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Nach über 30 Jahren: Die CeBIT wird eingestellt

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cebit 2018

Am Ende hat auch die abermalige Neuausrichtung nicht ausgereicht: Nach 32 Jahren hat die Deutsche Messe AG das Aus für die CeBIT beschlossen. Schon im kommenden Jahr soll die IT-Messe nicht mehr stattfinden, obwohl Termin und Themen bereits feststanden und erste Mietverträge für Stände abgeschlossen waren. Einen Teil der Rolle soll ausgerechnet die Mutter übernehmen.

Die Deutsche Messe AG als Veranstalter der CeBIT begründet das Aus in einer Stellungnahme mit rückläufigen Flächenbuchungen. Konkreter wird die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die sich auf eine Hausmitteilung beruft, in der das Aus bestätigt wird. In diesem Schreiben heißt es, dass wirtschaftliche Gründe zu diesem Schritt geführt haben. So habe man bislang lediglich 6.000 m² Standfläche für die CeBIT 2019 vermieten können, vor einem Jahr sei es die dreifache Fläche gewesen. „Aus heutiger Perspektive würde eine Cebit 2019 massiv in den Verlustbereich abdriften", so die Schlussfolgerung des Unternehmens, das je zur Hälfte dem Land Niedersachsen und der Stadt Hannover gehört. Hinzu käme die Einschätzung, dass es auch langfristig keine Entwicklung gebe, die eine Aufrechterhaltung der Messe rechtfertigen würde. Folgen für die Mitarbeiter wird es nicht geben - mit einer Ausnahme: Der für die CeBIT zuständige Vorstand Oliver Frese scheidet zum Jahresende aus.

Der Abschied von Frese dürfte nicht nur indirekt mit dem Wegfallen der von ihm betrauten Veranstaltung zusammenhängen. Denn nicht nur die zuletzt vorgenommen Änderungen am Konzept gingen von ihm aus und haben sich letztlich als falsch entpuppt. Denn nach den erneut schwachen Jahren 2016 und 2017 mit jeweils etwa 200.000 Besuchern sowie nur noch 3.300, bzw. 3.000 Ausstellern wurde die Messe grundlegend verändert. Statt im März sollte sie im Juni stattfinden, statt Konzentration auf Geschäftsabschlüsse sollten Vorträge und Innovationen gepaart mit Festivalcharakter im Mittelpunkt stehen. Die Rechnung ging nur bedingt auf: Zwar sprachen Aussteller und Veranstalter von neuen Zielgruppen, die man ansprechen konnte, doch insgesamt verzeichnete man nur noch 116.000 Besucher - von denen gar nur 78.000 auch die Messehallen betraten.

Bereits ab dem kommenden Jahr soll nun ausgerechnet die Hannover Messe die Digitalthemen aufgreifen, die für die Industrie eine Rolle spielen. Damit kehrt die CeBIT ein Stück weit zu ihren Wurzeln zurück. Denn wischen 1970 und 1985 war die Veranstaltung Teil der Industriemesse. Reichte zunächst die neue Halle 1 für die Messe innerhalb der Messe aus, mussten schnell weitere Hallen hinzugefügt werden. Mitte der 80er-Jahre wurde dann die Aufspaltung beschlossen. In den folgenden Jahren wuchs die CeBIT rasant, 2001 wurden mehr als 830.000 Besucher gezählt - bis heute Rekord. In den folgenden Jahren ging die Zahl der Besucher und Aussteller aber spürbar zurück. Die Gründe hierfür waren zahlreich: Mehr und mehr Unternehmen verzichteten darauf, ihre Neuheiten aufgrund nicht übereinstimmender Zeitpläne auf der Messe vorzustellen, zudem nahmen andere IT-Messen an Bedeutung zu - darunter die CES sowie der MWC. Versuche, die CeBIT vornehmlich für Fachbesucher interessant zu machen, führten nicht nur zu weiter sinkenden Besucherzahlen, sondern sorgten auch für viel Kritik von Seiten vieler Aussteller.

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Kommentare (11)

#2
Registriert seit: 07.11.2005
Börnsen
Oberbootsmann
Beiträge: 988
Früher fand ich die Messe immer klasse...Die Intel Extreme Masters da zu sehen war auch ganz cool.
Aber naja das ist auch lange her.
#3
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Registriert seit: 01.01.2016

Oberleutnant zur See
Beiträge: 1508
Zitat
statt Konzentration auf Geschäftsabschlüsse sollten Vorträge und Innovationen gepaart mit Festivalcharakter im Mittelpunkt stehen


Jedesmal das Selbe Spiel.
Jemand der null Plan von der Materie hat bekommt die Führung und vergeigt es mit,... sowas.
Immer diese BWL Studenten die meinen die Welt regieren zu können, indem sie "neue Zielgruppen ansprechen", statt die Zielgruppen zu supporten, die das ganze Ding überhaupt erst groß und rentabel gemacht haben.
Frage mich bei dem Thema wirklich wie oft das weltweit noch passieren muss, damit mal umgedacht wird. Das muss ja offensichtlich im BWL Studium ansetzen.
#4
Registriert seit: 18.08.2018

Matrose
Beiträge: 22
Damals hatten sie enorme Erfolge gefeiert, der Niedergang begann erst, als sie die Zeichen der Zeit nicht erkannten und Games/Konsolen Präsentationen auf der Cebit verboten. Die Cebit Home sollte herhalten und floppte. Da war der erste Grundstein für deren Niedergang gelegt. Die Cebit und die Gamingindustrie hätte man damals zusammenlegen müssen. Vor lauter Wald haben sie die Bäume nicht mehr gesehen.
#5
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Registriert seit: 04.03.2008
Hannover
Der mit der AK tanzt
Beiträge: 2062
Zitat SpectreInside;26659302
Damals hatten sie enorme Erfolge gefeiert, der Niedergang begann erst, als sie die Zeichen der Zeit nicht erkannten und Games/Konsolen Präsentationen auf der Cebit verboten. Die Cebit Home sollte herhalten und floppte. Da war der erste Grundstein für deren Niedergang gelegt. Die Cebit und die Gamingindustrie hätte man damals zusammenlegen müssen. Vor lauter Wald haben sie die Bäume nicht mehr gesehen.


Volltreffer, so sehe ich das auch!
Man hätte beide Sparten in der Messe unterbringen können und somit weiterhin noch mehr Besucher gebunden.
Schade, habe die CeBIT immer gemocht.
#6
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Registriert seit: 04.05.2011

Kapitänleutnant
Beiträge: 1898
Respekt den Hannoveranern. Ruck zuck den Laden dicht gemacht. Die Berliner (BER) und die Stuttgarter (Stuttgart 21) trauen sich das bis heute noch nicht.
#7
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Registriert seit: 22.09.2007

Admiral
Beiträge: 21985
Mom, die haben eine Messe abgesagt, deren Erfolg kleiner wird, die "Messe Hannover" hat damit vielleicht eine Messe weniger, aber da ist trotzdem noch einiges los in Hannover, so ist es ja nicht.

Das dei Cebit weg ist, ist schade, aber wie Spectre schon schrieb, das Interesse der Kundschaft ist durch das Thema "Keine Games" eben massiv eingeschränkt worden.
#8
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Registriert seit: 03.10.2002
DE
Flottillenadmiral
Beiträge: 5176
Schade, aber nachvollziehbar.
#9
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Registriert seit: 25.12.2005

Aqua Computer Staff
Beiträge: 1948
Das erste Wort, was mir da einfällt: endlich!

Das war ja wirklich bis zuletzt nur noch ein Trauerspiel. Ich bin bis einschließlich 2012 regelmäßig auf der CeBIT gewesen und habe auch die CeBIT Home Zeiten miterlebt. Aus Privatanwender-Sicht war die CeBIT vor langer Zeit wirklich eine Messe zum Anfassen und Staunen. Man konnte Zukunftstechnologie, die man sonst nur vom Hörensagen kannte, mal live sehen und auch ausprobieren. Gerade dieser Reiz lies aber immer weiter nach. Mehr und mehr Consumerprodukte und zugehörige Firmen blieben der Messe fern, was aber auch verständlich ist denn für die war es wohl eher einfach nur eine kostspielige Image-Werbung. Im Grunde ein Teufelskreis da weniger Privatanweder zugleich auch wieder weniger Firmen mit entsprechendem Fokus anlocken usw.

Wo es zuletzt vielleicht noch etwas interessantes gab bekamen es ohnehin nur noch ausgewählte Gäste oder Geschäftspartner hinter verschlossenen Türen zu Gesicht - ganz im Gegensatz zu früher, wo man eher den Eindruck hatte die Firmen protzen um die Wette und jeder soll es sehen. Da hatte man offenbar noch nicht so viel Angst, dass einem der Mitbewerber etwas abgucken könnte...

Die Messe wurde für Privatanwender über die Jahre immer uninteressanter und damit hatte die Messeleitung ja sogar eines ihrer vielen (wirren) Ziele von damals erreicht da man den geschäftstüchtigen Entscheider mit Geld im Rücken in den Mittelpunkt stellen wollte. Unvergessen in dem Zusammenhang wie Sony damals seine PlayStation Konsolen wieder abbauen musste :fresse: Da wurde langsam klar, wo die Reise hingehen wird.

Die Messe wollte sich in den letzten Jahren jedes mal wieder neu erfinden. Das sah nicht nur wie Verzweiflung aus, sondern war es wohl auch. Erst vergrault man gezielt die Privatanwender, dann will man sie plötzlich wieder zurück haben. Nix mehr Fachmesse - lasst uns ein Event für jedermann draus machen. Da habe ich mir echt nur noch gedacht lasst es einfach bleiben; das Schiff wird so oder so sinken. Das hätte man beim alljährlichen Schönrechnen der stetig geringer werdenden Besucherzahlen auch vorher erkennen können zumal andere Messen wie z. B. die IFA oder Gamecom die verlorenen Schäfchen längst eingesammelt hat.

Eine gewisse "Mitschuld" sehe ich ansonsten aber auch noch beim Internet. War die CeBIT früher häufig noch ein Schlüsseltermin um neue Dinge medienwirksam in den Markt zu drücken, so war das irgendwann einfach jederzeit per Internet möglich da es von immer mehr potenziellen Kunden genutzt wurde, die sich dort auf zig Wegen umfangreich informieren können. Mittlerweile steht uns zumindest für die populären Consumerprodukte eine regelrechte Flut an Infos zur Verfügung. Wenn z. B. Logitech eine neue Maus raus bringt, kann ich nach ein paar Tagen tonnenweise Reviews lesen, mir hunderte Bilder aus allen erdenklichen Blickwinkeln ansehen, stundenlang Videos dazu auf YouTube bestaunen und irgendwo wird einer das Ding auch noch zerlegt und jede einzelne Komponente auf der Platine analysiert haben. Solche Möglichkeiten gab es in dem Umfang früher nicht und so eine Messe wie die CeBIT hatte den Reiz viele solcher Produkte mal real zu bestaunen.
#10
Registriert seit: 15.09.2009

Kapitänleutnant
Beiträge: 1856
Zitat [W2k]Shadow;26659433
Mom, die haben eine Messe abgesagt, deren Erfolg kleiner wird, die "Messe Hannover" hat damit vielleicht eine Messe weniger, aber da ist trotzdem noch einiges los in Hannover, so ist es ja nicht.


Laut Radio gibt es in Hannover z. B. noch die EuroBlech. Ist ja auch was.
#11
customavatars/avatar4100_1.gif
Registriert seit: 14.01.2003
Gifhorn
Korvettenkapitän
Beiträge: 2215
Die Cebit wurde ja systematisch kaputt gemacht von der Messe AG. Finde es schade, das war mal eine Coole Messe und dann wurde alles kaputt gemacht.
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