Dank Kleinanzeigen und einiger Zufälle bin ich wieder einmal in einen für mich neuen Nebenarm des Kaninchenbaus abgebogen. Darum berichte ich hier, was passiert, wenn "IBM" und "Vintage" zu den abonnierten Suchen gehören. Boards zu finden, die man noch nicht kennt, ist ein Leichtes, doch auch neue Schaltertechniken gibt es nach Jahren im Hobby noch zu entdecken:
buckling sleeve, die Erste: IBM Model M4-1 "Space Saver"
Ein low-profile-Board aus dem Jahr 1993, mit einem explodierten 75%-Layout, TrackPoint und einem Logo, das an die große Model M erinnert, wollte ich gerne selbst testen. Viel an Infos findet man nicht, aber nach Konsum
dieses typing tests war es passiert, das Soundprofil hat mich angefixt. Der sehr nette Verkäufer hatte noch ein zweites Board mit buckling sleeve-Schaltern und auch einen recht unwiderstehlichen Paketpreis anzubieten. Der Deal war schnell vereinbart, das Gespräch ging weiter, Topre wurde ausschweifend betrachtet, als ich eine Nachricht von einem alten Discord-Bekannten (doomsday_device) erhielt, mit dem ich in den letzten Monaten oder Jahren oft und breit über Vintage-Boards gesabbelt hatte. Natürlich war es der Kleinanzeigen-Verkäufer, die Mecha-Welt ist und bleibt ein Dorf.
Die flache Space-Saver, wie sie im Video gennant wird, tippt sich sehr taktil und snappy. Die sehr flachen Tastenkappen lassen sich am Besten mit dem vergleichen, was man auf den ML-Schaltern einer Cherry G84 vorfindet. Die ISO-Enter, R-Shift und backspace sind ziemlich schmal, ein Problem ist das für mich aber nicht. Alle anderen Tasten sind in Standardgröße gehalten und machen das Board sehr alltagstauglich. Die Tipparbeit ist, verglichen mit ML, mit etwas höherem Geräuschpegel verbunden, aber erheblich leiser als buckling springs. Klickgeräusche gibt nur die Leertaste von sich, die hörbar vom Stabilisator ausgehen, bisher ist aber nicht die nötige Courage vorhanden, die große Taste abzuziehen.
Was aber abziehen muss, ist das coiled SDL-Kabel, da ich mich konsequent weigere, einen PS/2-auf-USB-Adapter zu nutzen für alles, was über einen ersten Test hinausgeht. Im produktiven Betrieb haben die Dinger für mich nichts zu suchen. Der auch vorhandene RJ45-Port bringt ebenfalls nicht weiter, also wird das mithilfe einer Anleitung von
geekhack zerlegt. Platz satt für ein CSC0101A vorhanden und auch sonst keine Probleme damit, vor dem Löten zeigt sich, auch der etwas ungewöhnlich haarige, aber sehr präzise TrackPoint kommt mit USB-C klar. Irgendwann mal muss das Gehäuse gebrighted werden, damit es mit den neuwertig aussehenden Kappen mithalten kann.
Während des Umbaus der M4-1 setzt sich die Topre-Unterhaltung fort und mündet schließlich in einem Verkauf meiner CoolerMaster Novatouch. Nicht, dass ich kein Topre mehr mögen würde, ich liebe die japanischen Gummitassen nach wie vor, aber TKL ist halt... meh, mein HHKB nutze ich viel lieber. Zudem hat er einen für mich erfreulichen Preis bezahlt, der sogar etwas höher lag als diese beiden Neuzugänge hier.
buckling sleeve, die Zweite: IBM SurePOS 300
Die gleichen Schalter wie in der M4-1 und ebenfalls ein TrackPoint, das waren bereits die Gemeinsamkeiten. Auf diesem Board mit mittelhohen WoB-Keycaps tippten ab ca. 2002 hauptsächlich Kassierer/innen, denn es war Teil eines Point-of-Sale-Systems. Die relegendables oberhalb der F-row fehlen leider, ansonsten hat der Gerät fast 25 Jahre ohne Benutzung bestens überstanden.
Sehr taktiles, snappy Tippgefühl auch hier, garniert von einer schön dumpf klingenden Leertaste. Einen typing test gibt es bei
egal0000's KeebMate. Die ISO-Enter wurde hier nicht verkleinert, andere Tasten sorgen dafür, dass ein 1800-Layout auf nur 34 cm Breite passt. Während die Numpad-Tasten groß sind wie bei jeder MX-Tastatur, mussten die Alphas schrumpfen und näher zusammenrücken. Das sorgt für langsameres Tippen oder mehr Fehler und lässt die SurePOS zu einer reinen Spaß-Tastatur werden. Num-row, F-row und Pfeiltasten sind noch kleiner als die Alphas.
Auch dieses Board wird über den SDL-Port angeschlossen, aber mit acht statt nur sechs Pins, weil Tastatur-Teil und Maus-Teil jeweils ihre eigene 5V-Leitung und auch Massekabel haben. Aber der flexible Kupferdraht, spendiert von ausgeschlachteten Schreibmaschinen, ist fein genug, dass zwei Litzen an einen Lötpunkt des CSC0101A passen. Auch hier macht der TrackPoint Spaß, auch wenn er ganz anders ist als der in der M4-1, nämlich aus Gummi, wie bei einem modernen ThinkPad.