Nö, der Fall ist gerade nicht kompliziert, da Unfallermittler anhamd der Trefferhöhe sehr gut feststellen können wer wem reingefahren ist.
Leider ist das nicht möglich:
Eine Höhendifferenz zwischen den wechselseitigen Kontaktpartnern beruht (fast immer) auf dem fahrdynamischen Zustand eines der beiden (oder beider) Fahrzeuge. Wird ein Fahrzeug aus der Vorwärtsfahrt heraus (voll/stark) verzögert, so senkt sich durch die dynamische Achslastverschiebung die Front ab und das Heck hebt sich an.
Analog dazu ist es so, dass sich durch starkes rückwärtiges Beschleunigen ebenfalls das Heck anhebt und die Front absenkt.
Ergibt die Zuordnung der Kontaktbereiche, dass zwischen den korrespondierenden Schäden kein Höhenversatz vorliegt, so waren weder der hintere (vermeintlich auffahrende) Pkw stark gebremst, noch der vordere stark beschleunigt. In diesem Fall lässt sich die Kollision also sowohl mit einem zurückrollen des Vordermanns als auch mit einem Vorwärtsrollen des Hintermanns in Einklang bringen. Für beide Fälle findet sich – auch wenn man es nicht glaubt – oft im Straßenverkehr eine einfache Erklärung. Ablenkung durch Handy o.Ä. und Fuß vom Automatik-Bremspedal etc. pp.
Ist es hingegen so, dass eine dynamische Höhendifferenz zwischen den Schadenmerkmalen festgestellt wird, so muss sich diese im fahrdynamischen Zustand begründen. Ob der Hintermann (stark gebremst) aufgefahren ist – typisch für einen Auffahrunfall – oder der Vordermann möglicherweise Vorwärts und Rückwärtsgang vertauscht hat und dann (typisch fürs Anfahren an der Ampel) versehentlich zügig zurückgesetzt hat, lässt sich rein anhand der Höhenlage der Schäden nicht unterscheiden. Genau das ist aber dann oft der wechselseitige Vortrag.
Ich weiß, man kann dann argumentieren, welches Szenario im Alltag „wahrscheinlicher“ ist usw. Aber das hat nichts mit der rein technischen Analyse zu tun sondern ist reine Wertung »aus dem Bauch raus«. Beweissicher zu ermitteln, wer stand und wer auffuhr ist rein technisch nicht möglich. Die einzige Option kann sein, wenn der dynamische Höhenversatz größer ist, als ihn ein Fahrzeug allein überwinden kann:
Wenn Fahrversuche bspw. ergeben, dass sich das Heck des Vordermanns selbst bei Vollgas maximal 5 cm anhebt, die Front des Hintermanns aber bei einer Vollbremsung 8 cm absenkt, dann kann eine Höhendifferenz von über 5 cm ein Hinweis darauf sein, dass der Hintermann vollgebremst aufgefahren ist. Das ist aber quasi nie der Fall und eine absolute Ausnahme.