Letztlich sind Fußballvereine halt Unternehmen, die um ihre Wirtschaftlichkeit ringen/spielen. Da ist jeder Fan für die am Ende einfach nur zahlender Kunde. Und das ist auch ok, denn sonst würden sie sich ja ins eigene Fleisch schneiden.
Ja und nein. Klar sind heutige Profivereine AUCH Unternehmen, gar keine Frage. Und Fans sind AUCH zahlende Kunden. Soweit korrekt.
Was du aber vollkommen außer Acht lässt ist die emotionale Bindung an die Region, die Menschen die dort leben, deren Traditionen und bei vielen auch die Verknüpfung zu den eigenen Vorfahren, die ebenfalls bereits Vereinsmitglieder oder Unterstützer waren.
Fußball soll ja kein Lebensinhalt sein, sondern ein Puzzleteil des eigenen Lebens. Man identifiziert sich mit "seinem" Verein, leidet und jubelt mit ihm. Und echte Fans sehen auch nicht die Funktionäre, Trainer oder Spieler als "den Verein", sondern eben den Verein selbst. Gegründet von einfachen Menschen FÜR einfache Menschen. Regional verwurzelt und voller Geschichten und Traditionen.
Das mag nicht für jeden Verein gelten (weswegen Kommerzvereine wie RB und Co. auch so verabscheut werden), aber für die echten Traditionsvereine sehr wohl.
So "Ultras" oder andere Hardcore-Fans... check ich nicht. Da fehlt mir(!!!) der Sinn dahinter.
Kann ich nachvollziehen. Ich war selbst viele Jahre in der Ultra-Szene unterwegs und genieße auch heute noch die immense Arbeit und deren Werke der Ultra-Szene. Sie bilden am Ende einfach das Herz eines jeden Supports. Das sind die, die auch in dunkelsten Stunden in der Kurve stehen, selbst wenn sie wissen, dass es nichts zu gewinnen gibt. Und sie sind es auch, die die (meistens) wundervolle und positive Stimmung in Stadien erzeugen, wenn all die "normalen, zahlenden Kunden" im Stadion verstummen oder pfeifen.
Trotzdem gibt es natürlich Ultras deren einziger, echter Lebensinhalt nur noch der Verein und Fußball ist. Das ist in meinen Augen dann auch bedenklich, aber hey: Jeder darf selbst entscheiden wie er/sie sein Leben leben möchte. Und wenn ihnen das reicht, wer bin ich mich aufzuspielen und mit dem Zeigefinger auf sie zu zeigen? Jeder ist seines Glückes Schmied.
Ich bin nach wie vor Vereinsmitglied, emotional und menschlich mit meinem Verein verbunden. Aber es ist nicht mein einziger Lebensinhalt. Balance ist das Schlagwort.
Für mich selbst betrachtet, suche ich gerne nach Aktivitäten, mit denen ich mich selbst ein bisschen verbessern oder etwas dazulernen kann.
Sei es am Fahrrad zu schrauben oder damit neue Gegenden zu erkunden, was über Sport und/oder Therapie lesen, vielleicht mal am Rechner basteln, zocken natürlich auch immer mal wieder gerne (hier macht es halt die Interaktivität aus, die mir beim Fußball fehlt)... Letztlich alles, was mich ein wenig wachsen lässt.
Und das halten auch viele Fans und sogar Ultras so, dürfte doch logisch sein, oder?
Jeder von uns macht verschiedenste Phasen seines Lebens durch. Mal hat dieses, mal hat jenes Priorität im Leben. Persönliches Wachstum und Erweiterung des eigenen Horizonts gehören da so oder so bei (fast) allen dazu. Nur weil du es von außen nicht sehen kannst heißt das also noch lange nicht, dass es nicht so wäre. Es bedeutet nur, dass du nur siehst was du sehen möchtest. Was widerum einiges über dich verraten könnte.
Aber da ich dich nicht kenne - so wie du die absolute Mehrheit aller Fußballfans nicht kennst - wäre es anmaßend da Behauptungen aufzustellen.
Am besten ist es also man konzentriert sich immer primär auf sich selbst und begegnet allen Menschen mit Respekt. Auch wenn es nicht immer einfach ist, das ist auch klar. Und niemand von uns ist perfekt.
