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European Processor Initiative: EU will unabhängiger von ausländischen Technologie-Zulieferern werden

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eu logoDie EU will mehr Geld in die Förderung von Digitalen-Schlüsselindustrien stecken, um damit die Abhängigkeit von ausländischen Technologie-Unternehmen zu reduzieren.

Die anhaltende Debatte um die Mitarbeit Huaweis am neuen 5G-Netz zeigt eine unbequeme Wahrheit auf: Europa ist zu abhängig von ausländischen Zulieferern für Technologie. Die einen sehen in der Zusammenarbeit gute Perspektiven für alle Beteiligten, die anderen eine Möglichkeit zur Spionage. Doch es gibt noch ganz andere Probleme: Was wenn die Zulieferer aus China, Taiwan, Südkorea, Japan oder den USA nicht mehr liefern können, oder dürfen?Gründe hierfür gäbe es genug: Von simplen Produktions-Schwierigkeiten, über Handelskriege und politische oder gar militärische Auseinandersetzungen. Die Corona-Krise zeigte bereites im Gesundheitssektor wie fragil globalisierte Liefer-Ketten sein können, vor allem bei kritischen Gütern wie Masken oder eben Prozessoren und Halbleiter. 

Aus diesen Gründen wurde die European Processor (EPI) Initiative von der EU ins Leben gerufen. Sie soll durch gezielte Förderung wieder mehr Kompetenz in Sachen Halbleiter-Entwicklung nach Europa bringen. Mit rund 120 Millionen Euro soll dies im Rahmen des Programms Horizon 2020 geschehen. Die EPI ist darüber hinaus nur ein Teil des sogenannten "EuroHPC Joint Undertaking", ein Programm zum Aufbau von Hochleistungs-Rechentechnik in Europa, in das die europäische Union und teilnehmende Länder sogar eine Milliarde Euro stecken. Ziel ist ein Supercomputer mit bis zu 1 Exaflops Rechenleistung. Zum Vergleich: Der aktuelle Top500-Spitzenreiter Fugaku aus Japan schafft mit 416 Petaflops gerade einmal die Hälfte.

In der EU sitzen zwar Unternehmen wie NXP, Infineon, STMicroelectronics (STMicro) und Bosch, welche unter anderem zu den Marktführern bei der Produktion von Halbleitern für Kraftfahrzeuge gehören. Das Problem liegt viel mehr in dem Fehlen der Entwicklung und Fertigung leistungsfähiger Mikroprozessoren und Rechen-Beschleuniger. In der EU existiert keine Chip-Fertigungsanlage, welche Struktur-Breiten von weniger als 14 nm produzieren kann. TSMC startet parallel in Taiwan schon die 5-nm-Fertigung. Und selbst die 14 nm gibt es zurzeit nur am irischen Standort Leixlip des US-Konzerns Intel. Europäische Hersteller kommen gerade mal auf 45, bzw. 32 nm.

Zum Zweck der Bündelung der Entwicklung im Rahmen des EPI-Programms wurde nahe Paris die Firma SiPearl gegründet, die auch einen Standort in Dortmund besitzt. 2021 soll der "General Purpose Processor" (GPP) der ersten EPI-Generation namens Rhea erscheinen, den der weltweit größte Auftrags-Fertiger TSMC aus Taiwan mit 6-nm-Strukturen fertigen soll. Er enthält unter anderem ARM-Kerne vom Typ Neoverse Zeus, die dem Cortex A77 für Smartphones ähneln. Es soll aber auch schon RISC-V-Technik drinstecken. 

Nichtsdestotrotz ist das primäre Ziel der EPI nicht die Entwicklung konkreter Prozessoren, sondern vielmehr die Erarbeitung des Know-hows zum Design leistungsfähiger SoC für den Einsatz in verschiedensten Bereichen. Darunter fallen zum Beispiel die Anwendung in der künstlichen Intelligenz, aber auch der Einsatz im autonomen Fahren. Dennoch wird die EPI das Problem fehlender Produktionsanlagen für Prozessoren mit Strukturbreiten von 7 nm und darunter voraussichtlich nicht lösen können. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten. Die sogenannten Fabs benötigen Investitionen von mehreren Milliarden Euro und sind nur rentabel, wenn enorme Mengen an Chips abgesetzt werden können. 

Die EU wird sich mittelfristig also mehr mit der Entwicklung, als mit der Fertigung  von High-End-Chips beschäftigen.

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