Nach etwa 5 Jahren mehr oder weniger reibungslosen Betriebs war ich nun gezwungen, das 13 Jahre alte Netzteil auszutauschen, bevor es irgendwas beschädigt. Dahingehend habe ich hin und her überlegt, ob ich direkt ein größeres Update vornehmen sollte.
Dazu hatte ich mir folgendes herausgesucht:
- Mainboard: MSI PRO B760-P DDR4 II (ca. 140 €)
- CPU: Intel Core i5-14600 (ca. 300 €)
- CPU-Kühler: Noctua NM-M1-MP83 Mounting Kit (für den vorhandenen Noctua NH-U9B SE2) (ca. 25 €)
- RAM: Kingston FURY Beast UDIMM 32GB Kit (ca. 250 €)
Ohne Netzteil wäre ich da schon bei
715 € gelandet. Der einzige wirkliche Vorteil wäre hierbei jedoch gewesen, Plex mit Videotranscodierung nutzen zu können. Aber das nutze und brauche ich derzeit und auf absehbare Zeit gar nicht. Also überlegte ich, ob es sinnvoll wäre, Hardware meiner Workstation auf den Server umzuziehen und die Workstation auf AM5 zu heben. Doch da landete ich letztlich irgendwo bei 2.400 € (alleine 64 GB DDR5-RAM sind ja momentan jenseits der 700 €) und hätte dadurch trotzdem kaum einen in der Praxis sichtbaren bzw. nutzbringenden Vorteil gespürt. Vor allem, weil ich derzeit kaum noch zocke und ob im Alltag eine Videokonvertierung nun 3 oder 6 Minuten braucht, interessiert mich im Grunde nicht.
Also hab ich weiter überlegt. Es musste ja definitiv ein neues Netzteil für den Server her. Nach einigem Hin und Her und weil ich für die Workstation ein neues Gehäuse eingeplant hatte, habe ich mich dann dazu entschlossen, ein neues Netzteil für die Workstation zu besorgen und deren bisheriges in den Server umzuziehen. Es war/ist ein
Corsair AX850 - qualitativ 2 Stufen über dem bisherigen be quiet.
Gleichzeitig schaute ich mich nach einem Ersatzboard um, weil das vorhandene ja nun ebenfalls schon 13 Jahre auf dem Buckel hatte. Fündig wurde ich beim recht günstigen und unbenutzen
ASUS P9D-M - ein waschechtes Server-Board. So brauchte ich lediglich eine frische
CR2032-Batterie und konnte CPU, CPU-Kühler und den RAM weiternutzen (dachte ich zumindest).
Da ich schon mal dabei war, fand ich beim Analysieren heraus, dass mein Server gar nicht in die tieferen C-States kommt, weil die SAS-Karte dies nicht zulässt. Grundsätzlich verbraucht die SAS-Karte selbst im absoluten Festplatten-Leerlauf permanent 10 bis 15 Watt nur für sich. Da ich nun aber "nur" 12 Slots der 24 HDD-SATA-Plätze des InterTech-Gehäuses belegte (und in den nächsten Jahren die Anzahl der Platten weiter reduzieren möchte), brauchte ich lediglich 6 weitere SATA-Anschlüsse am (neuen) Mainboard. Genau die bekam ich durch eine
ASMedia ASM1166 PCIe 3.0 x4-Erweiterungskarte. Um die korrekt anschließen zu können, brauchte ich "nur" noch ein weiteres passendes Reverse-Kabel. Die vor 5 Jahren gab es nicht mehr, aber ich fand das
StarTech mini SAS x4 [SFF-8087] auf 4x SATA Kabel (
Link). Dieses Konstrukt dürfte sich bereits in 1-2 Jahren amortisieren. Ich muss lediglich die HDDs auf exakt 3 Backplane-Reihen aufteilen.
Ferner wollte ich auch die 13 Jahre alte 500 GB große Samsung 840 Evo SSD ersetzen, die ich als Cache genutzt hatte (wie es der Zufall wollte, war darauf auch eine einzelne größere Datei nicht mehr lesbar, also war mein Instinkt richtig). Dafür holte ich mir eine
GLOTRENDS PA09-HS NVMe zu PCIe 4.0 X4 Adapter-Karte und eine
Kingston KC3000 PCIe 4.0 NVMe SSD 1TB. Das Board hat zwar nur 3.0 x8, 3.0 x4 und 2.0 x4, aber es gab keine bessere/günstigere SSD mit DRAM. Mit dem Wechsel der SATA-SSD auf PCIe-NVMe wurde auch ein HDD-SATA-Slot frei.
Zuguterletzt wollte ich gleich noch ein wenig Ordnung in die ganze Kabelage bringen und bestellte mir dafür ein
Noctua NA-SC1 Sx2 3-Wege-Lüfterverteilerkabel für 4-Pin PWM.
Beim Umbauen stockte ich das erste Mal beim Montieren des CPU-Kühlers, bis mir klar wurde, dass das Bracket hinten am alten Board gar nicht zum Board selbst gehörte, sondern eben zum Kühler und ich genau das brauchte. Es war jedoch dermaßen fest, dass selbst Anföhnen nicht half. Erst nachdem ich wenige Minuten sanften seitlichen Druck ausgeübt habe, löste es sich endlich. Dann kamen mir allerdings Bedenken, da der CPU-Kühler doch recht nah an den RAM-Bänken saß. Es waren ca. 2 mm Abstand. Das war aber dann gar nicht das Problem, sondern dass das Board ausschließlich mit ECC-RAM betrieben werden konnte. Die Angabe auf
geizhals.de ist folglich falsch! Nachdem ich kurz mittelschwer ausgeflippt bin, habe ich mich dann damit abgefunden, nochmal 60 € für
32 GB DDR3-ECC-RAM in die Hand nehmen zu müssen und diesen kurzerhand
bei Ebay geschossen. 3 Tage später durfte ich dann weitertüfteln, die ganzen überflüssigen Kabel und Adapter verschwanden - endlich herrscht eine wunderbare Ordnung.
Aber ach! Der alte NEC Monitor wollte nicht mehr. Geräuschlos schied er einfach dahin. Eigentlich hat das Board ja auch Fernwartung... aber ACH!² - Natürlich geht die nicht einfach so! Man braucht hier erst noch einen kleinen Fitzel-Adapter (
ASMB7-iKVM), den man auf's Board stecken muss, damit der hintere Management-Port überhaupt aktiv geschalten wird. Natürlich gibt es diesen Stecker nur noch
in chinesischen Gefilden (ca. 20 €) ... die Lieferung dauert halt 1-2 Monate. So lange wollte ich nun nicht noch warten. Glücklicherweise hatte ich mir vor 5 Jahren für 20 € ein
aktives VGA-HDMI-Adapterkabel (neben VGA einfach USB mit anschließen) besorgt. ABER ACH!³ - Die Übertragung war dermaßen träge. Erst dachte ich, meine uralte PS2-Tastatur sei auch hinüber, doch nein... das BIOS baute sich tatsächlich deutlich sichtbar zeilenweise auf. Beim Navigieren (bspw. Pfeil runter auf neue Zeile) aktualisierte sich eben diese in den nächsten 5 Sekunden. Beim Wechsel des Bildes (oder Sprung auf eine überlaufende Zeile, so dass alles 1 Zeile nach unten rutschte) baute sich das gesamte Bild neu auf, was gut und gerne 1-2 Minuten dauerte. Ich hab mir das für 30 Minuten angetan (musste ja nur 1x da durch und alles einstellen... dachte ich) bis ich den Unraid-Stick mal absteckte (wollte die Datei fürs BIOS-Update draufknallen) und plötzlich alles ganz normal flutschte. Also was war denn nun los!? Das InterTech hat lediglich USB 3.0-Front-Anschlüsse. Das Board/BIOS kam jedoch mit dem Stick nur in USB 2.0 klar. Selbst das Aktivieren des EHCI- & XHCI-Hand-offs im BIOS lösten das Problem nicht. Ich musste den Stick in einen USB 2.0-Port stecken - entweder direkt aufs Board oder an einen der beiden hinteren Anschlüsse. Damit wurde die Videoübertragung nicht mehr gestört und ich konnte wunderbar alles einstellen bzw. das BIOS updaten. ABER A-C-H!²³ Damit ich letztlich auch vom USB-Stick booten konnte, musste ich ihn zwingend von UEFI auf Legacy umstellen und die Boot-Einstellungen (CMS) im BIOS ebenso. Mit gemischten Einstellungen kam er überhaupt nicht klar, so dass er dabei sogar das Videosignal nicht mehr korrekt ausgab und nur ein CMOS-Reset half.
Nach all diesen kleinen Hürden, die das Leben so reizvoll machen, hat letztlich aber alles funktioniert: der RAM wurde sofort reibungslos erkannt, das Piepen verschwand, die PCIe-Karten funktionierten, das BIOS ließ sich updaten und sinnvoll einstellen. Er bootete schließlich automatisch in Unraid. Doch da erwartete mich der nächste Schock: 2 Platten wurden nicht mehr erkannt. Nachdem ich diverse Platten hin- und hergetauscht hatte, war ich insofern beruhigt, dass die Platten schon mal nicht kaputt waren, sondern irgendwas mit der Verbindung nicht stimmte. Ich habe kurzerhand alle Molex- & SATA-Kabel nochmal kurz fest in die Anschlüsse gedrückt und dabei zwar keinerlei Veränderung bemerkt, aber plötzlich ging dann alles.
Alle Platten wurden erkannt. Die NVMe als neuer Cache eingerichtet. Die Docker auf die neue SSD geschoben (sie mussten danach via Vorlagen neu hinzugefügt/installiert werden - dabei wurden aber alle Einstellungen und Daten beibehalten/wiedergefunden).
Schließlich habe ich noch die Lüfter im BIOS und in Unraid eingestellt, d.h. in der
boot/config/go die Sensoren angepasst:
Code:
modprobe coretemp
modprobe nct6775
... und danach in
Einstellungen -> Fan Auto Control die Lüfter-Steuerungsfunktion einstellen. Dabei am Besten neben den Server setzen und beobachten, ob sich die richtigen Lüfter schneller/langsamer drehen.
Netzwerk war übrigens überhaupt kein Problem. Einfach im Lancom-Router die MAC der IPv4-BOOTP-Station umgestellt und alles wurde wie gehabt angewandt (Firewall, Routings, whatever). Wenn irgendwann der kleine Fernwartungsstecker eintrifft, braucht es dann ein separates Netzwerkkabel mit separaten Einstellungen für den Management-Port.
Zusammengefasst habe ich das besorgt:
- Mainboard:
ASUS P9D-M (39 €)
- ECC-RAM:
Micron/Crucial 32 GB DDR3-1600 PC3L-12800E-11-11-E3 2Rx8 1.35V (4x CT102472BD160B) (60 €)
- Fernwartungs-Modul:
ASMB7-iKVM (22 €, Lieferung dauert noch)
- SATA-Karte:
ASMedia ASM1166 PCIe 3.0 x4-Erweiterungskarte (32 €)
- SATA-Reverse-Kabel:
StarTech mini SAS x4 [SFF-8087] auf 4x SATA Kabel (SAS8087S4R50) (24 €)
- PCIe-NVMe-Karte:
GLOTRENDS PA09-HS NVMe zu PCIe 4.0 X4 Adapter (16 €)
- NVMe SSD:
Kingston KC3000 PCIe 4.0 NVMe SSD 1TB (164 €)
- 3er-Lüfterverteiler:
Noctua NA-SC1 Sx2 4-Pin PWM (10 €)
- Wärmeleitpaste:
ARCTIC MX-6 (8g) (8 €)
- Reinigungsalkohol:
750 ml Isopropanol (99,9%) (7 €)
So habe ich insgesamt
382 € ausgegeben, aber sinnvoller und trotzdem für die nächsten Jahre Ruhe. Zumindest habe ich bis auf Weiteres keinerlei Druck mehr, akut etwas umstellen/updaten zu müssen.