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Apple passt Gewährleistungsregelungen an EU-Recht an

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Das kalifornische Unternehmen Apple war in den vergangenen Monaten aufgrund seines Umgangs mit den europäischen Gewährleistungsrechten immer wieder in der Kritik, doch inzwischen hat das Unternehmen reagiert und entsprechende Änderungen eingeleitet. Vor wenigen Tagen überarbeitete Apple seine Bestimmungen und passte die Formulierungen an die Gesetze der EU an. Aber um was ging es bei diesem Streit zwischen europäischen Verbraucherschützern und dem Unternehmen überhaupt?

Kurz zusammengefasst, kritisierten einige Verbraucherschutzorganisationen die Art, wie Apple sein Garantieversprechen für die konzerneigenen Produkte auf den eigenen Internetseiten darstellte. Die Formulierungen von Apple waren nach Ansicht der Verbraucherschützer dazu geeignet, Käufer darüber im Unklaren zu lassen, dass neben der Apple-eigenen Garantie in der EU auch ein Gewährleistungsrecht besteht, welches zwei Jahre lang gewisse Ansprüche bei Defekten gibt und völlig unabhängig von etwaigen Garantien ist.

Diesen Missstand hat der Konzern nun behoben, in dem er seine Formulierungen überarbeitet und klarer auf die europäische Rechtslage hinweist.

Das ist an der Nachricht aber nicht das interessanteste. Vielmehr scheint Apple im Rahmen dieser - im Grunde rein textlichen Anpassung - tatsächlich auch die Rechte der europäischen Verbraucher verbessert zu haben. So berichtet iFun mit Verweis auf mehrere Quellen, dass Apple nicht bloß seinen Sprachgebrauch dem geltenden Recht angepasst hat, sondern daneben bei gewissen, eindeutigen Hardwarefehlern Rechte gewähren will, die über die üblichen Gewährleistungsrechte hinausgehen.

In diesem Zusammenhang soll ein kleiner Exkurs erlaubt sein. Oft sorgt die ungenaue Verwendung der Begriffe "Garantie" und "Gewährleistung" hier nämlich für Verständnisschwierigkeiten. Dabei ist der Unterschied schnell erklärt:

Eine Garantie ist eine freiwillige Leistung der Herstellers, der für eine von ihm frei wählbare Zeit verspricht, dass ein Produkt frei von bestimmten Fehlern ist. Diese Garantie spricht Apple für 1 Jahr aus und bietet darüber hinaus zur Verlängerung seinen sogenannten "Apple Care Protection Plan" an. Weist ein Gerät in diesem Zeitpunkt einen Fehler auf, wird dieser gemäß der Garantie beseitigt, ohne dass es darauf ankommt, wann dieser Fehler zum ersten mal aufgetreten ist. Diese Garantie ist freiwillig, weder gesetzlich vorgeschrieben und es gibt auch keine zeitliche Vorgaben über ihre Dauer.

Etwas völlig anderes ist hingegen die Gewährleistung. Diese ist gegenüber Privatpersonen nicht einschränkbar und auch sonst nicht von Entscheidungen der Verkäufer und Hersteller abhängig. Seit 2002 gilt in Deutschland als Umsetzung einer europäischen Richtlinie eine zweijährige Gewährleistungspflicht, während der der Käufer von dem Verkäufer Mängelbeseitigung verlangen kann. Der Haken: Die Gewährleistung greift nur bei Mängeln, die bei Übergabe der Sache schon vorlagen. Der Käufer muss daher etwa bei einem Hardwarefehler nach 9 Monaten beweisen, dass dieser Fehler auf einem Problem beruht, dass bereits bei Übergabe vorlag. Das dies in vielen nicht Fällen gelingen wird, dürfte einleuchten und vermutlich auch bei vielen Usern schon für Verdruss gesorgt haben. Um hier eine gewissen Entlastung zu gewähren, gilt zum Schutz der Verbraucher innerhalb der ersten 6 Monate nach der Übergabe, dass der Verkäufer beweisen muss, dass der Mangel nicht bei Übergabe vorlag. Gelingt dem Verkäufer dies nicht, wird zugunsten des Käufers vermutet, dass der Mangel schon bei Übergabe vorlag. In den restlichen 18 Monaten bleibt aber der Käufer in der Beweispflicht.

Zurück zu Apple und der Auseinandersetzung mit der EU: Auf die einjährige Garantie hat dies alles überhaupt keinen Einfluss. Man hüte sich also davor, zu glauben, Apple würde von nun an jedes Gerät mit zweijähriger Garantie ausliefern. Stattdessen will das Unternehmen aber wohl doch gewisse Erweiterungen vornehmen. So scheint es, dass über die europäischen Pflichten hinaus, "nachvollziehbare" Hardwarefehler wie kaputte Home-Buttons und An-/Ausschalter innerhalb der Gewährleistungszeit anstandslos repariert werden. Das Entscheidende ist dabei: Apple würde damit darauf verzichten, von den Käufern zu verlangen, dass diese beweisen, dass der Fehler schon bei Übergabe vorhanden oder jedenfalls angelegt waren. Gegenüber den europäischen Gewährleistungsansprüchen wäre dies eine wirkliche Verbesserung.

Um diese erweitere Gewährleistung in Anspruch zu nehmen, muss (so die Quelle) das entsprechende Gerät aber in einem Apple Store oder im Apple Online Store gekauft worden sein. Das ist jedoch nicht verwunderlich, schließlich greift das Gewährleistungsrecht ohnehin nur zwischen Verkäufer und Käufer. Erwirbt man sein Apple Produkt aber von anderen Verkäufern, tritt Apple nur als Hersteller auf und die Gewährleistungsrechte greifen nur gegenüber dem eigentlichen Verkäufer. Zudem können die Ansprüche nur von Privatpersonen gelten gemacht werden. Sollte ein Gerät einen Fehler aufweisen, muss dieser innerhalb der zweijährigen Gewährleistung auftreten. Sollten beanstandete Geräte jedoch innerhalb der Gewährleistung erkennbare optische Schäden haben oder die Indikatoren für die Feuchtigkeit verfärbt sein, wird der Anspruch seitens Apple abgelehnt. Auch eine vorherige Reparatur durch einen dritten Dienstleister würde zu einem Verlust der Gewährleistung führen.

Vielen Dank an den User DeathMetal für die Bereitstellung des Textes!

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Kommentare (12)

#3
Registriert seit: 05.01.2010

Kapitän zur See
Beiträge: 3217
Im Text wird mal wieder grundsätzlich Gewährleistung (gesetzliches Recht des Verbrauchers gegen den Händler) und Garantie (freiwilliges/vertraglich zugesichertes Recht des Herstellers) durcheinander geworfen. Apple KANN die Gewährleistung nicht verändern und es steht außer frage, dass sie sich in ihren eigenen Stores (sprich wo Apple selbst Händler ist) daran halten müssen.
#4
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Registriert seit: 13.03.2007
Happiness Island
Flottillenadmiral
Beiträge: 4370
Gilt das auch für Geräte die letztes Jahr gekauft worden sind, oder erst ab die die ich ab der Änderung kaufe?
#5
Registriert seit: 25.01.2013

Matrose
Beiträge: 18
gilt das auch für Geräte die ich bei der Telekom, O2 oder so gekauft habe? Also die ich zu einem Vertrag dazu bekommen habe.
#6
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Registriert seit: 01.05.2013
Leipzig
Obergefreiter
Beiträge: 92
Zitat
Um die übliche Gewährleistung in Anspruch zu nehmen, muss das entsprechende Gerät aber in einem Apple Store oder im Apple Online Store gekauft worden sein.


:stupid:
Was ist denn der Unterschied zu den anderen Geräten, die aus Verträgen stammen oder bei Amazon oder wo anders gekauft wurden -_-
#7
Registriert seit: 16.07.2007

Hauptgefreiter
Beiträge: 252
weil die Gewährleistung vom Verkäufer ausgeht.
Bei Amazon eben Amazon bei T-Mobile eben die.

Der Verkäufe muss die Gewährleistung geben nicht der Hersteller.
#8
customavatars/avatar83208_1.gif
Registriert seit: 22.01.2008
Lucis
Vizeadmiral
Beiträge: 8082
In dem Fall hat der Händler die 2 jährige gesetzliche Gewährleistung zu erbringen.

Gewährleistung ist nicht gleich Garantie.

Edit: Zu langsam.
#9
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Registriert seit: 27.02.2010
Schläfrig-Holzbein
0815-was-so-läuft-Radio-Pop-Rock
Beiträge: 13856
Text wurde angepasst:

Und an alle Fachkräfte unter uns: Das ist kein juristisches Lehrkapitel, sondern eine aufs Nötigste herunter gebrochene Stellungnahme.

Wer mehr über Gewährl. vs. Garantie usw. lernen will, dem empfehle ich ein entspanntes Jurastudium oder Wikipedia :D
#10
Registriert seit: 17.12.2011

Flottillenadmiral
Beiträge: 4348
Zitat
[COLOR=#000000][FONT=verdana]Sollten beanstandete Geräte jedoch innerhalb der Gewährleistung erkennbare optische Schäden haben[/FONT][/COLOR]

Wie lächerlich ist das bitte schön?
Was hat ein Kratzer mit einer defekten HDD/SSD zu tun wohl gar nichts. Apple macht sich in meinen Augen damit total lächerlich.

Ich denke dabei vor allem an iPhone.
#11
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Registriert seit: 27.02.2010
Schläfrig-Holzbein
0815-was-so-läuft-Radio-Pop-Rock
Beiträge: 13856
Es geht sicherlich darum, eigenverschuldete Schäden auszuschließen. Aber bis da die genauen Regelungen von Apple klar sind, weiss keiner genaueres.

Sieh es mal andersherum: Sie könnten sich nach 6 Monaten auch stur auf die Beseislast zurückziehen. Und für einen großen Teil der typische. Hardwarefehler wie es Homebutton, Lautstärketaste usw. sind, wär das durchaus eine Verbesserung.

Aber wir müssen uns nicht darüber streiten, dass wir alle glücklicher wären, wenn sie statt so einem Mittelweg einfach die Garantie auf 2 Jahre raufsetzen. Der Grund dafür ist aber auch klar: Dann müsste JEDES Gerät gewartet werden und nicht nur die direkt bei Apple gekauften - das dürften nämlich die wenigsten sein.
#12
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Registriert seit: 10.06.2008
Emsland / Bochum
Admiral
Beiträge: 10722
Naja wieviel sie davon umsetzen "wollen" und wieviel sie letztendlich umsetzen wird sich zeigen.

Letztendlich hängt es immernoch vom Mitarbetier ab der den Fall entscheidet und wie seine Dienstanweisung in dem Fall lautet.
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