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Über 1.367 Bitcoin gestohlen, alte Firmware macht Seeds angreifbar

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Über 1.367 Bitcoin gestohlen, alte Firmware macht Seeds angreifbar
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In den vergangenen Stunden und Tagen mehrten sich Berichte über geleerte Bitcoin-Wallets. Die Hinweise verdichteten sich schnell auf eine schwere Schwachstelle in der Seed-Erzeugung bestimmter Coldcard-Wallets des Herstellers Coinkite. Nach bisherigen Blockchain-Analysen wurden mehr als 1.367 Bitcoin von insgesamt 4.585 Adressen abgezogen. Das Bitcoin-Netzwerk und seine Kryptografie wurden nicht angegriffen.

Das Problem lag vielmehr in der unzureichenden Entropie, mit der bestimmte Coldcard-Wallets neue Seeds erzeugten. Die Entropie bezeichnet die Anzahl an Zufallsdaten, aus denen eine Wallet ihre Seedphrase erzeugt. Diese besteht üblicherweise aus zwölf oder 24 Wörtern und bildet die Grundlage für die später abgeleiteten privaten Schlüssel. Die Ausgangsdaten müssen deshalb ausreichend zufällig und nicht vorhersagbar sein. Ist der mögliche Suchraum zu klein, können Angreifer mögliche Kombinationen systematisch durchprobieren, die dazugehörigen Adressen berechnen und nach Wallets mit Bitcoin-Bestand suchen.

Durch einen Fehler in der Firmware griff die Seed-Erzeugung auf einen unzureichend großen Software-Zufallszahlengenerator zurück. Bei der Coldcard Mk2 und der Coldcard Mk3 sank die effektive Sicherheit nach vorläufigen Berechnungen teilweise auf ungefähr 40 Bit. Damit war der Suchraum drastisch kleiner als die bei einer zwölf Wörter langen BIP39-Seed-Phrase angestrebten 128 Bit. Bei der Coldcard Mk4, Mk5 und der Coldcard Q konnten betroffene Firmwareversionen nach Angaben von Coinkite ungefähr 72 Bit erreichen. Bei der Mk2 und Mk3 betrifft das Problem nach Angaben des Herstellers Seeds, die mit den Firmwareversionen 4.0.1 bis 4.1.9 erzeugt wurden. Spätere Firmwares ab Version 4.2.0 korrigierten die Entropie. Bei der Coldcard Mk4 und Mk5 gelten Seeds als potenziell betroffen, wenn sie vor der Standard-Firmware 5.6.0 erstellt wurden. Bei der Coldcard Q betrifft es Seeds aus Versionen vor 1.5.0Q. Der Fehler entstand bereits 2021.

Ein Firmwareupdate allein schützt einen bereits erzeugten Seed allerdings nicht nachträglich. Betroffene Nutzer müssen zunächst die korrigierte Firmware installieren, anschließend einen vollständig neuen Seed erzeugen und ihr Bitcoin-Guthaben an Adressen der neuen Wallet übertragen. Der alte Seed darf danach nicht erneut verwendet oder in ein anderes Gerät importiert werden. Wer lediglich die Firmware aktualisiert, seine bisherige Wallet jedoch weiterverwendet, bleibt potenziell gefährdet. Wer noch sicherer sein möchte, sollte seine Bestände besser auf eine Hardwarewallet mit echtem Display übertragen – wie beispielsweise die Bitbox02 oder die Trezor Safe. Außerdem können eine zusätzliche Passphrase sowie die Streuung auf mehrere Wallets und Anbieter das Risiko senken. 

Das finanzielle Ausmaß des Vorfalls ist erheblich: Bei einem Bitcoin-Kurs von 54.000 bis 55.000 Euro entsprechen 1.367 Bitcoin einem Wert in Höhe von rund 74 bis 75 Millionen Euro. Die Zahl kann sogar noch steigen, falls weitere Abflüsse mit der Schwachstelle in Verbindung gebracht werden. 

Entscheidend ist jedoch: Es handelt sich nicht um einen Fehler im Bitcoin-Protokoll, sondern um einen Fehler bei der Erzeugung der Schlüsselgrundlage bestimmter Wallets eines einzelnen Herstellers. Auf den Bitcoin-Kurs hatte der Coldcard-Vorfall bislang keinen erheblichen Einfluss. Vor dem Wochenende notierte die wichtigste Kryptowährung zeitweise bei 55.700 bis 56.200 Euro. Gegen Mittag lag der Kurs bei knapp über 54.000 Euro, was einem Kursrückgang von nicht ganz 3,0 % entspricht. Gegenüber dem bisherigen Euro-Höchststand von ungefähr 110.000 Euro im Oktober 2025 notiert Bitcoin derzeit trotzdem knapp 50 % niedriger.

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