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Amazon rechtfertigt Druck auf Verlage

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amazonDer Kartellbeschwerde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels räumt Amazon keine Chancen ein. Denn wie das Unternehmen auf Nachfrage von Hardwareluxx mitteilt, seien die Behauptungen „nicht wahr“.

Laut Sprecherin Christine Höger verschicke man Titel „umgehend an Kunden“ - auch die von Verlagen des Bonnier-Konzerns. Allerdings macht der Online-Händler keinen Hehl daraus, dass man Bücher von Ullstein, Carlsen und anderen Bonnier-Töchtern anders als in der Vergangenheit behandelt: „Für einige Printtitel des Verlagshauses Bonnier kaufen wir derzeit weniger Lagerbestand ein als wir dies normalerweise tun würden“. Dass dies eine Reaktion auf Verhandlungen rund um die Einkaufspreise von E-Books ist, wird nicht bestritten, im Gegenteil. „Bei der großen Mehrheit der Titel, die wir von Bonnier (Teil des internationalen 3-Milliarden-Euro-Medienkonglomerats Bonnier Media Group AB) verkaufen, verlangt Bonnier von uns wesentlich mehr für die digitale Version eines Titels als für die gedruckte Version des gleichen Titels“, so Höger.

Kunden würde jedoch erwarten, dass ein E-Book aufgrund fehlender Kosten für Druck, Lagerung, Fracht und Retoure günstiger als die Printversion sein müsse, dies sollte auch Vorteile für Amazon bieten: „Wir glauben, dass sich dieser Umstand auch in den Konditionen widerspiegeln sollte, zu denen Buchhändler bei Verlagen einkaufen“.

Während die Aussage, die Kosten für Produktion und Bereitstellung eines E-Books seien geringer als bei einem gedruckten Exemplar, durchaus zutrifft, verschweigt Amazon jedoch einen wichtigen Punkt. Denn die Forderung, Bonnier solle seine E-Books günstiger als die Printfassung verkaufen, damit die Erwartungen der Käufer erfüllt werden, ist nur ein Scheinargument. Wie auch gedruckte Bücher unterliegen E-Books der Buchpreisbindung, womit Amazon die geforderten günstigeren Einkaufskonditionen nicht an den Verbraucher weitergeben dürfte - ein Entgegenkommen der Verlage würde somit lediglich die Bilanz des Händlers verbessern.

Laut Börsenverein sind Rabatte in Höhe von 30 Prozent üblich, Amazon hingegen strebe 40 bis 50 Prozent an und bewege sich damit an der Grenze dessen, was als kartellrechtlich noch legitim gilt; das Bundeskartellamt stuft 50 Prozent als Höchstwert ein. Doch in erster Linie geht es dem Verband nicht um die Höhe der geforderten Nachlässe, sondern um den Druck, den der weltgrößte Online-Händler einzig und allein aufgrund seiner Marktmacht ausüben kann. Ob die Wettbewerbshüter die Ansicht der Buchhändler teilen, bleibt abzuwarten. Eine Stellungnahme der Behörde liegt derzeit noch nicht vor.

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Kommentare (4)

#1
Registriert seit: 14.07.2008

Oberstabsgefreiter
Beiträge: 406
Es ist schon sehr lange her, da schrien die Kapitalisten, dass der Staat sich aus dem Markt heraushalten soll. Kaum tat er das, schrien die gleichen, der Staat müsse Regeln für den Markt erlassen. Alle die vorher geschrien haben merkten, dass es nicht nur sie selber sind, die andere übers Ohr hauen, sondern selber eben auch beschissen werden.
#2
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Registriert seit: 11.08.2007
CH Basel
Flottillenadmiral
Beiträge: 4483
Zitat homann5;22352785
... Wie auch gedruckte Bücher unterliegen E-Books der Buchpreisbindung...


Nicht nur dies, dank DRM bekommt man auch eine Shop bzw App oder Gerätebindung dazu. Es lohnt sich hier durchaus auch einmal direkt beim Verlag nachzusehen ob man es dort auch ohne DRM bekommt. Black Library (Warhammer) ist hier aus meiner Sicht ein sehr löblich zu erwähnendes Beispiel.
Andere wiederum treiben es noch auf die Spitze indem man sich bei Adobe eine ID erstellen muss um das Buch überhaupt lesen zu können; z.b. ebook.de.
#3
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Registriert seit: 14.12.2009
BaWü
Stabsgefreiter
Beiträge: 382
"keine Möglichkeiten, auf alternative Absatzportale auszuweichen"
das hat man sich selbst zuzuschreiben:
- Internet verschlafen / boykottieren
- Buchpreisbindung verteidigen, E-Books gleich teuer oder teurer wie gedruckte Version verkaufen wollen
- andere Firmen das Risiko zur Erschließung eines neuen Absatzmediums übernehmen lassen, dabei noch Auflagen machen (E-Books mit DRM verseuchen)
- Das Geschäft einem Händler überlassen und auf diesen auslagern
- keine eigene Initiative, die Bücher selbst online zu vertreiben oder etwas vergleichbares wie das Kindle hervorzubringen, um mit dem traditionellen Buchhandel und zusammen mit anderen Verlagen eine Konkurrenz zu schaffen

Und dann sich aufregen, wenn Amazon für seine jahrelange Arbeit mehr Geld sehen will ?
Ich hoffe dass viele neue Autoren im nächsten Jahrzehnt zum self-publishing übergehen und dieses Verlagswesen sich selbst überlassen.

Und letztendlich muss man auch eingestehen, dass bei den Millionen von Büchern einfach ein krasses Überangebot herrscht, mit dem das derzeitige Preisgefüge (> 9€ für ein Buch, was gedruckt noch einen materiellen Wert verkörpert) im Online-Handel ("nur eine Datei") nicht mehr zu halten ist.
Da wird ein Preisverfall auf 2-3€ stattfinden, wovon sich natürlich keine Verlage mehr durchfuttern lassen, sondern zwischen Distributor und Autor direkt aufgeteilt wird.

Amazon ist für die Verlage längst nicht mehr ausschließlich Handelspartner, sondern durch ihre Self-publishing Angebote für Autoren mehr und mehr direkte Konkurenz zu den Verlagen.
Die Zeit wird zeigen, wer sich besser am Markt verteidigen wird.
#4
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Registriert seit: 07.09.2004

Flottillenadmiral
Beiträge: 4884
Dass E-Books der Buchpreisbildung unterliegen wäre mir neu...

Es muss ein Preis festgesetzt werden, aber dieser muss nicht ( und tut es oft auch nicht ) dem von einem Buch entsprechen - das könnte man als E-Bookspreisbildung bezeichnen^^
Wäre es anders, könnte auch Amazon nicht für E-Books und Bücher unterschiedliche Preise aufrufen.
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