1. Hardwareluxx
  2. >
  3. News
  4. >
  5. Allgemein
  6. >
  7. Wirtschaft
  8. >
  9. European Processor Initiative: EU will unabhängiger von ausländischen Technologie-Zulieferern werden

European Processor Initiative: EU will unabhängiger von ausländischen Technologie-Zulieferern werden

Veröffentlicht am: von

eu logoDie EU will mehr Geld in die Förderung von Digitalen-Schlüsselindustrien stecken, um damit die Abhängigkeit von ausländischen Technologie-Unternehmen zu reduzieren.

Die anhaltende Debatte um die Mitarbeit Huaweis am neuen 5G-Netz zeigt eine unbequeme Wahrheit auf: Europa ist zu abhängig von ausländischen Zulieferern für Technologie. Die einen sehen in der Zusammenarbeit gute Perspektiven für alle Beteiligten, die anderen eine Möglichkeit zur Spionage. Doch es gibt noch ganz andere Probleme: Was wenn die Zulieferer aus China, Taiwan, Südkorea, Japan oder den USA nicht mehr liefern können, oder dürfen?Gründe hierfür gäbe es genug: Von simplen Produktions-Schwierigkeiten, über Handelskriege und politische oder gar militärische Auseinandersetzungen. Die Corona-Krise zeigte bereites im Gesundheitssektor wie fragil globalisierte Liefer-Ketten sein können, vor allem bei kritischen Gütern wie Masken oder eben Prozessoren und Halbleiter. 

Aus diesen Gründen wurde die European Processor (EPI) Initiative von der EU ins Leben gerufen. Sie soll durch gezielte Förderung wieder mehr Kompetenz in Sachen Halbleiter-Entwicklung nach Europa bringen. Mit rund 120 Millionen Euro soll dies im Rahmen des Programms Horizon 2020 geschehen. Die EPI ist darüber hinaus nur ein Teil des sogenannten "EuroHPC Joint Undertaking", ein Programm zum Aufbau von Hochleistungs-Rechentechnik in Europa, in das die europäische Union und teilnehmende Länder sogar eine Milliarde Euro stecken. Ziel ist ein Supercomputer mit bis zu 1 Exaflops Rechenleistung. Zum Vergleich: Der aktuelle Top500-Spitzenreiter Fugaku aus Japan schafft mit 416 Petaflops gerade einmal die Hälfte.

In der EU sitzen zwar Unternehmen wie NXP, Infineon, STMicroelectronics (STMicro) und Bosch, welche unter anderem zu den Marktführern bei der Produktion von Halbleitern für Kraftfahrzeuge gehören. Das Problem liegt viel mehr in dem Fehlen der Entwicklung und Fertigung leistungsfähiger Mikroprozessoren und Rechen-Beschleuniger. In der EU existiert keine Chip-Fertigungsanlage, welche Struktur-Breiten von weniger als 14 nm produzieren kann. TSMC startet parallel in Taiwan schon die 5-nm-Fertigung. Und selbst die 14 nm gibt es zurzeit nur am irischen Standort Leixlip des US-Konzerns Intel. Europäische Hersteller kommen gerade mal auf 45, bzw. 32 nm.

Zum Zweck der Bündelung der Entwicklung im Rahmen des EPI-Programms wurde nahe Paris die Firma SiPearl gegründet, die auch einen Standort in Dortmund besitzt. 2021 soll der "General Purpose Processor" (GPP) der ersten EPI-Generation namens Rhea erscheinen, den der weltweit größte Auftrags-Fertiger TSMC aus Taiwan mit 6-nm-Strukturen fertigen soll. Er enthält unter anderem ARM-Kerne vom Typ Neoverse Zeus, die dem Cortex A77 für Smartphones ähneln. Es soll aber auch schon RISC-V-Technik drinstecken. 

Nichtsdestotrotz ist das primäre Ziel der EPI nicht die Entwicklung konkreter Prozessoren, sondern vielmehr die Erarbeitung des Know-hows zum Design leistungsfähiger SoC für den Einsatz in verschiedensten Bereichen. Darunter fallen zum Beispiel die Anwendung in der künstlichen Intelligenz, aber auch der Einsatz im autonomen Fahren. Dennoch wird die EPI das Problem fehlender Produktionsanlagen für Prozessoren mit Strukturbreiten von 7 nm und darunter voraussichtlich nicht lösen können. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten. Die sogenannten Fabs benötigen Investitionen von mehreren Milliarden Euro und sind nur rentabel, wenn enorme Mengen an Chips abgesetzt werden können. 

Die EU wird sich mittelfristig also mehr mit der Entwicklung, als mit der Fertigung  von High-End-Chips beschäftigen.

Social Links

Zu diesem Artikel gibt es keinen Forumeintrag

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Robert-Koch-Institut: Neues Informations-Dashboard zum Coronavirus

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/CORONA-VIRUS

    In der heutigen Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts hat der Präsident Prof. Lothar H. Wieler ein neues Informations-Dashboard zur übersichtlichen Darstellung der Datenlange angekündigt. Dieses Dashboard ist seit heute morgen online und kann unter http://www.esri.de/corona... [mehr]

  • Nach Share-Online ist nun auch Openload vom Netz

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/OPENLOAD

    Verletzung von Urheberrechten sind kein Kavalierdelikt und das Verbreiten von geschütztem Material wird zum Teil mit hohen Strafen belegt. In den vergangenen Jahren haben vor allem Filehoster zur Verteilung von urheberrechtlich geschützten Inhalten beigetragen, doch mit Share-Online.biz konnte... [mehr]

  • Bilder zeigen Vernichtung von Retouren im Amazon-Lager in Winsen

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMAZON

    Seit einigen Monaten tauchen immer wieder Berichte auf, dass große Online-Händler zurückgeschickte Waren vernichten. Dies sei teilweise günstiger als den Zustand zu prüfen und die Produkte wieder zum Verkauf anzubieten. Laut dem neusten Bericht von Greenpeace soll vor allem Amazon große... [mehr]

  • Mehrwertsteuersenkung: Alle Infos zu den Plänen von Saturn, Media Markt und...

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/MEDIA_MARKT

    Offiziell gilt die Mehrwertsteuersenkung aufgrund der Corona-Pandemie erst ab dem 1. Juli und endet am 31. Dezember 2020. Allerdings gibt der Lebensmitteldiscounter Lidl die verringerte MwSt. schon jetzt an seine Kunden weiter. Das hat den Stein ins Rollen gebracht und immer mehr Unternehmen... [mehr]

  • Saturn und Mediamarkt feiern "Black Weekend"

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/MEDIA_MARKT

    Seit Freitagmorgen ist auch im Mediamarkt bzw. im Saturn das große "Black Weekend" gestartet. Sowohl in den Märkten vor Ort als auch im Onlineshop erwartet die Schnäppchenjäger noch bis Sonntag, den 1. Dezember eine Vielzahl von reduzierten Artikeln.  Im Mediamarkt lässt sich unter... [mehr]

  • Möglicher Skandal beim Apple-Zulieferer Foxconn

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/IPHONE_11_TEASER

    Wie jetzt einem Bericht von Taiwan News zu entnehmen ist, sollen Foxconn-Manager rund drei Jahre lang illegal iPhones hergestellt und vertrieben haben. Besagte Geräte wurden mit Komponenten produziert, die als Ausschuss galten und nicht der normalen Produktion zugeführt wurden. Insgesamt... [mehr]