieten, also eine neue oder ggf. refurbished HDD, auf die dann auch die Restgarantie übertragen wird.
 
Beweislastumkehr, Kulanz statt Gewährleistung, Nutzungspauschale, usw. sind alles Dinge, die Heiße vor, während und nach der Insolvenz kannte und einsetzt. Wieso sollten sie diese Unternehmenspraxis auch ändern, wenn die gleichen Leute im Unternehmen geblieben sind und es für das Unternehmen Einsparungen bringt?
 
Ja, selbst wenn er den vollen, damaligen Kaufpreis ersetzt bekommen würde, wäre es schwer damit heute vergleichbaren Ersatz zu beschaffen.

Und genau deshalb müsste bei der Bestimmung eines Zeitwertes auch das aktuelle Preisgefüge berücksichtigt werden.
Würde mich wundern wenn MF vom Vorlieferanten nicht eine Gutschrift oder eine Refurb HDD im Austausch erhält.
 
Da scheinst Du falsch informiert zu sein.
Die Gewährleistungsansprüche aus dem BGB dürfen durch einen Firmenverkauf nicht einfach flöten gehen. Da der Betrieb fortgeführt wird, hat der neue Eigentümer auch die Gewährleistungsansprüche übernommen. Was anderes wäre es, wenn der Betrieb eingestellt wird, aber das war bei MF nicht der Fall!
Nee, du. Es war nur ein Asset Deal wie @Holt schon vermutete.
 
Eine Tausch bekommt man nur innerhalb der Gewährleistung (vor Beweislastumkehr), da man dann auf die Lieferung eines Ersatz bestehen kann oder eben wenn man die Garantie direkt beim Hersteller abwickeln kann, da diese i.d.R. eben einen gleichwertigen Ersatz bieten, also eine neue oder ggf. refurbished HDD, auf die dann auch die Restgarantie übertragen wird.
Mag alles sein,für die paar Euro im normalen Preisbereich würde die Chance auf Neuware besser aussehen.
Das Thema hatten wir auch schon im GPU Bereich wo nach massiven Preissteigerungen die Kulanz deutlich runter gefahren wurde.
Beitrag automatisch zusammengeführt:

Ausgerechnet bei Mindfactory ... :rofl:
Hatte mit dem Laden nie Probleme,HDD habe ich da gern bestellt weil die immer super verpackt waren.
 
Und genau deshalb müsste bei der Bestimmung eines Zeitwertes auch das aktuelle Preisgefüge berücksichtigt werden.
Es geht aber nicht um den Zeitwert, sondern:
Kaufpreis: 344,69 €
Das ist aber im Prinzip wohl auch in Ordnung.
Würde mich wundern wenn MF vom Vorlieferanten nicht eine Gutschrift oder eine Refurb HDD im Austausch erhält.
Mich auch nicht, nach allem was ich über andere Fälle bei diesem Händler gelesen habe. Es scheint bei denen normal zu sein, dass sie den Kaufpreis abzüglich einer Nutzung auf Basis einer kurzen, erwarteten Nutzungsdauer anbieten, auch wenn man eigentlich einen Austausch des Produktes durch den Hersteller erwarten könnte. Aber sie verdienen halt dann, wenn der Kunde mit einem Teil des Geldes abgespeist werden kann, den sie beim Verkauf dieser Ersatz HDD erzielen können. Es könnte natürlich auch sein, dass dies die Masche ihres Vorlieferanten ist, aber der scheint wohl exklusiv nur MF zu beliefern, da man von anderen Händlern nicht von solchen Angeboten liest. Es gibt da aber auch nicht nur Engel, einer behauptet auffallend oft, dass die Ware kaputtgemacht wurde, z.B. bei Mainboads Pins im Sockel verbogen sein sollen.
Es war nur ein Asset Deal wie @Holt schon vermutete.
Gut, dies war ja zu erwarten, denn wer möchte schon die ganzen Schulden mit übernehmen müssen, wenn er die Assets ohne die Schulden kaufen kann und eine Insolvenz bedeutet ja meist, dass die Schulden den Wert der Assets übersteigen, da man andernfalls ja meist kurze Liquiditätsprobleme durch Kredite abfedern kann, die man bei verbliebenen Assets als Sicherheit i.d.R. auch bekommt.
Mag alles sein,für die paar Euro im normalen Preisbereich würde die Chance auf Neuware besser aussehen.
Das mag sein. Am Ende hängt es aber auch davon ab, was der Vorlieferant genau macht. Es ist ja nicht so, dass die OEM Platten keineswegs eine Herstellergarantie haben. Es gibt auch Fälle, wo der Hersteller auch OEM Platten mit der vollen Garantie an Großkunden verkauft, die kosten dann vermutlich etwas mehr als wenn er sie ohne jegliche Garantie kaufen würde, aber wenn dies ein Großhändler ist, dann kann er (und nur er) die defekte HDD dann bei Seagate auf Garantie tauschen. Statt direkt zurück zum Hersteller, muss dies dann aber eben den ganzen Weg vom Kunden über den Händler und den/die Großhändler zurück zu dem gehen, der die direkt von Seagate gekauft hat und entsprechend muss der Ersatz wieder auf dem Weg zurück zu Kunden. Das dauert dann natürlich und ein "Schwarzes Schaf" welches dann lieber eine kleine Abfindung zahlt und den Ersatz direkt weiterverkauft, reicht halt um dann als Kunde in Röhre zu schauen. Womöglich sieht der Händler die Abfindung dann sogar als kulant, da der Kunde das Geld in jedem Fall und schnell bekommt und er dann das Risiko trägt, dass der Garantiefall abgelehnt wird, sich also nicht als "Schwarzes Schaf" sieht.
 
Das mag sein. Am Ende hängt es aber auch davon ab, was der Vorlieferant genau macht. Es ist ja nicht so, dass die OEM Platten keineswegs eine Herstellergarantie haben. Es gibt auch Fälle, wo der Hersteller auch OEM Platten mit der vollen Garantie an Großkunden verkauft, die kosten dann vermutlich etwas mehr als wenn er sie ohne jegliche Garantie kaufen würde, aber wenn dies ein Großhändler ist, dann kann er (und nur er) die defekte HDD dann bei Seagate auf Garantie tauschen. Statt direkt zurück zum Hersteller, muss dies dann aber eben den ganzen Weg vom Kunden über den Händler und den/die Großhändler zurück zu dem gehen, der die direkt von Seagate gekauft hat und entsprechend muss der Ersatz wieder auf dem Weg zurück zu Kunden. Das dauert dann natürlich und ein "Schwarzes Schaf" welches dann lieber eine kleine Abfindung zahlt und den Ersatz direkt weiterverkauft, reicht halt um dann als Kunde in Röhre zu schauen. Womöglich sieht der Händler die Abfindung dann sogar als kulant, da der Kunde das Geld in jedem Fall und schnell bekommt und er dann das Risiko trägt, dass der Garantiefall abgelehnt wird, sich also nicht als "Schwarzes Schaf" sieht.
Darum sind es bei mir früher Toshiba MG Platten geworden...
 
Nee, du. Es war nur ein Asset Deal wie @Holt schon vermutete.
Mit Schuldenübernahme...
Forderungen, die vor oder während der Insolvenz entstanden sind, sind beim Insolvenzverwalter anzumelden. Forderungen, die danach entstehen, sind an die heise mindfactory GmbH zu richten.
 
Ja Toshiba hat da sehr vorbildlich gehandelt, aber leider sind wieder WD noch Seagate ihrem Beispiel gefolgt. Vielleicht weil sie auch OEM HDDs ohne Garantie verkaufen, wenn der Kunde dies so wünscht und lieber einen Rabatt als die Garantie möchte. Das Problem ist aber eben, dass es immer wieder OEM HDDs in den Handel schaffen, obwohl sie dort nie hätten ankommen sollen, da sie eigentlich für Kunden sind, die sie entweder selbst in ihren Rechenzentren nutzen oder in Geräte (z.B. NAS) verbauen, auf die sie dann ihre eigene Garantie für Endkunden anbieten. Dazu kommt, dass Händler selten kennzeichnen, was für HDDs sie verkaufen und es vermutlich oft selbst nicht wissen, weil sie es auch selbst (nicht mal in Stichproben) prüfen. Die kaufen halt, was der Großhandel am günstigsten anbietet um dann bei den Preisvergleichsportalen auch möglichst weit oben zu laden.

Eine alternative Lösung wäre, wenn die OEM HDDs eigene Produktnummern und EANs hätten, dann wäre es nicht möglich einfach OEM HDDs unerkannt anstelle von Retail HDDs zu handeln, denn dies ist worauf die Händler achten und wonach die Preisvergleichsportalen sortieren.
 
Mit Schuldenübernahme...
Forderungen, die vor oder während der Insolvenz entstanden sind, sind beim Insolvenzverwalter anzumelden. Forderungen, die danach entstehen, sind an die heise mindfactory GmbH zu richten.
Ist das so ? Ich kenne den exaten Kaufvertrag nicht. https://www.heisegroup.de/presse/Asset-Deal-10466150.html Kundenbeziehungen werden übernommen steht da.
Also mein Kundenkonto war danach weg musst mich neu registrieren, würde mal annehmen das dann die Bestellhistorie auch weg ist was will man dann machen ausser Kulanz.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mit Schuldenübernahme...
Nein, bei einem Asset Deal werden die Altschulden, also auch die Gewährleistungsansprüche von Verkäufen vor der Übernahmen nicht vom Käufer getragen, sondern gehen eben in die Insolvenz und man kann allenfalls hoffen, dass eine Bruchteil davon aus der Insolvenzmasse beglichen wird. Die Insolvenzmasse ist dann meist nur der Erlös aus dem Verkauf der Assets.

Forderungen, die vor oder während der Insolvenz entstanden sind, sind beim Insolvenzverwalter anzumelden. Forderungen, die danach entstehen, sind an die heise mindfactory GmbH zu richten.
Das alle Forderungen ab der Übernahme an das Unternehmen des Übernehmers bzw. das von ihm neu zum Zweck der Übernahme gegründete Unternehmen gehen, ist klar. Der Unterschied ist aber eben, was mit den Verbindlichkeiten passiert, die vorher angefallen sind und darunter fällt auch dieser Fall, die HDD wurde ja Ende 2024 und damit vor der Insolvenz gekauft.

Wäre es kein Asset Deal, hätte heise also Mindfactory mit allen Verbindlichkeiten übernommen (Share Deal), was meist für einen symbolischen Euro passiert, aber dafür können sich alle Gläubiger dann an dem Käufer schadlos halten, da er in diesem Fall eben alle Rechte und Pflichten vom alten Eigentümer übernimmt. Nur hat der alte Eigentümer den Weg in die Insolvenz ja nicht zum Spaß angetreten, sondern weil es eben keinen anderen Ausweg mehr gab und meist läuft es so, dass ein Unternehmen eben so überschuldet ist, dass die Banken keine weiteren Kredite mehr geben und dann Geld fehlt um Forderungen zu begleichen. Dann decken die Assets die Verbindlichkeiten in aller Regel schon nicht mehr und wer möchte das schon übernehmen? Da ist es eben billiger einen Asset Deal zu machen, die alten Verbindlichkeiten gehen den Käufer der Assets nichts an, dafür muss er natürlich mehr als einen symbolischen Euro bezahlen, muss aber nicht alles übernehmen und der Insolvenzverwalter wird dann aus dem Erlös des Verkaufs aller Assets (abzüglich seiner eigenen, fürstlichen Entlohnung) anteilig (nach Rank der Forderungen) an die Gläubiger verteilen.

Da es hier ein Asset Deal war und die HDD vor der Insolvenz gekauft wurde, hat der TE rechtlich allenfalls Forderungen gegen den Insolvenzverwalter, aber auch dies in der Praxis vermutlich nicht, da diese Forderungen innerhalb einer bestimmten Frist anzumelden sind und dies dürfte verstrichen sein. Aber da heise ja MF weiterführen will, wäre es halt schlecht für den Ruf, wenn sie gar nichts machen und daher bieten sie eben diese Lösung an, aber dies ist reine Kulanz.
Kundenbeziehungen werden übernommen steht da.
Nein, dies bedeutet nur, dass der Investor die Kundenkartei, Vertragsdaten, Aufträge und die Marke erwirbt, er wird aber nicht zum Vertragspartner der Altkunden. Deshalb dürften auch alle Kundenkonten gelöscht wurden sein und man muss sich neu anmelden, denn mit der Anmeldung stimmt man ja auch den AGB zu und die alte Zustimmung gilt eben gegenüber dem alten Unternehmen, welches ja immer noch insolvent ist. Obendrein könnte der Datenschutz da eine Rolle spielen. Es erfolgt aber eben kein automatischer Vertragsübergang wie es im Fall eines Share Deal der Fall ist, sondern das neue Unternehmen bzw. eben der Käufer der Assets muss mit den Kunden neue Verträge schließen. Das ist eben der Nachteil gegenüber dem Share Deal, wo der Käufer alle Rechten und Pflichten übernimmt und das Unternehmen mit allen Verbindlichkeiten, aber auch alle Verträgen komplett übernimmt, also das alte Unternehmen als neuer Eigentümer weiterführt.
 
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