> > > > Nach GSM- nun auch UMTS-Verschlüsselung geknackt

Nach GSM- nun auch UMTS-Verschlüsselung geknackt

Veröffentlicht am: von

ss7-logoKarsten Nohl hat sich bereits einen Namen im Bereich der Sicherheitsforschung gemacht und ist unter anderem dafür verantwortlich, dass das GSM-Mobilfunknetz seit Jahren als nicht mehr sicher gilt. Sein Team der SRLabs ist auch für den Entdeckung einer Sicherheitslücke verantwortlich, die unter anderem sämtliche USB-Geräte anfällig für Schadsoftware macht. Auf dem zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindenden 31C3 des Choas Computer Clubs war und ist ein Vortrag geplant, der sich mit der Verschlüsselung von UMTS beschäftigt. Nun hat Nohl im Vorfeld bestätigt, dass auch das UMTS nicht mehr als sicher gelten darf, denn auch hier ist die Verschlüsselung geknackt worden.

Einfallstor ist dabei das SS7 (Signal System 7), welches von den Anbietern dazu verwendet wird, zahlreiche Dienste zu organisieren. Es handelt sich beim Angriff auf UMTS also nicht um einen direkten Angriff, sondern um einen Seitenangriff. Das SS7 dient den Anbietern unter anderem zur Anmeldung eines Mobiltelefons in einem bestimmten Netz und einer Funkzelle, aber auch zum Austausch von Daten zum Roaming und Call-Routing. SMS sind Abfallprodukte dieser Organisationsstrukturen und basieren damit ebenfalls auf SS7.

Befindet sich ein Teilnehmer in einem verschlüsselten UMTS-Netz, wechselt dabei aber die Funkzelle, werden über SS7 die Verschlüsselungsdaten von einer Vermittlungsstelle zur anderen übertragen. Dieser Prozess findet automatisiert statt und die Mobilfunkanbieter haben weltweit dazu eine Prozedur entwickelt. Wer sich also innerhalb der SS7-Strukturen bewegt, gelangt unter Umständen an die Verschlüsselungsdaten der UMTS-Gespräche.

UMTS-Basisstation
UMTS-Basisstation (Bild: Wikipedia)

Um ein konkretes Angriffsszenario darzustellen, versuchten Karsten Nohl und seine Kollegen an die Verschlüsselungsdaten des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek zu kommen. Als jemand, der Zugang zum SS7-Netz hat, gelang dies auch, da die Telekom die entsprechenden Daten automatisiert lieferte. Um Zugang zum SS7-Netz zu bekommen, gab man sich als ausländische Vermittlungsstelle aus.

"Unternehmen, die zum SS7-Netz Zugang haben, können diese Kommunikationsschüssel abgreifen. Darunter sind inzwischen auch zwielichtige Konzerne und Privatpersonen, die Zugänge zu dem Netz gegen Geld untervermieten. Mit dieser Methode lassen sich neben SMS auch Telefonate entschlüsseln und abhören. Weshalb die deutschen Netzbetreiber diese Informationen mit der ganzen Welt teilen, ergibt keinen Sinn, denn ich beginne mein Telefonat ja nicht in Berlin und führe es in New York weiter."

Laut Deutscher Telekom ist der Aufwand für einen solchen Angriff extrem hoch. Man benötige spezielle Hardware und auch ein Zugang zu internen Netzen der Anbieter sei notwendig. Die NSA- und BND-Skandale der vergangenen Wochen und Monate haben aber sicherlich gezeigt, dass von keinem Geheimdienst ein Aufwand oder eine Investition gescheut wird, um an die gewünschten Zugänge und Informationen zu gelangen. Wenn dies selbst erfahrenen Sicherheitsforschern gelingt, dürfte die geringe Hürde für ein solches Unternehmen deutlich werden.

Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2 und E-Plus) haben auf Anfrage von Heise Online bestätigt, dass man die Sicherheitslücke in den eigenen Netzen bereits geschlossen habe. Wie dies gelungen sei, wird allerdings nicht erläutert. Zwar wäre es denkbar den automatisierten Prozess einzuschränken, doch einige über SS7 bereitgestellte Netzdienste lassen sich sicherlich nicht so einfach abschalten oder einschränken. Eine weltweite Zusammenarbeit der Netzbetreiber sei in dieser Hinsicht notwendig. Natürlich werde man aber weiterhin versuchen, das eigene Netz so sicher wie möglich zu machen. Dazu würde man zunächst einmal die unberechtigten Anfragen im SS7-Netz blockieren.

Social Links

Ihre Bewertung

Ø Bewertungen: 0

Tags

Kommentare (4)

#1
customavatars/avatar149396_1.gif
Registriert seit: 29.01.2011

Oberbootsmann
Beiträge: 871
Es wurde nicht die Verschlüsselung direkt geknackt sondern man hat einen Weg gefunden wie man an die passenden Schlüssel kommt!
#2
customavatars/avatar135109_1.gif
Registriert seit: 24.05.2010

Kapitänleutnant
Beiträge: 1800
Da die Schlüssel prinzipbedingt darüber immer verfügbar sind, ist die Verschlüsselung auch nichts mehr wert.
#3
Registriert seit: 30.06.2004

Oberstabsgefreiter
Beiträge: 395
Mikrozellen taugen halt prinzipiell nichts. Lieber wieder die guten alten A-Netz Zellen mit 10 km Durchmesser.
#4
Registriert seit: 19.01.2007

Vizeadmiral
Beiträge: 6807
Zitat TheBigG;22979603
Da die Schlüssel prinzipbedingt darüber immer verfügbar sind, ist die Verschlüsselung auch nichts mehr wert.
das stimmt zwar in der Praxis aber macht eine lösung einfacher ;)
Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein!

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Japan Display entwickelt komplett durchsichtigen Fingerabdrucksensor

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/JDI

    Japan Display (JDI) hat einen neuen Fingerabdrucksensor entwickelt, welcher laut Hersteller komplett durchsichtig integriert werden kann. Aufgrund der transparenz sei es für die Hersteller möglich, den Sensor direkt im Display zu verbauen. Vivo hat vor kurzem ein erstes Smartphone mit einem... [mehr]

  • Huawei P20 Pro im Test: Es braucht mehr als Notch und Top-Kamera

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/HUAWEI_P20_PRO_02

    Seit nun mehr zwei Jahren zählt Huawei zur Spitzengruppe, wenn es um die Qualität einer Smartphone-Kamera geht. Die seinerzeit geschlossene Kooperation mit Leica sowie der Einsatz einer Dual-Kamera-Lösung entpuppten sich als Erfolg, den man seitdem behutsam weiterentwickelt hat. Mit dem... [mehr]

  • LG V30 im Test: Das Smartphone für Musikfans

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/LG_V30_TEST

    Gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten hat es LGs V30 in den Handel geschafft. Nachdem Interessierte in Asien und Nordamerika teilweise schon seit Wochen zugreifen können, wird das neue Aushängeschild der Südkoreaner erst jetzt auch in Deutschland angeboten. Unglücklicher könnte das Timing... [mehr]

  • Honor 7X im Test: Dem Zwilling des Mate 10 lite fehlt Eigenständigkeit

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/HONOR_7X_TEST

    So anders Honor auch sein will: An der Gesetzmäßigkeit regelmäßiger Produktwechsel kommt man nicht vorbei. Entsprechend erhält das Honor 6X nach fast genau einem Jahr eine Ablösung. Neben den üblichen Änderungen im Innern gibt es ein neues Display sowie ein anderes, doch sehr vertraut... [mehr]

  • Samsung Galaxy S9+ im Test (1/3): SoC und Design sind keine Argumente

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/SAMSUNG_GALAXY_S9_TEST

    Auf das komplett neue Galaxy S8 folgt das nur leicht aufgefrischte Galaxy S9. Mit neuem SoC und neuer Kamera soll der Erfolg des Vorgängers wiederholt, im besten Fall sogar übertroffen werden. Doch garantiert ist das nicht, wie erste Reaktionen unmittelbar nach der Vorstellung des... [mehr]

  • Honor View 10 im Test: Der Preis verzeiht manche Schwäche

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/HONOR_VIEW_10

    Warten kann sich oftmals lohnen. Das gilt vor allem dann, wenn es dabei um ein Smartphone von Huawei geht. Denn nicht nur, dass die P- und Mate-Modelle dem üblichen Preisverfall ausgesetzt sind, die Schwestermarke Honor bringt in schöner Regelmäßigkeit technisch sehr ähnliche Modelle... [mehr]