> > > > Project Natick: Microsoft testet Rechenzentren unter Wasser

Project Natick: Microsoft testet Rechenzentren unter Wasser

Veröffentlicht am: von

Microsoft2012Um die Energiekosten für die aufwendige Kühlung ihrer großen Rechenzentren so gering wie möglich zu halten, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Anlagen vor allem dort errichtet, wo es kalt ist. Facebook beispielsweise eröffnete vor etwa zwei Jahren an der Nordküste Schwedens, knapp unterhalb des Polarkreises, ein rund 28.000 Quadratmeter großes Rechenzentrum. Im schwedischen Ort Luleå herrschen ganzjährig eisige Außentemperaturen, die die Kühlung der Serverfarm deutlich vereinfachen. Zudem deckt die Stadt ihren Strombedarf ausschließlich durch umweltfreundliche Wasserkraft. Bei Microsoft will man künftig einen Schritt weitergehen.

Geplant sind kleine Untersee-Kapseln, die mit vielerlei Technik bestückt, einfach in Küstennähe im Meer versenkt werden sollen. Dies hätte gleich mehrere Vorteile: Zum einen würde das Meerwasser die Kühlung übernehmen, zum anderen aber würden solche Konstruktionen die Latenzzeiten verbessern und die Anbindung beschleunigen. Laut Microsoft würde ein Großteil der Weltbevölkerung in Küstenregionen leben. Da Rechenzentren meist in abgelegenen Gebieten errichtet werden, könnten Clouddienste schneller angebunden und die Latenz gesenkt werden. Dank einer schnellen Inbetriebnahme solcher Systeme würde dies zudem einen gewaltigen Kostenvorteil bedeuten.

Erster erfolgreicher Testlauf

Einen ersten Testlauf einer solchen Anlage hatte der Konzern bereits im letzten Jahr durchgeführt. Unter den Namen „Project Natick“ versenkte Microsoft vergangenen August eine mit Stickstoff gefüllte und einem Serverrack ausgestattete Stahlkapsel im Pazifik. Der Prototyp mit dem Namen „Leona Philpot“ – angelehnt an eine Figur aus dem Xbox-Spiel „Halo“ – wurde etwa einen Kilometer von San Luis Obispo in Kalifornien in etwa zehn Metern Tiefe versenkt und verfügt über einen Durchmesser von rund 2,5 m. Ausgerüstet wurde er mit rund einhundert Sensoren, die unter anderem Druck, Luftfeuchtigkeit und Bewegungen messen konnten. Insgesamt sei der Test außerordentlich erfolgreich verlaufen. Die Testphase wurde aufgrund der guten Ergebnisse verlängert und für erste Cloud-Services getestet. Nach 105 Tagen hob Microsoft im Dezember die Kapsel wieder aus dem Meer und brachte sie zurück nach Redmond, um dort weitere Analysen und Auswertungen vorzunehmen.

microsoft project natick k
Das erste Serverrack wurde bereits erfolgreich im Meer getestet

Laut Microsoft könnten solche Datenzentrum theoretisch innerhalb von 90 Tagen in den Betrieb genommen werden, was die Kosten und Planungszeit neuer Rechenzentren deutlich reduzieren würde. Die Kapseln könnten bis zum Austausch der Hardware fünf Jahre lang unter Wasser verbleiben und danach weitere vier Mal eingesetzt werden, sodass sie insgesamt 20 Jahre im Einsatz bleiben könnten. Zudem könnte man sich vorstellen, die Systeme mit einem Turbinen-System oder gar einem kleinen Gezeiten-Kraftwerk auszustatten, um auch das Problem der Stromversorgung zu lösen. Mögliche Auswirkungen auf die Umwelt habe Microsoft während des ersten Testlaufs bereits untersucht. Immerhin habe sich die Umwelt schnell an die Stahlkapsel gewöhnt, heißt es.

Allerdings weist man ausdrücklich darauf hin, dass man sich noch immer in der Testphase befinde und noch weit davon entfern sei, solche Systeme produktiv ins Meer zu lassen. Weitere Testläufe sollen in diesem Jahr folgen.

Social Links

Ihre Bewertung

Ø Bewertungen: 0

Tags

Kommentare (3)

#1
Registriert seit: 04.11.2009
Berlin
Bootsmann
Beiträge: 627
Äußerst interessantes und eigentlich naheliegendes Konzept, warum nicht gleich so, fragt man sich höchstens. Gleich die Server neben den Unterwasserleitungen versenken und von einer Wasserkühlung im wahrsten Sinne des Wortes profitieren :) Diese Klimaanlagen für Rechenzentren sind recht kurzsichtig gedacht und Nachhaltigkeit war so ungefähr das letzte Entwicklungsziel.
#2
Registriert seit: 24.07.2013

Hauptgefreiter
Beiträge: 188
Nur die Wartung wird etwas aufwändiger.. :D
#3
Registriert seit: 27.09.2010

Gefreiter
Beiträge: 36
Wenigstens kann keiner über das Kabel stolpern
Um Kommentare schreiben zu können, musst Du eingeloggt sein!

Das könnte Sie auch interessieren:

Lohnt das Mining für den Privatanwender noch?

Logo von IMAGES/STORIES/2017/ETHEREUM

Bestimmte Grafikkartenmodelle sind schlecht verfügbar und einige Hersteller präsentieren sogar spezielle Mining-Modelle – bestes Anzeichen dafür, dass eine neue Mining-Welle anrollt. Ethereum basiert wie Bitcoins auf einer Blockchain-Technologie. Ethereum ist aber keine reine Kryptowährung,... [mehr]

Bitcoin droht der Hard Fork – Ethereum weiter auf niedrigem Kurs

Logo von IMAGES/STORIES/2017/ETHEREUM

Bereits in der vergangenen Woche deuteten sich einige Änderungen bei den Kryptowährungen an. Nach einem wochenlangen Hoch brach der Kurs des Ether auf weit unter 200 US-Dollar ein. Die Gründe dafür sind nicht immer ersichtlich. Oftmals gibt es auch Wechselwirkungen zwischen den einzelnen... [mehr]

AMD mit guten Quartalszahlen – Vega und Naples für Q2 bestätigt (Update)

Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD

AMD hat die ersten Quartalszahlen veröffentlicht, die nach dem Verkaufsstart der RYZEN-Prozessoren zusammengestellt wurden. Darin zeichnet das Unternehmen einen deutlichen Anstieg beim Umsatz aus, muss bisher aber noch auf Gewinne verzichten. Weitaus wichtiger aber ist, dass AMD in seinen... [mehr]

Epyc und Vega: AMD packt ein PFLOP pro Sekunde in ein Serverrack

Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD-PROJECT47

AMD hat mit den Eypc-Serverprozessoren und Radeon-Instinct-GPU-Beschleunigern zwei sicherlich potente Hardwarekomponenten vorgestellt, die teilweise auch schon im Handel verfügbar sind oder in den kommenden Wochen und Monaten auf den Markt kommen werden. Mit den Epyc-Prozessoren greift AMD den... [mehr]

O2: Wer bei der Hotline nicht anruft, wird mit Datenvolumen belohnt (Update)

Logo von IMAGES/STORIES/2017/O2_LOGO

O2 war in den letzten Monaten aufgrund seiner schlecht erreichbaren Hotline immer wieder in der Kritik. Kunden mussten teilweise stundenlang in der Warteschleife warten, bis sich am anderen Ende der Leitung ein Mitarbeiter meldete. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Kapazitäten... [mehr]

Tesla: Solardach kann ab sofort vorbestellt werden

Logo von IMAGES/STORIES/2017/TESLA_MOTORS

Tesla nimmt ab sofort Vorbestellungen für das Solardach entgegen. Wie das Unternehmen mitteilt, sei das Solardach eine Möglichkeit, um mehr Menschen zur erneuerbaren Energie zu bewegen. Tesla hat das Solardach vor etwa sieben Monaten erstmals angekündigt. Die ersten Dächer sollen in den USA... [mehr]